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Gewerkschafter fordern erneut Strom-Subventionen für Sachsens Stahlwerke

Foto: Gruppe Feralpi
Foto: Gruppe Feralpi

IG Metall: „Wir stehen mit der Transformation erst ganz am Anfang“

Gröditz, 31. Juli 2024. Gewerkschafter haben in den Schmiedewerken im sächsischen Gröditz ihre Forderung nach mehrjährigen Industriestrom-Subventionen („Brückenstrompreis“) erneuert. Solche Preisstützen vom Steuerzahler halten IG Metall und weitere Arbeitnehmer-Vertreter notwendig, damit die Stahlwerke sogenannten „grünen Stahl“ herstellen können, der die Umwelt weniger belastet, aber unter marktwirtschaftlichen Bedingungen viel zu teuer ist.

Was ist „grüner Stahl“?

„Grüner Stahl“ im engeren Wortsinne meint Eisen, dass mit Strom und Wasserstoff aufgeschmolzen, reduziert, veredelt und gehärtet wurde statt mit Kohle oder Erdgas. Je nach Berechnungsgrundlage wäre mit Wasserstoff reduzierter Stahl mindestens ein Drittel teurer als normaler Stahl. Ein weiteres Problem: In Deutschland ist nicht mal annähernd genug synthetisch gewonnener, also „grüner“ Elektrolyse-Wasserstoff verfügbar. Hinzu kommen eben auch die hohen deutschen Strompreise, die auch einen Umstieg der Stahlwerk-Befeuerung auf Elektroheizung teuer machen. Einige sächsische Stahlwerke, wie beispielsweise die in Riesa, gehen inzwischen diesen Weg hin zur Stromheizung, versuchen sich dafür aber halbwegs preiswerten Strom aus Solar- und Windanlagen in der Nähe zu sichern.

„Sächsische Elektrostahlroute“ fordert Hilfe von Politikerinnen

„Wir stehen mit der Transformation erst ganz am Anfang“, betonte IG-Metall-Funktionär Uwe Jahn aus Riesa während eines Besuches der saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) und der sächsischen Sozialministerin Petra Köpping (SPD) bei den Stahlwerkern in Gröditz. „Auch die sächsische Elektrostahlroute wird weiterhin spürbare Unterstützung aus der Politik brauchen. Wichtiges Beispiel dafür ist der Brückenstrompreis.“

Grüner Wirtschaftsminister will mit Subventionen Brücke in die Zukunft des billigen Ökostroms bauen

Einen Brückenstrompreis hatte der grüne Bundes-Wirtschaftsminister Robert Habeck vorgeschlagen. Auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) gilt als Anhänger. Die Idee dabei: Er hofft eisern darauf, dass die Abschaltung traditioneller Kraftwerke zu Gunsten von Solar- und Windkraft-Aufbauprogrammen letztlich überhöhten deutschen Energiepreise doch wieder senkt. Bis das so kommt, will er besonders energiehungrigen Industriebetrieben wie eben Stahlwerken oder Glashütten die Strompreise subventionieren. Da Habeck glaubt, dass das Zeitalter des billigen Ökostroms in wenigen Jahren anbricht und nur noch einer Brückenlösung bedürfe, nennt er seinen Subventionsvorschlag eben „Brückenstrompreis“. Inzwischen haben schon Chipfabriken, Rechenzentren und weitere Betriebe ebenfalls Interesse an solchen Staatszuschüssen angemeldet. Bislang ist aber noch völlig unklar, wie sich solche Milliarden-Subventionen über Jahre oder womöglich Jahrzehnte hinweg finanzieren lassen sollen.

Auch steigen derzeit die gesellschaftlichen Kosten für die „Energiewende“ eher statt dass sie sinken – beispielsweise die Zuschüsse für die EEG-Umlage, mit der der Staat die Einnahmen von Solar- und Windkraft-Anlagen stützt. Viele Ökonomen sehen das ganze Konzept angesichts hoher Kosten und staatlicher Marktverzerrungen skeptisch und plädieren statt dessen für CO2-Abgaben als marktwirtschafts-nahe Hebel für eine Öko-Transformation der Wirtschaft.

3000 Jobs in Sachsens Stahlindustrie

Laut IG Metall beschäftigt die – nach der Wende stark geschrumpfte – Stahlindustrie in Sachsen heute rund 3000 Menschen und kommt auf rund eine Milliarde Euro Jahresumsatz. Zur „Elektrostahl-Industrie“, die Stahl mit Stromheizungen herstellt, zählen die Gewerkschafter die „Feralpi Stahl“ in Riesa, BGH Edelstahl Freital & Lugau, die Mannesmannröhren-Werke Zeithain und die Schmiedewerke Gröditz.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IG Metall, Oiger-Archiv, Global Energy Solutions e.V.: „Klimaneutraler Stahl: Optionen“, Deutscher Bundestag

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger