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Fortschrittsmüde: Viele Deutsche wünschen sich Pausen-Knopf

Viele Deutsche wünschen sich einen Pausenknopf für Fortschritt und Technologie. Visualisierung: KI ChatGPT
Viele Deutsche wünschen sich einen Pausenknopf für Fortschritt und Technologie. Visualisierung: KI ChatGPT

Bosch-Studie: Weltweit glauben die allermeisten, dass sich die Welt durch Technologie verbessern lässt – in Deutschland sind es nur noch 57 %

Stuttgart, 3. Januar 2026. Während Deutschland in einer Multikrise verharrt, bei Digitalisierung und Infrastruktur hinterherhinkt und die Wirtschaft in vielen Sparten international immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit verliert, deutet eine neue Umfrage auf mögliche tiefere Ursachen hin – jenseits von Energiekosten, Abgaben- und Bürokratielasten. Denn viele Deutsche sind im globalen Vergleich besonders fortschritts- und technologiemüde. Das hat der auf Umfragen in mehreren Ländern basierende „Bosch Tech Compass“ hin.

Chinesen und Inder besonders fortschrittsoptimistisch

Demnach meinen nur 57 Prozent, dass „technologischer Fortschritt die Welt zu einem besseren Ort“ macht. Zum Vergleich: International stimmen dieser Aussage 84 Prozent der Menschen zu. In den USA und Großbritannien sind es jeweils über zwei Drittel. In Indien sind es 84 Prozent und im Aufsteigerland China, das längst die Bundesrepublik als Industrieland und Exportweltmeister hinter sich gelassen hat, gar 88 Prozent. Nur bei unseren Nachbarn in Frankreich ist die Fortschrittsskepsis noch größer: Dort glauben nur 47 Prozent, dass wir unsere Welt mit technologischen Mitteln verbessern können. Umgekehrt wünschen sich 57 Prozent der Deutschen sogar einen „Pausenknopf“ für die technologische Entwicklung.

Stefan Hartung. Foto: Bosch
Stefan Hartung. Foto: Bosch

„Insgesamt würde ich uns als Gesellschaft mehr Mut zum Risiko wünschen“
Stefan Hartung, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung

„Die Ergebnisse des Bosch Tech Compass deuten darauf hin, dass wir in Deutschland die gesellschaftliche Akzeptanz für Innovationen steigern müssen“, schlussfolgert Bosch-Chef Stefan Hartung. „Insgesamt würde ich uns als Gesellschaft mehr Mut zum Risiko wünschen. Und wenn etwas nicht funktioniert, dann sollten wir dies nicht als Scheitern sehen, sondern als Teil des Lernprozesses.“

Transrapid, Atomausstieg, KI-Angst: lange Tradition der Fortschrittsabkehr

Beispiele für eine wachsende Technologie- und Fortschrittsabkehr in Deutschland über Jahrzehnte hinweg finden sich – nicht nur, aber insbesondere – in den alten Bundesländern mehrere. Dazu gehören der Verzicht auf den Transrapid, der Atomausstieg, die Initiativen gegen Stuttgart21, neue Stromtrassen, Pumpspeicherwerke und Kernfusion, die von Ursula von der Leyen vorangetriebenen EU-Restriktionen gegen Künstliche Intelligenz (KI) sowie Datennutzung und dergleichen mehr. So fühlen sich aktuell nur 40 Prozent auf das KI-Zeitalter vorbereitet – der niedrigste Wert unter allen Ländern. Auch gibt es in der deutschen Wirtschaft eine starke Neigung, sich zu sehr auf fast ausgereifte Technologien („Mid-Tech“)statt echte Innovationen zu fokussieren. Mittlerweile ist Deutschland im internationalen Innovationsindex sogar aus der Top 10 herausgefallen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Bosch, Oiger-Archiv, Ifo, Deutsche Patentamt, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger