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Ifo Dresden: Ostdeutsche Wirtschaft erholt sich langsamer von Corona

Prof. Joachim Ragnitz ist Stellvertretender Leiter der ifo-Niederlassung Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Prof. Joachim Ragnitz ist Stellvertretender Leiter der ifo-Niederlassung Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

In Sachsen schrumpft die Industrie um ein Zehntel

Dresden, 22. Dezember 2020. In Sachsen und ganz Ostdeutschland wird sich die Erholung von der Corona-Krise länger dauern als gedacht. Das hat Prof. Joachim Ragnitz vom Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo in Dresden prognostiziert.

Forscher rechnen mit „Lockdown“-Ende bis März 2021

Laut den neuen Rechenmodellen von Ifo schrumpft die sächsische Wirtschaft in diesem Jahr um fünf Prozent, in Ostdeutschland um 4,4 Prozent. Für 2021 sei dann wieder ein Zuwachs um 4,1 Prozent in Sachsen und 3,6 Prozent in Ostdeutschland. Insbesondere die sächsische Industrie muss einen starken Einbruch um ein Zehntel wegstecken. Dabei geht Ifo davon aus, dass der „harte“ Ausnahmezustand zum Ende des ersten Quartal 2021 ausläuft.

Zu wenig Rücklagen in ostdeutschen Betrieben

Laut Ifo-Umfragen fühlen sich sächsische Unternehmen generell stärker in ihrer Existenz bedroht als im gesamtdeutschen Durchschnitt, teilte Joachim Ragnitz mit. „Ostdeutsche Betriebe sind im Schnitt kleiner und haben weniger Eigenkapital, um solch eine Krise abzufedern“, interpretierte er.

„Kurzarbeitregeln waren Gold wert“

Die schwere Corona-Krise hat hierzulande allerdings keine Massenarbeitslosigkeit ausgelöst: Die Beschäftigtenzahlen sind in Sachsen in diesem Jahr um „nur“ ein Prozent gesunken, für 2021 sei ein Zuwachs um 0,1 Prozent zu erwarten, prognostizieren die Ifo-Forscher. „Insofern waren die Kurzarbeit-Regeln Gold wert“, sagt Ragnitz. „Zudem überlegen es sich die Unternehmer wegen der Fachkräfte-Engpässe gerade sehr genau, ob sie Leute entlassen.“

Ifo-Dresden-Vize Ragnitz: Im Moment kann man nur auf Sicht fahren

Eine langfristige Strategie für die Wirtschaftspolitik in Corona-Zeiten, wie sie heute die Handwerkskammer Dresden gefordert hat, sieht der Ifo-Dresden-Vize als schwierig an. „Da kann man nur auf Sicht fahren“, ist er überzeugt. Sinnvoll sei es aber, die staatlichen Liquiditätssicherungen für bedrohte Betriebe sowie die Kurzarbeiterregeln aufrecht zu erhalten. Allerdings seien Pleiten nicht völlig abzuwenden. „Man wird nicht alle Unternehmen retten können“, sagt Ragnitz.

Bedarf für zusätzlich Rettungseingriffe des Staates sieht der Wirtschaftsforscher nur dann, wenn in der sächsischen Industrie systemrelevante und strukturbestimmende Betriebe wegzubrechen drohen.

Umsatzsteuer-Senkung weitgehend verpufft

Wenig wirksam sei allerdings die Mehrwertsteuer-Senkung gewesen, die eigentlich in der Krise den Konsum ankurbeln sollte: Die Kollegen von Ifo München hätten den Stimulus für die Wirtschaft auf nur 0,2 Prozentpunkte kalkuliert. „Wenn die Leute gar nicht einkaufen, weil sie nicht die Maske tragen wollen, weil sie sich vor Ansteckung in den Geschäften fürchten oder aus anderen Gründen, dann verpufft solch ein Nachfrageanreiz natürlich.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: PK Ifo Dresden, HWK DD