Innovation durch Transparenz: Quelloffene Technik rückt in den Fokus

Hochschule für Technik und Wirtschaft lädt zur „1. Open Hardware Konferenz“ nach Dresden ein
Dresden, 22. Juli 2024. Nach quelloffenen Computerprogrammen („Open Source Software“) rücken Forscher, Tüftler und Unternehmer aus Sachsen nun auch „quelloffene“ Maschinen, Geräte und Anlagen („Open Hardware“) in den Fokus der mittelständischen Industrie und der Selbstmach-Bewegung („DIY“). Das können Leiterplatten und Robotersteuerungen ebenso sein wie Staubsauger, Windräder, Autos, 3D-Drucker oder ganz andere Geräte, deren komplette Bauanleitung die Erfinder ganz bewusst für jeden einsehbar und nutzbar gemacht haben.
Idee: Der Internetschwarm sucht Fehler und entwickelt mit
Die Idee dabei: Wer seine Konstruktionen als „Open Hardware“ zugänglich macht, sorgt für Transparenz und Sicherheit, kann aber aber auch viele kreative Köpfe aus dem Internetschwarm bei der Weiterentwicklung und Fehlersuche um Hilfe bitten. Weil sich hier großes Innovationspotenzial anbahnt, haben die TU Dresden, die „Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden“ (HTWD), Handwerkskammer und das Fraunhofer Werkzeugmaschineninstitut IWU in Dresden eine „Open Source Hardware Innovation Plattform“ (Oshop) gegründet. Das Netzwerk soll nun moderne Open-Hardware-Konzepte in den Mittelstand transferieren und vor allem Maschinenbauern zeigen, welche „Industrie 4.0“-Entwicklungsprojekte damit möglich sind. Für den 30. September und 1. Oktober 2024 laden die Ohop-Experten nun zur „1. Open Hardware Konferenz“ nach Dresden ein.
Open-Hardware-Erklärvideo von Cäcilia:
Bisher eher in der Hightech-Bastler-Bewegung bekannt
Derzeit sei die „Open Hardware“-Idee vor allem unter den Hightech-Bastlern der DIY-Bewegung präsent, aber erst wenig in der sächsischen Wirtschaft etabliert, heißt es von den Tagungsorganisatoren. „Allerdings gibt es bereits erste Beispiele im 3D-Druck und im Bau von CNC-Fräsen“, betonen die Konferenz-Veranstalter. In einer „Oshop“-Befragung in der sächsischen Wirtschaft habe sich herausgestellt, dass über 70 Prozent der Umfrageteilnehmer in ihren Unternehmen „Open Hardware“-Projekte planen oder sie für vorstellbar halten, ihnen aber das nötige Wissen zur Umsetzung fehlt. Diese Expertise soll nun die Open-Hardware-Konferenz an der HTWD, der Technischen Universität Dresden und im Deutschen Hygienemuseum vermitteln. Geplant sind in diesem Zuge Vorträge, Kompaktkurse und Diskussionsrunden, in denen ausgewählte Unternehmen und Forscher zeigen, was sie mit quelloffener Technik erreicht haben. Auf der Agenda stehen beispielsweise Werkzeugmaschinen, Solar-Wechselrichter, „Opencyclone“-Staubsauger, Windräder und „Industrie 4.0“-Modellfabriken, die solche Konzepte bereits verwenden. Die Experten stellen aber auch die nötigen Lizenzen und rechtliche Konstrukte vor, mit denen sich Open Hardware auch kommerziell sinnvoll einsetzen lässt.

Debatten um Resilienz, Cybersicht und Datenschutz rücken auch quelloffene Software in den Fokus
Die Vorgeschichte: In der Software-Branche spielen quelloffene Konzepte („Open Source“) bereits seit vielen Jahren eine Rolle. Zu denken ist hier beispielsweise an das Betriebssystem Linux, den Firefox-Browser, das Videoabspiel-Programm VLC oder das „Open Office“. Der ganz breite Durchbruch im Massenmarkt ist diesen „Open Source“-Programmen zwar lange verwehrt geblieben. Doch die Debatten um mehr Resilienz und Cybersicherheit in Europa, die erheblichen laufenden Kosten und rechtlichen Risiken der Cloud-basierten Lösungen aus den USA sowie neue regionale Geschäftsmodelle haben dafür gesorgt, dass Open Software nun doch stärker in den Fokus der Wirtschaft und speziell auch des industriellen Mittelstandes gerückt hat.
Als Open-Hardware-Vater gilt Bruce Perens
Zudem ist eben aus der Open-Software-Szene sowie aus Bastler-Bewegungen wie „Makerspaces“ und „Do it yourself“ (DIY) heraus die Forderung entstanden, auch quelloffene Hardware zu fördern. Zu den Gründungsvätern dieses Trends gehört der US-Informatiker Bruce Perens, der ab 1997 Definitionen und Manifeste für „Open Hardware“ entwarf. Das Grundkonzept dabei: Um es als quelloffene Technik zu deklarieren, muss der Entwickler beziehungsweise der Rechteinhaber sein technisches Gerät entsprechend lizenzieren und für die Öffentlichkeit alle Schaltpläne, Blaupausen, Logikentwürfe, Zeichnungen oder Dateien für computergestütztes Design (CAD) bereitstellen, die nötig sind, um die Maschine, das Gerät oder Bauteil vollständig untersuchen und nachbauen zu können.
Zahlreiche Enthusiasten und Plattformen weltweit haben diese Konzepte seither weiterentwickelt. „Der gesamten offenen Hardware muss eine Dokumentation beigefügt sein, einschließlich Designdateien und Quellcode“, nennt die Plattform „Open.com“ einige Unterschiede zwischen Open Hardware und klassischer Hardware. „Darüber hinaus muss die Lizenz für die Reproduktion offener Hardware die Änderung und Verbreitung dieser Designdateien in einer Weise ermöglichen, die es anderen ermöglicht, sie problemlos zu erhalten. Dies ermöglicht und fördert sogar das Studium, die Fehlerbehebung, die Änderung und die Verbesserung offener Hardware.“
- Anmeldung und Infos zur Open-Hardware-Konferenz in Dresden: hier im Netz
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: HTWD, Open.com, Oiger-Archiv, Wikipedia

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