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Zeiss steigt in Dresdner TU-Ausgründung Senorics ein

Nahaufnahme der Infrarot-Spektroskopie-Chips. Foto: Senorics

Nahaufnahme der Infrarot-Spektroskopie-Chips. Foto: Senorics

Optikkonzern will organische Qualitätskontroll-Sensoren von den Sachsen

Dresden/Oberkochen, 16. Oktober 2019. Das Optik-Unternehmen Zeiss investiert in die Dresdner Uni-Ausgründung „Senorics”, um gemeinsam neuartige Qualitätskontrolle-Sensoren zu entwickeln. Das haben Zeiss Oberkochen und Senorics Dresden nun mitgeteilt. Über die Summe, mit der sich Zeiss an dem jungen Unternehmen in Sachsen beteiligt, machten die Partner keine Angaben. Es ist jedoch davon anzunehmen, dass es sich um einen einstelligen Millionenbetrag handelt.

Mini-Spektroskope können sehen, was in Speisen wirklich drin ist

Aus der Kooperation sollen besonders kleine und preiswerte Analyse-Sensoren hervorgehen, die die Produktion von Lebensmitteln, Agrarprodukten, Kunststoffen und Arzneimitteln überwachen. Senorics ist auf Mini-Spektrometer aus organischer Elektronik spezialisiert. Diese winzig kleinen Geräte bestrahlen Speisen, Getränke oder Kleider mit unsichtbarem Licht aus dem nah-Infrarot-Bereich (NIR) und ermitteln dann aus den zurückgeworfenen Strahlen die chemische Zusammensetzung beispielsweise eines T-Shirts, einer Biersorte oder eines Apfels.

Dresdner würden ihre Sensortechnik gern auch in Smartphones integrieren

“Bisher ließen sich vergleichbare NIR-Messungen nur im Labor realisieren – mit teuren, großen und empfindlichen Spektrometern”, betonte Hannah Szynal von Senorics. “Der von uns entwickelte monolithische Sensor dagegen hat in etwa die Größe einer Briefmarke und ist zudem recht robust gegen äußere Einflüsse, da er ohne bewegliche Teile auskommt. Die entwickelte Technologie ist soweit miniaturisierbar, dass sie sogar in Smartphones integriert werden kann.”

Möglich sei es durch die Sensortechnik auch, beispielsweise Verunreinigungen in Lebensmitteln, Kunststoffen, textilen Stoffen oder Arzneimitteln zu messen. “Ist die Cola wirklich zuckerfrei? Habe ich ein Original-Arzneimittel? Diese Fragen sollen sich mit Hilfe des Sensors im Smartphone schnell und zuverlässig beantworten lassen”, ergänzte Hannah Szynal.

Start-up will globale Vermarktungskanäle von Zeiss nutzen

„Die innovative Technologie von Senorics hat das Potenzial, kompakte und kostengünstige Sensoren zum Beispiel für die Inhaltsstoffanalyse zu ermöglichen“, schätzte Philipp Strack ein, der die Risikokapital-Tochter „Zeiss Venture“ des Zeiss-Konzerns leitet. Senorics-Chef Ronny Timmreck wiederum erhofft sich vom Zeiss-Einstieg „nicht nur Unterstützung bei der Entwicklung, sondern auch bei der Vermarktung unserer Technologie“. Zudem helfe die Investition aus Oberkochen, die Weiterentwicklung der noch jungen Firma Senorics zu finanzieren.

Dr. Ronny Timmreck leitet die Senorics GmbH. Foto: Heiko Weckbrodt

Dr. Ronny Timmreck leitet die Senorics GmbH. Foto: Heiko Weckbrodt

Photophysiker gründeten Senorics

Senorics entstand 2017 als Ausgründung des Zentrums für angewandte Physik und Photonische Materialien der TU Dresden. Der deutsche Industrieverband Ama hatte die junge Dresdner Firma erst kürzlich für einen neuartigen Bierbrau-Sensor mit dem Innovationspreis 2019 ausgezeichnet. Sensorics hat 24 Mitarbeiter.

Autor: hw

Quellen: Zeiss, Senorics, Oiger-Archiv