Nahe der Chipfabriken von Dresden entsteht Gewerbehof aus Holz

Privater Investor setzt auf moderne Ökobauweise und saniert verseuchten Boden einer ehemaligen Rüstungsfabrik
Dresden, 21. Dezember 2025. Auf dem Areal einer ehemaligen Munitionsfabrik im Dresdner Industriegelände Nord entsteht derzeit ein neuer Gewerbehof aus Holz. Er soll ab dem Herbst 2026 unter dem Namen „Fairwerk“ fünf größtenteils hölzerne Hallen für kleine und mittlere Unternehmen bereitstellen. Das teilte der Investor mit, die „Family Value Management GmbH“ aus Leipzig und Frankfurt am Main.
Wandel „vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan“
Jens Krüger vom Wirtschaftsservice Dresden
„Mit dem Neubau wandelt sich das Grundstück vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan“, lobt Jens Krüger vom Wirtschaftsservice der Landeshauptstadt Dresden. Neben diesem Sanierungseffekt für das Industriegelände nahe der Königsbrücker Straße könnte der neue Gewerbehof aus Holz auch gewinnbringend für Investor wie kommunale Wirtschaftsförderer sein: Ungeachtet der Multikrise, in der Deutschland und speziell auch Sachsen feststecken, ist die Nachfrage nach halbwegs bezahlbaren Werkhallen und Büros für Uni-Ausgründungen, kleinere Mikroelektronik-Ansiedlungen und andere Firmenprojekte in Dresden groß – gerade auch im Gefolge der jüngsten Chipfabrik-Investitionen von TSMC, Infineon, Jenoptik, X-Fab und nun auch Globalfoundries.

Bauherr verspricht „extrem lange Lebensdauer“
Dritter Effekt dürfte eine gewisse Vorbildwirkung für ökologisches Bauen im Gewerbesektor sein. Großen Wert legen Stadt wie auch Investor auf den Einsatz von nachhaltigem Baumaterial: „Wir erstellen die fünf Hallen mit 4900 Quadratmetern Mietfläche mit rund 340 Tonnen Holz komplett in modularer Holz-Bauweise“, betont Projektmanager Jörg Kesting. „Bei der Größe der Mieteinheiten zeichnet sich der Baustoff Holz durch seine besondere Flexibilität, aber auch extrem lange Lebensdauer aus.“
Munitionsfabrik und Auto-Instandsetzung haben den Boden verseucht
Das Areal Am Kohlenplatz an der Ecke zur Meschwitzstraße hat eine lange industrielle Vorgeschichte: Ab 1875 produzierte hier eine Fabrik Munition für die sächsische Armee. „Eine Explosion verwüstete 1916 große Teile der Fabrik und verteilte Schadstoffe im Boden“, berichtet der Investor. „Später zog dort ein Werk zur Kraftfahrzeuginstandsetzung ein. Der Boden war durch beide Nutzungen bislang mit Schadstoffen wie Schwermetallen, Ölresten und anderen gesundheitsgefährdenden Stoffen belastet.“ Nach der Wende lag das Grundstück lange brach.
9-Meter-Säulen stabilisieren Konstrukt im Sandboden
2019 übernahm das „Family Value Management“ das Areal und vermietet einen Teil davon – insgesamt 14.000 Quadratmeter. Die Landesdirektion (Ladi) Sachsen hat inzwischen bis 750.000 Euro Zuschuss aus EU- und Landesmitteln zugesagt, um die Altlasten im Boden dekontaminieren. Ab Mitte Oktober 2025 gossen Arbeiter dann 1000 Neun-Meter-Säulen im sandigen Boden. Ab Januar wollen sie darauf die Bodenplatten für den Hochbau legen. Sie tragen künftig die Holzhallen.
Zimmerer fertigen Holzhallen in Nossen vor
„Es wird 21 zweigeschossige Mieteinheiten geben zwischen 122 und 375 Quadratmetern, also ideal für Start-Ups sowie kleine und mittelständische Unternehmen, die sich eine neue Bleibe suchen ‚müssen‘“, ergänzt Architekt Clemens Richter vom Dresdner „Atelier Lauströer Richter Architekten“. „Die Hallen werden bei der ‚Holzbau Moser KG‘ in Reinsberg bei Nossen vorproduziert und dann vor Ort zusammengebaut.“
Sachsen wieder auf Holzbau-Trip
Insofern stärkt das Projekt auch die sächsischen Bemühungen, moderne Holzbauweisen wieder stärker zu etablieren. Damit knüpfen Politiker, Handwerker und Bauherren an Vorkriegstraditionen an: In der Kaiserzeit und Weimarer Republik war der Freistaat ein deutschlandweit renommierter Standort der Holzbauindustrie. Zudem erhoffen sie sich dadurch eine umweltfreundlichere Bauwirtschaft, außerdem Leichtbau-Möglichkeiten, die Beton & Co. nicht bieten. Mittlerweile haben sich mehrere dieser Handwerker, Industrieunternehmer und Forscher zu einem Holzbaukompetenzzentrum Sachsen zusammengetan.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Meeco, Family Value Management, Oiger-Archiv, Konrad-Wachsmann-Haus Niesky, Stadtwiki Dresden – Höntsch, Christoph-Unmack

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