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Leibniz plant neuen Labor-Komplex in Dresden

Prof. Bernd Büchner leitet als wissenschaftlicher Direktor das IFW Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Prof. Bernd Büchner leitet als wissenschaftlicher Direktor das Leibniz-IFW Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

IFW-Wissenschaftler wollen Forschung an innovativen Quantenmaterialien und Schall-Chips ausbauen

Dresden, 25. Juni 2020. Um innovative Quantenmateralien, Schallwellen-Elektronik und ähnlich vielversprechende Themen besser erforschen zu können, plant das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) Dresden einen über 30 Millionen Euro teuren Neubau. Der Komplex soll ab dem Jahr 2024 auf rund 10.000 Quadratmetern neue Labore, Büros und weitere Räume für die Forscher bereitstellen. Das hat IFW-Wissenschaftsdirektor Bernd Büchner angekündigt.

SAW-Sensoren können beispielsweise während der Chipproduktion Temperaturprofile von Halbleitern erstellen. Foto: SAWLab Saxony/IFW

SAW-Sensoren können beispielsweise während der Chipproduktion Temperaturprofile von Halbleitern erstellen. Foto: SAWLab Saxony/IFW

Industrienahe Forschung an SAW-Chips sind ein Fokus

„Wir wollen dort unter anderem Labore für die industrienahe Forschung einrichten“, erklärte Prof. Büchner. Ein Schwerpunkt dabei sind sogenannte „SAW“-Schaltkreise („Surface Acoustic Wave“), die keinen Stromanschluss brauchen und deren Informationsverarbeitung auf Oberflächen-Wellen beruht. Außerdem möchte der Direktor am IFW ein sechstes Teilinstitut einrichten, das sich den „Quantenmaterialien“ widmet. Dabei handelt es sich um Werkstoffe, die durch spezielle Quanteneffekte besonders faszinierende Eigenschaften haben. Dazu zählen die Supraleiter, die Strom widerstandslos leiten, aber auch Materialien mit ungewöhnlichen magnetischen und elektronischen Eigenschaften. Viele Wissenschaftler hoffen, dass sich in Zukunft Quantenmaterialien mit exotischen Wunscheigenschaften zielgerichtet züchten lassen, die dann zu revolutionären Durchbrüchen im Quantencomputerbau, in der Energiewirtschaft und in der Medizintechnik führen könnten. Wenn die Leibniz-Gemeinschaft sowie die Finanziers von Bund und Land ein darauf spezialisiertes neues Teilinstitut befürworten, wollen die Leibniz-Forscher dann dort eng mit dem neuen Exzellenzzentrum „Komplexität und Topologie in Quantenmaterialien“ (ct.qmat) an der TU Dresden zusammenarbeiten.

Reinraum für die Herstellung dünner Schichten für die Mikroelektronik. Foto: Jürgen Lösel/IFW Dresden

Reinraum für die Herstellung dünner Schichten für die Mikroelektronik. Foto: Jürgen Lösel/IFW Dresden

Am Stammsitz kein Platz für Anbauten mehr

Obwohl 2014 um ein Technikum mit Bürokomplex an der Nöthnitzer Straße erweitert, platzt das IFW bereits jetzt schon wieder aus allen Nähten: „Aktuell fehlen wir uns bereits über 150 Arbeitsplätze“, informierte Direktor Büchner. Zudem brauchen die Leibniz-Forscher mehr Raum, weil sie ihre Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wissenschaft (HTW) Dresden ausbauen und die Spezialisierung von Nachwuchsforscher unterstützen wollen. Da aber am angestammten Standort an der Ecke von Nöthnitzer und Helmholtz-Straße keine Grundstücke mehr frei sind, soll der Neubau statt dessen am Nürnberger Platz in der Nähe der Helmholtz-Apotheke entstehen. Um das zu ermöglichen, hatten Stadt und Land zuvor Flächen im Dresdner Süden getauscht.

Über das IFW Dresden

Das IFW ging 1992 aus dem „Zentralinstitut für Festkörperphysik und Werkstofforschung“ der Akademie der Wissenschaften der DDR hervor. Es gehört seit 1997 zur Leibniz-Gemeinschaft. Im Institut sind rund 500 Physiker, Chemiker, Ingenieure und weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Dazu kommen noch etwa 200 Gastforscher und Nachwuchswissenschaftler. Das Jahresbudget umfasst 33 Millionen Euro Grundfinanzierung, die von Bund und Land gespeist werden, sowie rund neun Millionen Euro Projektmittel aus verschiedenen Quellen. Zum IFW gehören bislang fünf Teilinstitute, die sich mit komplexen Materialien, metallischen Werkstoffen, Nanowissenschaften, Festkörperforschung und theoretischer Festkörperphysik beschäftigen. Die Anwendung der Quantenmaterialien sollen zur sechsten großen Forschungssäule werden.

 Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IFW, Interview Büchner, Leibniz-Gemeinschaft, DNN-Archiv, Oiger-Archiv, Wikipedia, Blum & Schultze, TUD

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