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Nachfolger von „Mad TV“ haben mich nicht überzeugt

Sven Burkert. Foto: privat

Sven Burkert. Foto: privat

Sven Burgert, der Macher des Online-Remakes, im „Oiger“-Interview

Sven Burkert aus Weiden in der Oberpfalz hat die beliebte Wirtschaftssimulation „Mad-TV“ aus dem Jahr 1991 neu aufgelegt, aufgebohrt und als kostenloses Browser-Spiel veröffentlicht. Inzwischen gibt es bereits fast 19.000 registrierte Nutzer für das Retro-Spiel, in dem man als junger Programmdirektor Fernsehen macht. Oiger-Redakteur Heiko Weckbrodt hat den 34-jährigen Programmierer und Internet-Entwickler gefragt, wie es dazu kam und was die Fans in nächster Zeit noch von „Mad TV Online“ zu erwarten haben..

Warum haben Sie sich an eine Neu-Programmierung von Mad-TV gesetzt – waren Sie vielleicht ein besonders passionierter Fan?

Sven Burkert: Dass ich mit der Programmierung mit Mad TV begonnen habe, hatte einen anderen Grund: Ich war ein paar Monate arbeitslos und wollte mich in die Programmiersprache PHP einarbeiten, um mich beruflich voran zu bringen. Auf Mad TV fiel die Wahl, weil ich damit früher viel Spaß hatte und keines der Spiele aus der Kategorie TV-Simulation, die nach Mad TV erschienen sind (u. a. Mad TV 2, Prime Time – Der Fernsehmanager oder M.U.D. TV) an das Original herankamen. Vor allem aber habe ich immer einen Multiplayer-Modus vermisst, in dem man sich mit anderen Spielern messen konnte – die Spiele gegen die KI wurden doch recht schnell langweilig. So begann ich Ende 2005 mit der Programmierung und hatte nach ungefähr sechs Monaten im Februar 2006 einen ersten Prototyp online. Ich bekam rasend schnell einige hundert neue Registrierungen, bis der Server zusammenbrach.

Wie war bisher die Resonanz?

Sven Burkert: Von der Resonanz war ich überrascht, vor allem, was in den ersten Tagen abging. Die Fans waren größtenteils zufrieden mit meiner Umsetzung, aber ich habe mich ja auch so nah wie möglich am Original gehalten – die gleichen Filme, die gleichen Werbespots, die gleichen Grafiken, die gleichen Features. Die meiste Kritik gab es daran, dass das Spiel nicht in Echtzeit abläuft, wie das Original. Allerdings erschien mir eine rundenbasierte Spielweise sinnvoller und alles andere hätte meine Programmierkenntnisse überstiegen und den Server überfordert.

BSF: Sven Burkert, Mad-TV

BSF: Sven Burkert, Mad-TV

Viele Fans haben mir auch bei der Weiterentwicklung geholfen: Einer hat mir aus den Spieldateien des Originalspiels alle Filme, Werbespots und Drehbücher extrahiert, so dass ich die restlichen Datensätze, die ich nicht schon händisch erfasst hatte, sehr einfach übernehmen konnte. Ein anderer hat mir weitere Länder-Grafiken erstellt, so dass man nun TV-Stationen in Ländern wie Deutschland oder Italien kaufen kann, die es im Original-Spiel nicht gab. Wieder ein anderer hat mir Animationen aus dem Original-Spiel erstellt, so dass sich nun in ein paar der Hintergründen etwas bewegt. Und viele andere haben das Spiel in verschiedene Sprachen übersetzt wie Chinesisch, Spanisch oder Norwegisch.

Mittlerweile haben sich knapp 19.000 Spieler registriert, die meisten davon sind natürlich nicht mehr aktiv. Momentan spielen täglich ungefähr 100 bis 200 Spieler.

„Nettes Gespräch“ mit den Original-Entwicklern

Haben Sie keine Probleme mit Rainbow oder anderen Rechteinhabern bekommen?

Sven Burkert: Die Rechte lagen lange bei THQ, mit denen ich mich in Verbindung gesetzt habe und deren Einverständnis ich bekam. Die Befürchtung, dass Filmstudios sich melden wegen der im Spiel verwendeten Filme oder Unternehmen wegen der im Spiel verwendeten Werbespots hat sich glücklicherweise (bisher) nicht erfüllt. Ein wenig Unbehagen hatte ich diesbezüglich schon, weswegen ich eine Rechtsschutzversicherung abschloss.

Der Entwickler des Original-Spiels hat mich sogar einmal in seine Büros eingeladen und wir hatten ein nettes und interessantes Gespräch.

Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen dem alten MadTV und Ihrer Neuauflage?

Sven Burkert: Zuerst einmal die oben erwähnte Umstellung von Echtzeit auf Rundenbasiert. Auch das Herumlaufen mit seiner Spielfigur im Gebäude ist entfallen, dies ist bei browserbasierten Spielen nur mit einem großen Aufwand umsetzbar. Genau aus diesem Grund gibt es auch keine computergesteuerten Gegner. Der Gegner ist nun der eigene Bankrott bzw. alle anderen Spieler, mit denen man über Highscores (wer hat die meisten Zuschauer, wer das meiste Geld, wer hat Betty am schnellsten geheiratet) konkurriert. Und natürlich der Mehrspieler-Modus, der im Original-Spiel komplett gefehlt hat.

Ausblick: Mehrspieler-Modus wird ausgebaut

Was erwartet die MadTV-Fans in nächster Zeit?

Sven Burkert: Ich habe eine Liste mit mehreren Hundert Ideen und Verbesserungen und Vorschlägen von Spielern. Ganz oben steht die Erweiterung des Multiplayer-Modus, beispielsweise um neue Sieg- und Spielbedingungen. Außerdem kann man momentan nur zu dritt in einer Partie gegeneinander spielen, das würde ich gerne auf (sehr viel) mehr Mitspieler ausweiten. Interessant fände ich auch eine weitere grafische Oberfläche, also alternativ zu der Pixelgrafik aus dem Original-Spiel ein modernes Aussehen.

Zum Weiterlesen:

Zurück ins TV-Paradies der 90er: Rezension von „Mad TV Online“

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