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„Zerozerozero“: Blut, Gier und 5 Tonnen Koks

Don Minu ist schon halb blind - doch er wittert, wenn sich die Mafia-Clans gegen ihn zu erheben drohen. Szenenfoto aus "Zerozerozero", Studiocanal
Don Minu ist schon halb blind – doch er wittert, wenn sich die Mafia-Clans gegen ihn zu erheben drohen. Szenenfoto aus „Zerozerozero“, Studiocanal

Spannende Mafia-Thrillerserie erzählt über den Weg einer Drogenlieferung von Mexiko nach Italien

In der knackigen Thriller-Serie „Zerozerozero“, benannt nach der höchsten Koks-Reinheitsstufe, verfolgt der Zuschauer den Weg von fünf Tonnen Kokain von Mexiko über Afrika bis nach Süditalien. Erschienen ist dieses achtteilige Epos nun fürs deutsche Heimkino.

Werbevideo für
"Zerozerozero"
(Studiocanal):

Stefano Sollima und seine Ko-Regisseure erzählen darin exemplarisch am Schicksal eines kalabrischen Mafia-Clans, einer US-amerikanischen Reederfamilie und eines korrupten mexikanischen Drogenfahnders, wieviel Blut an jedem Drogenzentner klebt, der über den Atlantik nach Europa gelangt, welch aufgeblähte Schattenwirtschaft mit daran verdient – und wie erbarmungslos der ewige Kampf um eine Neuaufteilung der Pfründe dabei tobt.

In geheimen Betrieben strecken und verpacken Frauen das Kokain für den "Einzelhandel." Sie arbeiten in Unterwäsche, damit sie kein Koks klauen. Szenenfoto aus "Zerozerozero", Studiocanal
In geheimen Betrieben strecken und verpacken Frauen das Kokain für den „Einzelhandel.“ Sie arbeiten in Unterwäsche, damit sie kein Koks klauen. Szenenfoto aus „Zerozerozero“, Studiocanal

Die Geschichte: Kalabrien bestellt das Koks – und in Mexiko rollt der Fleischwolf an

Der gealterte Mafia-Boss Don Minu bestellt eine große und lukrative Kokain-Ladung bei den Leyra-Brüdern in Mexiko, um seine geschwächte Position unter den kalabrischen Clans zu festigen. Wie immer engagieren die Partner den US-Reeder Edward Lynwood (Gabriel Byrne, „Die üblichen Verdächtigen“), um die Ware von Amerika nach Europa zu verschiffen. Doch während der Deal eingefädelt wird, funkt ein Spezialkommando des mexikanischen Militärs um den religiösen Eiferer Manuel Contreras (Harold Torres) dazwischen. Der „Broker“ stirbt und seine mäßig erfahrenen Kinder Emma (Andrea Riseborough, „Oblivion“) und Chris (Dane DeHaan, „Valerian“) müssen den Transport übernehmen. Was sie alle nicht wissen: Sowohl Don Minus Enkel Stefano „Giuseppe De Domenico) wie auch Feldwebel Manuel Contreras treiben ein doppeltes Spiel, das bald unzählige Menschenleben kostet…

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Reeder Edward Lynwood (Gabriel Byrne) und seine Tochter Emma (Andrea Riseborough) haben schon oft Kokain für die mexikanischen Kartelle verschifft. Doch der Auftrag aus Kalabrien gerät völlig aus dem Ruder. Szenenfoto aus "Zerozerozero", Studiocanal
Reeder Edward Lynwood (Gabriel Byrne) und seine Tochter Emma (Andrea Riseborough) haben schon oft Kokain für die mexikanischen Kartelle verschifft. Doch der Auftrag aus Kalabrien gerät völlig aus dem Ruder. Szenenfoto aus „Zerozerozero“, Studiocanal

Keine Folge ohne Perspektivwechsel

Dabei folgt jede Folge von „Zerozerozero“ einem wiederkehrenden dramaturgischen Muster: Erzählt wird die jeweilige Koks-Etappe jeweils nur bis kurz vor einen Fokuspunkt, dann setzt die Story auf den Anfang zurück und erzählt alles aus einer neuen Perspektive. Auch sonst bewegt sich die Serie stilistisch, schauspielerisch und optisch auf hohem Niveau, weit jenseits der üblichen Mafia-Klischee-Machwerke. Auch wurde an originalen Schauplätzen gedreht, was nicht nur für imposante Aufnahmen kalabrischer Landschaften und aus den Slums und Lichtermeeren von Mexiko-Stadt sorgt – das stützt die authentische Anmutung der ganzen Serie. Dazu trägt aber auch Drehbuchautor Roberto Saviano bei: Er wurde als Mafia-Enhüllungsjournalist bekannt, auf seinen Recherchen basierte beispielsweise auch die Krimitragödie „Paranza – Der Clan der Kinder“.

Eine Spezialeinheit der mexikanischen Armee versucht ein Treffen der Drogenbosse auszuheben. Doch Verrat und Korruption in den eigenen Reihen sorgen für eine verhängnisvolle Ereigniskette. Szenenfoto aus "Zerozerozero", Studiocanal
Eine Spezialeinheit der mexikanischen Armee versucht ein Treffen der Drogenbosse auszuheben. Doch Verrat und Korruption in den eigenen Reihen sorgen für eine verhängnisvolle Ereigniskette. Szenenfoto aus „Zerozerozero“, Studiocanal

Fazit: spannend und glaubwürdig

All dies ist enorm fesselnd und in oft schockierender Härte inszeniert. Moralisch Partei zu ergreifen, fällt hier schwer. Denn in dieser komplexen Geschichte gibt es keine Helden. Nur auf vielerlei Art gierige Menschen, die unterschiedlich tief gesunken sind, weil ihr ethischer Kompass schon längst nicht mehr funktioniert. Aber gerade das macht eben die Geschichten aus, die das Leben schreibt und nicht Hollywood. Einen Minuspunkt gibt es nur für die flackernde Bildqualität in den Kurzdokus der Bonussektion, in der Regisseure, Autoren und Mimen über ihre Rollen und die Dreharbeiten erzählen.

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Kurzüberblick

  • Titel: „Zerozerozero“
  • Genre: Mafiathriller-Serie in acht Teilen
  • Regie: Stefano Sollima, Janus Metz, Pablo Trapero
  • Drehbuch: Roberto Saviano,
  • Darsteller: Andrea Riseborough, Gabriel Byrne, Dane DeHaan u. a.
  • Sprachen: Deutsch und Original (Italienisch, Spanisch, Englisch, Arabisch etc.)
  • Untertitel: Deutsch
  • Gesamtdauer: ca. 457 Minuten (Bluray-Fassung)
  • Altersfreigabe: FSK 16
  • Preis: Bluray 22 Euro, DVD 19 Euro, Videostrom 19 Euro (Pass für die ganze Staffel 1)

Autor der Rezension: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

„Paranza – Der Clan der Kinder“

Mafia III: Der Pate ist schwarz

Kunstmafia in Neapel

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Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger