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„Coool Case“ wechselt nach Dresden-Reick

"Coool Case"-Chef Christian Michel. Foto: Coool Case

“Coool Case”-Chef Christian Michel. Archiv-Foto: Coool Case

Ehemalige PC-Fabrik von Robotron zieht erneut um

Dresden, 26. Februar 2019. Der ehemalige PC-Hersteller „Coool Case“ zieht zum Jahresende 2019 in eine Mietfabrik nach Dresden-Reick um. Das hat „Coool Case“-Chef Christian Michel angekündigt, der den einstigen Robotron-Betrieb von der Schäfer-Gruppe übernommen und zum Elektronik-Spezialgehäuse-Hersteller umprofiliert hatte.

Coool Case soll Ende 2019 eine eigens zu errichtende Miet-Fabrik im Gewerbegebiet Dresden-Reick beziehen. Der Komplex entsteht in Nachbarschaft zu Dresden-Elektronik und zum Holz-Rentsch auf dem Areal, das vom Bahndamm, vom Seidnitzer Weg und von der Enno-Heidebroek-Straße eingeschlossen wird. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Zertrümmerer sind schon am Werk, um den Baugrund zu bereiten: Coool Case soll Ende 2019 eine eigens zu errichtende Miet-Fabrik im Gewerbegebiet Dresden-Reick beziehen. Der Komplex entsteht in Nachbarschaft zu Dresden-Elektronik und zum Holz-Rentsch auf dem Areal, das vom Bahndamm, vom Seidnitzer Weg und von der Enno-Heidebroek-Straße eingeschlossen wird. Foto: Heiko Weckbrodt

Michel: „Heliatek“ und „Coool Case“ stören einander immer mehr

Hintergrund des Umzugs: Am bisherigen Standort an der Treidlerstraße in Dresden-Kaditz expandiert im selben Gebäudekomplex gerade das Technologie-Unternehmen „Heliatek“, das organische Solarfolie herstellt. „Heliatek ist eine Chemiefabrik, wir stellen unter anderem Gehäuse für Medizintechnik her“, erklärte Christian Michel. „Das verträgt sich nicht wirklich, wir stören uns immer mehr gegenseitig. Deshalb haben wir uns den neuen Standort gesucht.

EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger macht sich ein Bild von der Produktion organischer Solaryellen bei Heliatek Dresden. Foto> Heiko Weckbrodt

Das Archivbild zeigt EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger bei einem Fabrikbesuch bei Heliatek Dresden. Foto Heiko Weckbrodt

Investor baut Mietfabrik im Gewerbegebiet Reick

„Coool Case“ werde voraussichtlich im Dezember 2019 mit 100 Mitarbeitern umziehen, kündigte Michel an. Nachdem er ursprünglich auch einen Wegzug aus Dresden geprüft hatte, entschied er sich dann doch, mit seiner Fabrik in der sächsischen Landeshauptstadt zu bleiben – nicht weit weg übrigens von einem anderen Unternehmen mit Robotron-Wurzeln, der „Dresden Elektronik“. Ein Investor wird eigens für Coool Case zugeschnittene Fabrik mit 7500 Quadratmetern Nutzfläche am Seidnitzer Weg neben dem Holzhandel Rentsch bauen und den Komplex dann an den Gehäusebauer vermieten. Solche Mietfabrik-Modelle anstelle eigener Investitionen sind in der Branche inzwischen keine Seltenheit mehr.

Coool Case soll Ende 2019 eine eigens zu errichtende Miet-Fabrik im Gewerbegebiet Dresden-Reick in Nachbarschaft zu Dresden-Elektronik und zum Holz-Rentsch beziehen. Foto: Heiko Weckbrodt

Blick ins Gewerbegebiet Dresden-Reick. Foto: Heiko Weckbrodt

Ursprungsfabrik entstand ab 1969 unter Robotron in Gruna

„Coool Case“ geht ursprünglich auf eine PC-Großfabrik zurück, die das DDR-Computerkombinat Robotron 1969 bis 1971 an der Bodenbacher Straße in Dresden-Gruna errichtet und kurz vor der Wende noch einmal mit Millionenaufwand modernisiert hatte. Zeitweise hatte diese PC-Fabrik rund 2000 Mitarbeiter. Nach der Wende wickelte die Treuhand das Kombinat ab und privatisierte einige Teilbetriebe. Darunter war auch die vergleichsweise moderne Gehäuseproduktion, die zunächst als „Computer-Elektronik Dresden GmbH“ (CED) in die Marktwirtschaft transformierte. Die Robotron-Fabrik versuchte zeitweise, sich unter dem Namen „Comped“ mit Designer-PCs und –Laptops am Markt zu behaupten. Gegen die erstarkende und billigere Konkurrenz aus Asien konnte sich das eben erst privatisierte Unternehmen aber nicht behaupten: Obwohl Treuhand und dann die Geschäftsführung die Belegschaft von 2000 auf 500 Mitarbeiter viertelte, blieben die Produktionskosten zu hoch. Zudem musste die Firma den Namen „Comped“ wegen der Ähnlichkeit mit der US-Marke „Compaq“ wieder abgeben.

Mit Design-PCs machte der ehemalige Robotron-Betrieb unter der Marke Compedd von sich reden - doch dies rettete das PC-Geschäft nicht. Foto: Heiko Weckbrodt

Mit Design-PCs machte der ehemalige Robotron-Betrieb unter der Marke Comped von sich reden – doch dies rettete das PC-Geschäft nicht. Foto: Heiko Weckbrodt

Escom & Co. investierten nach

1993 war das Unternehmen finanziell bereits stark angeschlagen. Damals stiegen drei Investoren mit guten Marktverbindungen ein, darunter der Chef der damals großen PC-Marke Escom. Das Trio investierte weitere 20 Millionen D-Mark in Gruna, bekam die Balance aus Qualität und Produktionskosten aber auch nicht in den Griff. „In Summe wurden allein 1993 bis 1996 etwa 50 Millionen D-Mark an der Bodenbacher Straße ,verbrannt’“, schätzt Michel ein, der damals nur den Robotron-Werkzeugbau übernommen hatte. Letztlich seien dies vor allem Kredite der Commerzbank gewesen. Fast zeitgleich schlitterte auch die Mutter Escom in die Zahlungsunfähigkeit.

Schäfer-Einstieg führte zu Neustart in Kaditz

1996 stieg die Schäfer-Gruppe aus dem Siegerland ein, retteten die Fabrik vor dem Aus. Die neuen Eigner setzten Michel als Geschäftsführer ein und konzentrierten sich auf preiswertere Massenproduktions-Konzepte. Das Innenleben der PCs kam aus Fernost, die Gehäuseproduktion und die Montage waren in Dresden konzentriert. Dafür baute Schäfer bis 2001 bis 2003 eine neue Fabrikhalle mit moderner Fertigungstechnik an der Treidlerstraße. Dieser Komplex war für bis zu 700 Beschäftigte ausgelegt und erreichte diese Personalstärke auch zeitweilig fast. Außerdem etablierte Schäfer IT neben der PC-Massenproduktion in der Dresdner Fabrik auch einen neuen Geschäftsbereich für Sondergehäuse.

Coool-Case-Fabrik in Dresden. Foto: Coool Case

Coool-Case-Fabrik in Dresden. Foto: Coool Case

PC-Krise fegte Europa aus dem Markt

Dieses neue Standbein war aber noch nicht stark genug, als die PC-Krise nahezu alle europäischen Hersteller – darunter auch Schäfer – vom Markt fegte. Michel, den die Schäfer-Gruppe kurz zuvor wegen Meinungsverschiedenheiten über eine Neuausrichtung vor die Tür gesetzt hatte, kehrte 2009 zurück und übernahm die Fabrik, die wieder mal kurz vor der Schließung stand. Er machte die bisherige Nischenproduktion zum Hauptgeschäftsfeld: Unter der neuen Marke „Coool Case“ fertigte die Fabrik nun Sondergehäuse für Hochleistungsrechner, Wechselrichter und andere Spezial-Elektrotechnik und -Elektronik. Seitdem ist das Unternehmen nur noch Mieter in dem Fabrikkomplex, der weiter Schäfer gehörte. Geschäftlich wuchs das Unternehmen aber wieder leicht. 2015 kündigte dann jedoch ein US-Kunde aus der Solarbranche einen Schlüsselvertrag – und „Coool Case“ ging pleite. Ein Insolvenzverwalter halbierte das Personal von 120 auf 60 Mitarbeiter. Mitte 2016 kaufte Michel das Unternehmen mit den Restverbindlichkeiten zurück.

Coool Case 2.0: Erneuter Neustart

Michel trieb neue Aufträge auf und stabilisierte die Firma – die inzwischen Nachbar der TU-Ausgründung Heliatek geworden war. Unter anderem akquirierte er einen Auftrag der Telekom, die mechanischen Komponenten für einen Paketannahme-Automaten, den „Paket-Butler“ zu bauen. Das Gerät konnte sich aber nicht so recht in Deutschland durchsetzen. Dafür macht „Coool Case“ laut Michel nun die meisten Umsätze vor allem mit dem Spezialgehäuse-Bau, unter anderem für Philips, HP, Siemens und IBM. 2018 kam das Unternehmen auf 19 Millionen euro Umsatz. Für 2019 rechnet Michel mit ähnlichen Umsätzen – eine Plus sei kaum realistisch, da der Umzug mindestens einen halben Monat Produktionsausfall mit sich bringe.

Mit aufwendigen Mechanik-Aufträgen wie für den Paket-Butler der Telekom gewann Cooolcase Dresden wieder Boden unter den Füßen. Foto: Heiko Weckbrodt

Mit aufwendigen Mechanik-Aufträgen wie für den Paket-Butler der Telekom gewann Cooolcase Dresden wieder Boden unter den Füßen. Foto: Heiko Weckbrodt

Neues Geschäftsfeld Batteriegehäuse entsteht

„Unsere neuestes Geschäftsfeld ist der Gehäusebau für Großbatterien“, erzählt der Geschäftsführer und Eigentümer. Dabei handele es sich aber nicht um stationäre Energiespeicher, sondern um Batterien für Nischenfahrzeuge. Deren Batterien sind bis zu 1,80 Meter lang und brauchen besonders sichere, abgeschirmte und feuerfeste Spezialgehäuse. Michel: „Da zeichnet sich eine gute Entwicklung ab.“

Autor: Heiko Weckbrodt