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Letzter E-Golf aus Dresden

Nach 50.401 Fahrzeugen in der Gläsernen Manufaktur endet die Produktion von E-Golfs in Dresden. Foto: Oliver Killig für Volkswagen
Nach 50.401 Fahrzeugen in der Gläsernen Manufaktur endet die Produktion von E-Golfs in Dresden. Foto: Oliver Killig für Volkswagen

VW rüstet Manufaktur nun auf ID3-Produktion um

Dresden, 23. Dezember 2020. Kurz vor Weihnachten beendet die gläserne VW-Manufaktur endgültig die E-Golf-Produktion, um sich auf ein neues Elektroauto vorzubereiten. Als letztes Exemplar seiner Art verlässt heute ein grauer E-Golf die Schuppe in Dresden, teilte Volkswagen Sachsen mit. Ab Ende Januar 2021 fertigen die Arbeiter hier das Nachfolgemodell ID3.

Danny Auerswald leitet ab August 2020 die VW-Manufaktur Dresden. Foto: Volkswagen Sachsen
Danny Auerswald leitet ab August 2020 die VW-Manufaktur Dresden. Foto: Volkswagen Sachsen

„Schlagen nächstes Kapitel auf“

„Schon in wenigen Wochen schlagen wir für die Gläserne Manufaktur das nächste Kapitel auf“, betonte Manufaktur-Chef Danny Auerswald. „Nach Zwickau sind wir der zweite Standort in Europa, an dem Fahrzeuge auf Basis des neuen Modularen E-Antriebsbaukastens gefertigt werden. Volkswagen unterstreicht damit die Bedeutung der sächsischen Standorte bei der konzernweiten E-Offensive.“

Lohn für die Transformations-Mühen

Dies sieht Manufaktur-Betriebsratsvorsitzender Thomas Aehlig ähnlich: „Der Start der Montage des ID.3 ist für die Belegschaft eine sehr gute Nachricht und der Lohn für die vielen Anstrengungen bei der Standorttransformation seit dem Jahr 2016.“

Robert Franke leitet die städtische Wirtschaftsförderung in Dresden. Foto: Frank Grätz für die LHD
Robert Franke leitet die städtische Wirtschaftsförderung in Dresden. Foto: Frank Grätz für die LHD

Wichtiger Standort-Faktor

Auch der städtische Chef-Wirtschaftsförderer Robert Franke streicht die Bedeutung von E-Golf und ID3 für den Standort heraus: „Mit der Entscheidung zur Produktion des e-Golfs in Dresden sicherte Volkswagen nicht nur den Standort Dresden, sondern bemaß ihm auch eine hervorgehobene Rolle bei der konzernweiten E-Offensive.“ Mit dem Schwenk hin zu einer neuen Elektroauto-Generation trage die Manufaktur zu Umweltschutz und sauberer Stadtluft bei: „Die Mobilität der Zukunft soll sauberer, leiser, komfortabler und sicherer werden.“

Abschiedsvideo von VW
für den E-Golf:

Erst Phaton, dann E-Golf – und nun ID3

Nach der Eröffnung der gläsernen Manufaktur hatte VW am Straßburger Platz in Dresden ab 2001 zunächst 84.235 Oberklasseautos des – allerdings nur mäßig erfolgreichen – Typs „Phaeton“ gebaut, außerdem 2186 Bentleys. Danach rüstete die Manufaktur ihre „Schuppe“ genannte und mit Parkettholz belegte Edelproduktionsstraße in Dresden auf E-Golfs um. Dabei handelte es sich zwar „nur“ um nachträglich auf Elektroantriebe umgerüstete Verbrenner-Golfs, dennoch schlugen sich die letzten Modell-Reihen recht erfolgreich – vor allem als Exportschlager in Norwegen. Insgesamt fertigten die Monteure in der Dresdner Manufaktur seit März 2017 genau 50.401 E-Golfs, parallel zur Fabrik am Stammsitz in Wolfsburg. Insgesamt produzierte VW an beiden Standorten 145.561 dieser elektrischen Fahrzeuge.

Ein blauer ID3, umzingelt von E-Golfs - ab 2021 produziert die VW-Manufaktur Dresden nur noch diese Elektroautos neuen Typs. Foto: Oliver Killig für Volkswagen
Ein blauer ID3, umzingelt von E-Golfs – ab 2021 produziert die VW-Manufaktur Dresden nur noch diese Elektroautos neuen Typs. Foto: Oliver Killig für Volkswagen

Umrüstung im Januar 2021

Bereits im Sommer hatte VW in Dresden einige Produktionsabschnitte schon auf das kommende Elektroauto neuen Typs umgerüstet, parallel dazu begann in Zwickau schon die Massenproduktion. Im Januar 2021 will das Unternehmen dann den Rest der Schuppe auf die neuen Produktionsaufgaben umrüsten. Der ID3 ist das erste Serien-Auto von VW, das – nach dem Vorbild von Tesla – von Anfang an als Elektroauto konstruiert wurde.

Über die VW-Manufaktur Dresden

Die Dresdner Manufaktur entstand nach Entwürfen des Stararchitekten Gunther Henn in den Jahren 2000 bis 2002. Inzwischen beschäftigt VW dort rund 380 Frauen und Männer. Sie produzieren nicht nur Elektroautos, sondern betreiben auch ein Innovationszentrum für Elektromobilität, schulen Händler, brüten innovative Mobilitätsfirmen aus, testen neue Produktionstechnologien für den Konzernverbund und entwickeln Cloud-Software für VW.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: VW, LHD, Henn-Architekten, Oiger-Archiv

Zum Weiterlesen:

VW startet ID3-Massenproduktion in Zwickau

Umstieg auf Elektroautos kostet Tausende Jobs in Sachsen

MEB-Plattform: VW beginnt Elektroautos wie Tesla um die Batterie „herumzubauen“

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger