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Pfefferkuchen, Blaudruck und Töpferei

In der Schauwerkstatt bereitet Christa-Maria Wendt schon leckere Sachen vor. Foto: Peter Weckbrodt

In der Schauwerkstatt in Pulsnitz bereitet Christa-Maria Wendt schon leckere Sachen vor. Foto: Peter Weckbrodt

Oigers Wochenendtipp führt diesmal nach Pulsnitz

Dresden/Pulsnitz, 6. November 2015. In zwei Wochen ist zwar schon der 1. Advent, doch angesichts des Goldenen Novembers will keine rechte vorweihnachtliche Stimmung aufkommen. Dem helfen wir ab mit einem Besuch auf dem 13. Pfefferkuchenmarkt in Pulsnitz, der heute schon begonnen hat. Selbstverständlich dreht sich an diesen drei Tagen alles um die braunen Leckerbissen. Aber die Stadt hat auch an diesem Wochenende mehr zu bieten als nur die Gelegenheit, sich den Bauch ordentlich mit der leckeren braunen Masse voll zu stopfen und mit jeder Menge Glühwein nachzuspülen.

Maschinen-Pfefferküchlerei um 1900

Ein Besuch der Pfefferkuchen-Schauwerkstatt am Markt ist gesetzt. Wir schließen uns einer der halbstündlich beginnenden Führungen an. Dabei bestaunen wir die uralte Technik des Pefferkuchen-Backens. Wir lernen die Einrichtung einer Pfefferküchlerei mit Maschinenbetreib um 1900 kennen. Die gezeigten Maschinen waren teilweise noch bis 1975 in Betrieb. Die Ladeneinrichtung trägt ebenfalls historischen Charakter. Im unmittelbar benachbarten Festzelt auf der Freifläche können die Familien unter fachlicher Anleitung beim Garnieren der Pfefferkuchen selbst Hand anlegen. Das Hauptproblem besteht erfahrungsgemäß darin, die Kinder wieder von dort fortzubekommen.

Noch mehr darüber erfahren wir in den Pfefferküchlereien von Gräfe, Groschky, Handrick, Löschner, Nitzsche, Schäfer, Spitzer und Zeiler sowie in der Pulsnitzer Lebkuchenfabrik. Die bloße Aufzählung unterstreicht die anhaltende wirtschaftliche Bedeutung dieses Gewerbes für die Stadt Pulsnitz.

Orientierungshilfe in Pulsitz beim Pfefferkuchenmarkt . Repro: PW

Orientierungshilfe in Pulsitz beim Pfefferkuchenmarkt. Repro: PW

Rezepte und Puppenstuben im Stadtmuseum

Nicht versäumen sollten wir den Besuch des Stadtmuseums. Es stellt in einer Sonderschau historische Pfefferkuchenrezepte vor. Eine weitere Sonderausstellung widmet sich speziell den Puppenstuben. Aber auch Einkaufsläden und Miniaturhäuser aus eineinhalb Jahrhunderten sind zu bestaunen. Die kleine aber feine Schau hat die Pulsnitzerin Astrid Hermann in geduldiger, über 20 Jahre reichender Sammeltätigkeit zusammengetragen.

Die Töpferei Jügel ist kaum zu übersehen. Foto: Peter Weckbrodt

Die Töpferei Jügel ist kaum zu übersehen. Foto: Peter Weckbrodt

Haben wir uns daran sattgesehen, sollten wir uns an den vielen Ständen oder aber auch in den ganztägig geöffneten Geschäften, über die Erzeugnisse des Pulsnitzer Töpfergewerbes informieren. In DDR-Zeiten hoch gefragt und ähnlich schwer zu bekommen wie die Seiffener Räuchermänner und Nussknacker, bietet sich uns wohlfeil die Lausitzer Keramik in ihrer ganzen Farben- und Formenpracht. An allen Tagen wird uns zwischen 13 und 17 Uhr in der Töpferei Jürgel, einem unübersehbar knallroten Haus, das Vordrehen auf der Töpferscheibe und in der nachfolgenden Malstube die Technik der Malerei gezeigt.

In der Schauwerkstatt steht auch die 150 jahre alte Spekulatius-Maschine. Foto: Peter Weckbrodt

In der Schauwerkstatt steht auch die 150 jahre alte Spekulatius-Maschine. Foto: Peter Weckbrodt

Älteste deutsche Blaudruckwerkstatt

Lohnenswert ist aber auch der kurze Spaziergang zur Bachstraße 7. Hier erwartet die Blaudruckwerkstatt die Besucher. Es ist die älteste deutsche Blaudruckwerkstatt, sie wurde 1633 im damals schlesischen Steinau a. d. Oder gegründet. Sie zeigt die ganze Palette all dessen, was bis kurz nach der Wende in Pulsnitz als einem Zentrum des Blaudrucks fabrikmäßig hergestellt wurde. Noch werden auf Kundenwunsch Decken, Läufer und Behänge angefertigt.

Gegen 17 Uhr sollten wir uns an der Nikolaikirche einfinden. Von deren Balkon spielt der Posaunenchor stimmungsvolle Lieder.

Anfahrt am besten per Städtebahn

Pulsnitz kann sehr schnell und obendrein recht preisgünstig mit der Städtebahn Sachsen erreicht werden. Die ansprechenden Triebwagen fahren am Samstag stets zur vollen Stunde von Dresden-Hauptbahnhof ab und erreichen unser Ziel in konkurrenzlosen 38 Minuten. Vom Bahnhof gehen wir ca. 10 Minuten bis ins Stadtzentrum. Für den Sonntag hat der VVO zusätzliche Züge über Pulsnitz bis Kamenz bestellt. Diese zusätzlichen Triebwagen verlassen den Hauptbahnhof um 10 Uhr, 12 Uhr, 14 Uhr und 15.55 Uhr. Auch zurück gibt es stündliche Abfahrten in Pulsnitz. Alle Fahrten werden am Samstag und Sonntag mit zwei Triebwagen durchgeführt, sie bieten 240 Sitzplätze an.

Mit dem Pkw werden wir schon vor der Stadtgrenze, am Gewerbegebiet Großröhrsdorf, zur Seite gewunken, Shuttle-Busse bringen uns ins Zentrum. Die Fahrt im Shuttlebus kostet pro Tag und Person 2,30 Euro. Auf die wenigen Parkplätze in der Stadt sollten wir nicht setzen. Besucher aus dem Dresdner Osten fahren günstig ab Schillerplatz direkt mit der Bus-Linie 309 nach Pulsnitz.

Autor: Peter Weckbrodt

13. Pfefferkuchenmarkt vom 6. bis 8. November in Pulsnitz; Öffnungszeiten Samstag 9-20 Uhr, Sonntag 10-18 Uhr; Stadtmuseum, Goethestraße 20 A, Eintritt: 2 Euro, Erm. 1 Euro; Museum Pfefferkuchen-Schauwerkstatt, Am Markt 3, Eintritt: 2 Euro, Erm. 1 Euro;

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.

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  1. Familie forschung WEHNER: Johann Christian Wehner geb.Pulsnitz August 1,1812,gest.January 3,1881 San Jose, California USA
    Eugene B. Meier, Jr.
    1160 Bailey Road
    Sycamore, Illinois 60178
    815 895 4099

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