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Mehr Tempo von EU in der Mikroelektronik gefordert

Das Hauptquartier der EU im Berlaymont-Gebäude in Brüssel. Foto: EU-Presseservice

Das Hauptquartier der EU im Berlaymont-Gebäude in Brüssel. Foto: EU-Presseservice

Halbleiter-Verband: Ipcei-Programm sollte endlich starten

Brüssel/Dresden, 22. September 2021. Der Halbleiter-Lobbyverband „European Semiconductor Industry Association“ (Esia) hat die EU-Kommission aufgefordert, mit den angekündigten Mikroelektronik-Sondersubventionen endlich mal aus dem Knick zu kommen – hat dies freilich höflicher formuliert: „Die wichtigen Projekts von gemeinsamem europäischen Interesse (IPCEI) in der Mikroelektronik und Kommunikationstechnologie zu starten, wird zu einer dringenden Angelegenheit zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Europas“, heißt es in einer heute veröffentlichten Stellungnahme des Verbandes.

Der Rest der Welt schläft nicht

Die Kommission und die beteiligten EU-Mitgliedsländer dürften keine weiteren Verzögerungen zulassen, um das Blatt für die europäische Mikroelektronik doch noch zu wenden, heißt es weiter in der Mitteilung. Angesichts milliardenschwerer Förderprogramme anderer Länder für die jeweils eigene Chipindustrie dürfe Europa nicht länger damit warten, die versprochenen IPCEI-Milliarden zu verteilen.

Milliardenschwere Förderprogramme für Halbleiterindustrie in USA, Korea und China

Konkret verweist die ESIA auf die internationalen Wettbewerber: „In den Vereinigten Staaten von Amerika werden derzeit zum Beispiel Gesetzentwürfe diskutiert, die 52 Milliarden US-Dollar bereitstellen sollen, um die Halbleiterfertigung wieder auf amerikanischen Boden zurückzubringen. Von den USA inspiriert, stellt auch die südkoreanische Regierung 65 Milliarden US-Dollar an öffentlichen Mitteln zur Verfügung, um seine Position im Halbleiter-Ökosystem zu sichern. Japan hat eine Strategie gestartet, die fortschrittliche Fertigungstechnologien, beschleunigte Investitionen und das inländische Design und die Entwicklung von Logikhalbleitern unterstützt. Die Volksrepublik China injiziert bis zu 160 Milliarden US-Dollar mit dem Ziel, im Jahr 2025 rund 70 % seiner Halbleiter im Inland zu produzieren.“

GF-Mitarbeiter passieren Reinraum-Brücke. Foto: Globalfoundries Dresden

GF-Mitarbeiter passieren eine Reinraum-Brücke. Foto: Globalfoundries Dresden

Sachsen dringt auch auf rasche Verteilung

Auch Sachsen als größter deutsche Halbleiterstandort hat in den vergangenen Monaten bereits mehrfach darauf gedrungen, die Mikroelektronik-Fördergelder endlich fließen zu lassen. So wollen beispielsweise Infineon und Globalfoundries ihre Chipfabriken in Dresden mit den neuen Programmen ausbauen.

Globalfoundries Dresden unterstützt Vorstoß

„Wir unterstützen nachdrücklich die Forderung des europäischen Verbandes der Halbleiterindustrie nach einem raschen Start des IPCEI on Microelectronics“, kommentierte der Dresdner Globalfoundries-Sprecher Jens Drews. „Unabhängig von der gegenwärtigen Krise bei der Chipversorgung ist das IPCEI notwendig, um die europäischen Innovations- und Produktionskapazitäten und damit die viel geforderte strategische Autonomie Europas zu stärken. Dieser Anspruch ist aber nur so gut wie die Fähigkeit und Bereitschaft, ihn auch umzusetzen. Hier sehen wir die klare Notwendigkeit, die Prozesse auf das Tempo des digitalen Zeitalters zu beschleunigen.“

Erst Anfang September 2021 hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) das offizielle IPCEI-Antragsverfahren in Deutschland freigegeben. Dabei hatten sich die beteiligten EU-Staaten bereits Ende 2020 darauf geeinigt, ein neues Mikroelektronik-Ipcei-Programm zu starten und es mit Milliardenzuschüssen aus den Corona-Wiederaufbau-Etats zu speisen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: ESIA, Oiger-Archiv