Verband „Bund Sachsen“ gegen Kernfusion

Umweltfreunde: Das lenkt nur Geld und Aufmerksamkeit von Solar- und Windanlagen ab
Dresden, 12. November 2025. Gegen die Förderung von Kernfusion als künftige Langzeit-Energiequelle durch den Freistaat Sachsen und andere Akteure hat sich der Umweltverband „Bund Sachsen“ in Dresden ausgesprochen. Wer in diese Technologie investiere, fahre „in einem Blindflug in die Sackgasse der Kernfusion mit Verschwendung öffentlicher Gelder“, sind die Umweltfreunde überzeugt.
Furcht: Menschen fixieren sich ungenügend auf PV- und Windkraftanlagen
„Sie lenkt öffentliche Gelder und Aufmerksamkeit von den echten Lösungen ab“, prangert der sächsische Bund-Vorsitzende Felix Ekardt die Kernfusion an. Sie könne „den dringend nötigen Ausbau von Wind-, Solar- und Speichertechnologien nicht ersetzen“, kritisiert er. „Sachsen investiert mit Millionenbeträgen in eine Technologie, die weit in der Zukunft liegt, während beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz noch immer Rückstand besteht.“
„Bund“ glaubt nicht an Grundlastfähigkeit von Fusionskraftwerken
Der Verband stützt seine Meinung unter anderem darauf, dass bei der Kernfusion radioaktive Abfälle entstehen, der Nachschub an der Wasserstoff-Variante „Tritium“ als Brennstoff nicht gesichert sei und die Fusionsreaktoren erst in einigen Jahren fertig sind, während es dagegen bereits Solar- und Windkraftanlagen gibt. Die Entwicklung neuer Werkstoffe für die Reaktorwände sehen sie nicht als Chance auf einen Innovationsschub für die gesamte Industrie, sondern als abschreckendes Hindernis. Außerdem glauben die Bund-Vertreter, dass Fusionskraftwerke nicht „grundlastfähig“ seien, weil sie – ähnlich wie jedes Kohle-, Kern-, Gas-, Öl- und Windkraftwerk nach Jahrzehnten des Betriebs auch gewartet werden müssen.
Sterne ziehen über Milliarden Jahre ihre Energie aus Kernfusion
Kernfusion ist der Prozess, mit dem die Sonne und andere Sterne über Milliarden Jahre hinweg ihre Energie gewinnen. Dabei werden zumeist Wasserstoff-Kerne zu Helium-Kernen verschmolzen. Die dabei entstehenden Abprodukte strahlen zwar, haben aber im Vergleich zur Kernspaltung relativ kurze Abklingzeiten. Diese nahezu unerschöpflichen und hocheffizienten Prozesse für die friedliche Energiegewinnung auf der Erde nutzbar zu machen, daran arbeiteten Ingenieure und Wissenschaftler über Jahrzehnte hinweg zunächst weitgehend vergeblich: Die lange Zeit verfolgten Tokamak-Reaktorendesigns waren und sind extrem aufwändig und verbrauchen bisher immer noch mehr Energie als sie liefern.
Stellarator und Laser-Trägheits-Fusion: Seit kurzem starke Fortschritte in Deutschland und USA
Inzwischen haben die Amerikaner mit der laserinduzierten Trägheitsfusion und die Deutschen mit ihren Stellarator-Reaktoren jedoch auf ganz anderen technologischen Pfaden plötzlich enorme Fortschritte auf dem Weg zur kontrollierten Kernfusion gemacht – zu deutlich niedrigeren Investitionskosten als etwa ein Iter-Tokamak. Auch Sachsen und fünf weitere Bundesländer gehen davon aus, dass dies eine Zukunftstechnologie mit enormen Potenzialen ist und haben kürzlich eine Allianz für die Entwicklung von Fusionsreaktoren gegründet. Denn beidseits des Atlantiks ist nun ein regelrechter Wettlauf entstanden, wer zuerst ein kommerziell nutzbares Fusionskraftwerk baut. Diesen Bemühungen um eine stetige und kaum erschöpfbare Grundlast-Energiequelle wollen die Bund-Vertreter aber gerne abblasen. Denn sie fürchten, dass dann weniger Steuergelder für Solar- und Windkraftanlagen übrig bleiben.
Photovoltaik und Windanlagen sind in der Bundesrepublik seit Jahr und Tag auf wechselnde direkte und indirekte Subventionen durch Staat und Energieverbraucher angewiesen, sei es durch frühere Zubauprämien, durch Abnahmegarantien, Einspeisevergütungen, Netz-Bevorzugungen, Abschalt-Entschädigungen oder millionenteure öffentliche Forschungsprojekte. Diese Kostenfaktoren haben – neben hohen Abgabenlasten, Netzentgelten und Regulierungslasten – auch dazu beigetragen, dass die deutschen Strompreise zu den höchsten europa- und weltweit zählen.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: BUND-Verband, Oiger-Archiv, Wikipedia

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