„Von Aufbruchstimmung ist weit und breit nichts zu sehen“

Ifo-Umfrage: Jedes vierte Unternehmen rechnet für 2026 mit Verschlechterung der Geschäftslage
München, 26. Dezember 2025. Die kurze Hoffnungsphase nach dem Amtsantritt der Merz-Regierung ist längst verflogen, die bisherige Politik der rot-schwarzen Koalition hat Ernüchterung in der Wirtschaft hinterlassen. Das drückt das Geschäftsklima und die Bereitschaft der Unternehmer, noch in Deutschland zu investieren oder Leute über das absolut nötige Maß hinaus einzustellen. Inzwischen erwartet jede vierte Firma eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäftslage im Jahr 2026. Das geht aus einer Umfrage des Ifo-Instituts München hervor. Nur 15 Prozent erwarten eine Verbesserung.
„Die Unternehmen bleiben sehr zurückhaltend – von Aufbruchstimmung ist weit und breit nichts zu sehen“, schätzt Ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe ein. „Wirklich optimistisch blickt kaum eine Branche auf 2026.“
„Euphorie scheint dies noch nicht auszulösen.“
Ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe
Vor allem im Rückgrat der deutschen Wirtschaft, in der Industrie, überwiegt der Pessimismus – mit einer Ausnahme: Betriebe, die elektrische Ausrüstungen herstellen, rechnen per Saldo mit einer positiven Geschäftsentwicklung. Hier dürften der deutschland- und weltweite Ausbau der Energienetze, der Trend zur Fabrikautomatisierung, der Ausbaus von Wärmepumpen-Bestand und Ladeinfrastruktur für Elektroautos als Treiber wirken.
Handel und Bau besonders skeptisch
Besonders viele pessimistische Einschätzungen kommen hingegen aus dem Handel, berichten die Ifo-Forscher: Hier erwarten 32,5 Prozent eine Verschlechterung. Auch auf dem Bau ist die Stimmung trotz der milliardenschweren neuen Bundesschulden und der damit verknüpften Infrastruktur-Versprechen eher mies: Jeder dritte Bauunternehmer rechnet mit einer ungünstigeren Lage, nur ein Zehntel hofft auf bessere Geschäfte. „Die Zahlen sind insofern überraschend, als die Branche eigentlich auf das angekündigte Infrastrukturpaket hoffen könnte“, meint Wohlrabe. „Euphorie scheint dies noch nicht auszulösen.“ Dies mag auch daran liegen, dass sich inzwischen Berechnungen mehrerer Ökonomen herumgesprochen haben: dass nämlich das Klingbeil-Merz-Kabinett zwar immer mehr Schulden macht, das Geld aber zu großen Teilen in den laufenden Haushalt und konsumptive Ausgaben steckt, statt es zu investieren. Zudem kommen selbst vom investierten Teil des Bundesschuldenpakets bisher nur wenig Konjunkturimpulse in der Praxis an.
Autor: hw
Quellen: Ifo, Oiger-Archiv

Ihre Unterstützung für Oiger.de!
Ohne hinreichende Finanzierung ist unabhängiger Journalismus nach professionellen Maßstäben nicht dauerhaft möglich. Bitte unterstützen Sie daher unsere Arbeit! Wenn Sie helfen wollen, Oiger.de aufrecht zu erhalten, senden Sie Ihren Beitrag mit dem Betreff „freiwilliges Honorar“ via Paypal an:
Vielen Dank!


