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Neues Fraunhofer-Energieforschungszentrum in Dresden auf der Kippe

Schaubild eines Lithium-Schwefel-Akkus, der die aus Notebooks bekannten Lithium-Ionen-Batterien beerben soll. Solche und andere Systeme sollten eigentlich im Energie-Forschungszentrum RESET weiterentwickelt werden. Abb.: Fraunhofer IWS Dresden

Schaubild eines Lithium-Schwefel-Akkus, der die aus Notebooks bekannten Lithium-Ionen-Batterien beerben soll. Solche und andere Systeme sollten eigentlich im Energie-Forschungszentrum RESET weiterentwickelt werden. Abb.: Fraunhofer IWS Dresden

EU-Geldfluss für neues Energiezentrum RESET droht zu versiegen

Dresden, 4. Februar 2014: Die Erweiterung des Fraunhofer-Forschungscampus’ in Dresden-Gruna steht auf der Kippe. Das geht aus Angaben des sächsischen Wissenschaftsministeriums und des Dresdner Fraunhofer-Instituts für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP) hervor – das FEP betreut dieses geplante „Forschungszentrum für Ressourcenschonende Energietechnologien“ (RESET). Demnach wurde bisher nur rund ein Zehntel des auf 50 bis 60 Millionen Euro geschätzten – und im Vorfeld unter Anwohnern recht umstrittenen – Bauvorhabens zwischen Winterberg- und Bodenbacher/Zwinglistraße bewilligt und verbaut. Ob jedoch der große Rest der Investitionsförderung überhaupt noch fließt, ist inzwischen fraglich.

Sachsen rechnet mit einem Drittel weniger EU-Fördergeld

Denn Sachsen muss in den kommenden Jahren mit deutlich weniger Fördergeld aus Brüssel auskommen als bisher: „Nach aktueller Schätzung wird Sachsen in der neuen Förderperiode 2014-2020 etwa 2,65 Milliarden Euro erhalten“, teilte das sächsische Wirtschaftsministerium auf Anfrage mit. Das wäre ein Drittel weniger als in der vorherigen Förderperiode. In den Jahren 2007 bis 2013 hatte der der Freistaat noch insgesamt rund vier Milliarden Euro von der EU erhalten.

Institutsleiter: Geldfluss Ist politische Entscheidung des Landes Sachsen

Prof. Volker Kirchhoff. Foto: FEP

Prof. Volker Kirchhoff. Foto: FEP

Derzeit stehe daher kein Geld für den Weiterbau des RESETs zur Verfügung, erklärte FEP-Direktor Prof. Volker Kirchhoff. Gerechnet hatten die Fraunhofer-Forscher dafür fest mit Mitteln aus dem „Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung“ (EFRE). Weil Sachsen wegen der EU-Osterweiterung und gewonnener eigener wirtschaftlicher Stärke in der neuen EU-Förderperiode weniger „Entwicklungshilfe“ aus Brüssel bekommt, wackelt nun auch „RESET“. „Die politische Entscheidung des Landes, wer wieviel EFRE-Geld bekommt, steht noch aus“, sagte Kirchhoff.

Bisher sechs von 60 Millionen Euro bereitgestellt

Die Fraunhofer-Gesellschaft (FHG) habe recht hohen Finanzbedarf für zahlreiche Projekte in Sachsen und speziell in Dresden angemeldet, erklärte Annett Hofmann, die Sprecherin des sächsischen Wissenschaftsministeriums. „Das Vorhaben RESET ist eines der seitens der FHG als prioritär bewerteten Bauvorhaben. Bereits in der Förderperiode 2007 bis 2013 wurden hierfür mehr als sechs Millionen an EU-, Bundes- und Landes-Mittel bereitgestellt“, betonte sie. „In Abhängigkeit von der Höhe der EFRE-Mittel, die dem Wissenschaftsministerium in der Förderperiode 2014 bis 2020 zur Verfügung stehen, kann über den weiteren Ausbau von RESET entschieden werden.“

Campus-Grenzen bremsen Fraunhofer-Wachstum

So etwa stellen sich die Dresdner Fraunhofer-Forscher ihr "RESET" vor. Visualisierung: Fraunhofer FEP Dresden

So etwa stellen sich die Dresdner Fraunhofer-Forscher ihr „RESET“ vor. Visualisierung: Fraunhofer FEP Dresden

Die RESET-Probleme haben einige Brisanz: Zum Einen agieren die Dresdner Fraunhofer-Institute in Gruna seit geraumer Zeit recht erfolgreich, haben Erweiterungsbedarf und wollen Firmen ausgründen. Der Kerncampus zwischen Winterbergstraße und Eisenbahntrasse ist jedoch fast völlig ausgelastet. Das städtische Wirtschaftsdezernat bereitet zwar derzeit mit dem „Wissenschaftspark Ost“ ein neues Forschungs- und Gewerbegebiet südlich der Bahnlinie vor, der ist jedoch erst in einigen Jahren voll nutzbar.

Daher setzt die FHG zunächst auf eine eher kleine Erweiterung gen Norden, auf die andere Seite der Winterbergstraße. Dort planten das FEP und das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS), ihre Energie-Forschungen zu konzentrieren. So wollten die Ingenieure im neuen Forschungszentrum „Ressourcenschonende Energietechnologien“ (RESET) an der Solarfabrik der Zukunft tüfteln, das IKTS seine Brennstoffzellen auf dem neuen Campus weiterentwickeln, auch Batterieforschung für Elektroautos und die Energiewende standen und stehen auf der Agenda.

Organikzentrum COMEDD soll nach Gruna umziehen

Organische Leuchtdioden beim Test in der Ulbrichtkugel, einer Messeinrichtung im COMEDD. Abb.: Jürgen Lösel, COMEDD

Organische Leuchtdioden beim Test im COMEDD. Abb.: Jürgen Lösel, COMEDD

Das IKTS hat sich indes aus der ersten RESET-Bauphase zurückgezogen, weil es inzwischen das Prüfinstitut IZFP übernommen und dadurch neuen Raum in Klotzsche gewann, wie Dr. Christian Wunderlich vom IKTS erklärte. Das FEP wiederum hat das Organikelektronikzentrum COMEDD gleich nebenan übernommen. Das soll nun mit seinen 60 Mitarbeitern von Klotzsche nach Gruna verlagert werden und würde dort etwa 60 Prozent von insgesamt 4000 Quadratmetern im RESET einnehmen.

Das COMEDD hat zwar viele Maschinen für die Entwicklung und Produktion organischer Leuchtdioden, Solarzellen und Computerchips im Reinraum in Klotzsche, seine besonders innovative Rolle-zu-Rolle-Anlage steht aber ohnehin schon beim FEP in Gruna. Zudem hatte die FHG das COMEDD auch deshalb abgestuft und dem FEP zugeordnet, weil die erhofften wirtschaftlichen Erfolge bisher ausblieben.

Reinraum in Klotzsche zu teuer

FEP-Chef Kirchhoff sieht einen Grund dafür in den hohen Kosten, mit denen die Kollegen in Klotzsche ihre innovativen Produkte fertigen: Schon von daher sei eine COMEDD-Verlagerung nach Gruna sinnvoll, sagte Kirchhoff. „Für viele Unternehmen ist Reinraum-Produktion einfach zu teuer, wir müssen das ohne Reinraumtechnik hinbekommen – und damit hat das FEP viel Erfahrung.“ Autor: Heiko Weckbrodt

Kategorie: Forschung, News

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Heiko Weckbrodt hat Geschichte studiert, arbeitet jetzt in Dresden als Wirtschafts- und Wissenschaftsjournalist und ist Chefredakteur und Admin des Nachrichtenportals Oiger. Er ist auch auf Facebook, Twitter und Google+ zu finden.

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