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Pocketbook will von Radebeul aus deutschen Markt aufrollen

Ukrainer möchten Umsatz mit Lesegeräten für digitale Bücher vervierfachen

 

Die Ukrainer wollen nun auch in deutschland punkten. Abb.: Pocketbook
 
Radebeul. Die Stadt Radebeul ist nun eine Technologiefirma reicher: Die ukrainische Gruppe „Pocketbook“ hat ihren Deutschlandsitz von Nürnberg in die Lößnitzstadt verlegt. Von der Richard-Wagner-Straße aus will die Firma, die sich auf Lesegeräte für digitalisierte Bücher (eBücher) spezialisiert hat, den deutschen und mitteleuropäischen Markt aufrollen. Ziel: Der Umsatz in Deutschland soll sich auf zehn Millionen Euro vervierfachen, der Marktanteil von einem auf 25 Prozent erhöhen – binnen eines Jahres.
 „Die Nachfrage für unsere Geräte steigt, daher wurde uns der alte Sitz in Nürnberg zu klein“, erklärte Pocketbook-Deutschlandchef Peter Jargstorf. Für den Umzug nach Radebeul sprachen die „landschaftlichen Reize“ der Weinstadt, die „guten Arbeits- und Lebensbedingungen“, aber auch die lange polygrafische Tradition. Die frühere gemeinsame Arbeit für und mit KBA Planeta war es auch, die Jargstorf und den Pocketbook-Gründer Igor Popov immer wieder in Radebeul zusammenbrachte und schließlich den Ausschlag gab. Denn Popov ist nicht nur bekennender Radebeul-Fan, sondern fühlt sich mit der Buch- und Druckkunst auch tief verbunden – „das ist über Generationen hinweg in meiner Familie verwurzelt“, sagte Popov.
Mit seinen digitalen Lesegeräten gehe es ihm keineswegs darum, das Medium „Buch“ abzuschaffen, versicherte der Gründer. „Bücher werden immer eine Zukunft haben. Aber wir haben uns gefragt, wie es sich im Zeitalter von Computer und Internet verändern kann.“ Seine Antwort war 2007 die Gründung von Pocketbook in Kiew. Die ukrainischen Programmierer entwarfen auf der Basis des freien Betriebssystems Linux eine Serie von Geräten, mit denen man unterwegs nicht nur digitalisierte Romane und andere Bücher lesen kann, sondern auch im Internet surfen, spielen und MP3-Musik anhören kann. Die Geräte werden nach den ukrainischen Entwürfen vom Auftragfertiger Foxconn in Taiwan produziert. Funktional stehen die „Pocketbooks“ zwischen Apples iPad und klassischen eBuch-Geräten wie Amazons Kindle oder Sonys PRS. Auch großformatige Lesegeräte, wie sie die – in Dresden produzierende – Firma „Plastic Logic“ zu entwickeln versucht, haben die Kiewer im Programm.
Zumindest im Osten sind sie damit auch sehr erfolgreich: Von 2009 zu 2010 verdoppelte sich der Gruppen-Umsatz auf 60 Millionen Euro. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen weltweit rund 200 Mitarbeiter, davon 150 in Kiew. In der ehemaligen Sowjetunion (GUS) hat Pocketbook einen Marktanteil von 43 Prozent.
Auf ähnliche Werte will man nun auch in Deutschland und ganz Europa kommen. Die Geräte sollen vor allem über ihre niedrigen Einstiegspreise (ab 160 Euro) und die Funktionsvielfalt beworben werden. Auch möchte Jargstorf neue Kundengruppen erschließen – Senioren etwa, die wegen des klaren Schriftbilds elektronischer Tinte teils auf Lesebrillen verzichten könnten, oder Schulklassen (Idee: ein Pocketbook statt ein Ranzen voll schwerer Schulbücher.) Im „Media Markt“ und anderen Elektronikmärkten sollen die Pocketbooks bald auch erhältlich sein. Die Hauptverkaufslinie wird aber wohl vorerst das Internet bleiben, dort haben die Ukrainer auch einen eigenen eBuch-Laden eröffnet.
Zentrales Standbein dieser Expansionspläne soll nun Radebeul sein. Zwar beschäftigt Pocketbook hier zunächst nur zehn Mitarbeiter, dennoch könnte das neue Firmendomizil Hebelwirkung haben: Pocketbook will seine deutschen Umsätze alle in der Lößnitzstadt abrechnen, versicherte Jargstorf. Und dies könnte – wenn die ehrgeizigen Wachstumspläne der Ukrainer aufgehen – für die Radebeuler Rathauskasse in naher Zukunft zu einem spürbaren Steuerplus verhelfen. Heiko Weckbrodt
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