ABX baut Radiopharma-Produktion in Radeberg aus

Sachsen schießt 6,6 Millionen Euro zu, um zuvor Altlasten der früheren Glashütte zu beseitigen
Radeberg, 14. Januar 2026. Damit „ABX advanced biochemical compounds“ seine Zutaten-Produktion für Krebsdiagnostik und -therapie in Radeberg ausbauen kann, schießt der Freistaat Sachsen dem Radiopharma-Unternehmen rund 6,6 Millionen Euro zu. Diesen Bescheid haben der sächsische Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) und Landesdirektions-Präsident Béla Bélafi heute an ABX-Chef Marco Müller übergeben.
Boden-Entseuchung mit insgesamt 8,6 Millionen Euro kalkuliert
Mit dem Fördergeld sowie weiteren zwei Millionen Euro aus der Firmenkasse will ABX-Chef Marco Müller binnen das Areal einer ehemaligen Glashütte von Altlasten im Boden befreien. Danach soll auf dem Grundstück, das zuletzt dem Entsorgungsunternehmen Nehlsen gehörte, für über 25 Millionen Euro eine neue Halle für die sterile Produktion neuer Radiopharmaka entstehen.

Minister freut sich: Investor reanimiert alten Industriestandort statt auf „Grüner Wiese“ zu bauen
„Für die Zukunft unserer Städte, unserer Unternehmen und unserer natürlichen Lebensräume sind die Sanierung von Altstandorten und das nachhaltige Flächenrecycling von großer Bedeutung“, betont von Breitenbuch. „Ich freue mich sehr, dass wir ABX dabei unterstützen können, die aktuell unbrauchbare Fläche wieder nutzbar zu machen, ohne dass neue Flächen am Stadtrand oder im Umland versiegelt werden müssen.“

Arsen, Teer und Schlacke: Glashütte hat Boden kontaminiert
Auf dem 2,4 Hektar großen Grundstück an der Pillnitzer Straße 1 produzierte bis 1928 eine Glashütte. Dabei gelangten Teer, Schlacke, Asche, Phenolen, Zink und Arsen bis zu fünf Meter tief in den Boden. Bevor dort ein neues Radiopharma-Fabrikgebäude entstehen kann, lässt ABX auf dem Areal binnen zwei Jahren alte Gebäude abreißen, den verseuchten Erdboden abtragen und entsorgen.
ABX landete Volltreffer mit strahlendem Prostata-Medikament
ABX entstand 1997 in Dresden mit fünfköpfiger Start-Belegschaft als Labor für „Radiotracer“-Chemikalien, die bei medizinischen Positron-Emissions-Tomographien (PET) gebraucht werden, um Krebs sichtbar zu machen. In den Folgejahren wuchs das Unternehmen, entwickelte Zutaten für radiopharmazeutische Arzneien, schließlich auch komplette therapeutische Strahlen-Medikamente gegen Krebs. Solche Präparate bestehen aus Molekülen mit kurzlebigen radioaktiven Isotopen, die sich gezielt an bestimmte Tumore und Metastasen anheften und sie möglichst punktgenau zerstrahlen – weltweit ein Wachstumsmarkt.

Als Volltreffer erwies sich das Prostata-Therapeutikum „177Lu-PSMA-617“, das für erhebliche Einnahmen sorgte. 2021 bezog ABX einen neuen Firmensitz in Radeberg. Ab 2023 baute das Unternehmen an der Heinrich-Gläser-Straße ein neues Radiochemie-Gebäude samt eigenem Zyklotron. Dieser Ringbeschleuniger ist für Energien bis 30 Millionen Elektronenvolt (MeV) ausgelegt, liefert Isotope für Radiopharma-Präparate und geht derzeit schrittweise in Betrieb. Inzwischen produzieren bei ABX Radeberg rund 420 Menschen Radiochemie-Präparate in Auftragssynthese sowie Präkursoren und Peptide.
Hoffnung auf neuen Atomreaktor in Sachsen
Angesichts des weltweiten Radiopharma-Booms und der wachsenden Nachfrage für strahlende Krebsmedikamente in und aus Sachsen plädiert ABX-Chef Müller bereits für den nächsten Schritt: Ähnlich wie andere Branchenvertreter und Forscher im Radiopharma-Verbund „Nuklid“ bedauert er sehr, dass das Rossendorfer Kernforschungszentrum seinen Forschungs-Kernreaktor nach der Wende abbauen musste. Allein mit Beschleunigern könne man aber gar nicht alle Isotop-Arten und -Mengen produzieren, die für den Kampf gegen Krebs gebraucht werden, argumentiert der ABX-Chef. Daher plädiert er dafür, dass Sachsen wieder einen ähnlichen Kernreaktor für Forschung und Isotopenproduktion baut.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: SMUL, ABX, Oiger-Archiv, Wikipedia

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