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Raketenkosten könnten auf zwei Millionen Euro pro Start sinken

Eine "Falcon 9" soll das Privatraumschiff "Dragon" in den Orbit bringen. Abb.: NASA
Mit Systemen wie der „Falcon 9“ machte SpaceXvor, wie sich Startkosten durch wiederverwertbare Stufen senken lassen. Abb.: NASA

Raumfahrtunternehmen arbeiten an vollständig wiederverwertbaren Trägersystemen

Taipeh/Starbase/Berlin, 22. Dezember 2025. Nachdem SpaceX es vorgemacht hat, entwickeln inzwischen immer Raumfahrt-Unternehmen und -Behörden weltweit wiederverwendbare Raketen. Und: Der Trend geht immer mehr von teilweise zu vollständig wiederverwertbaren Systemen. Dieser Ansatz bietet die Chance, die Raumfahrtkosten noch einmal drastisch zu senken: von 110 und 180 Millionen US-Dollar für jeden Start einer Einmal-Rakete auf dann nur noch zwei bis fünf Millionen Euro pro Start. Das hat das Marktforschungsunternehmen „Trendforce“ aus Taiwan prognostiziert.

Viele Starts für private Sat-Netze und US-Kriegssatelliten absehbar

Private Raumfahrtunternehmungen und dann vor allem die Kostensenkungen, die Elon Musks „SpaceX“ durch lande- und bergungsfähige Raketenstufen erreicht hatte, hatte bereits einen Raumfahrtboom unter dem Schlagwort „New Space“ ausgelöst. Inzwischen sorgen der Auf- und Ausbauten von Satellitennetzen wie „Starlink“ oder „Kuiper“ und die verstärkten Starts von Kriegssatelliten durch die „US Space Force“ für weitere Impulse. Und dies forciert den Übergang zu voll wiederverwertbaren Raketen – sagen jedenfalls die „Trendforce“-Analysten voraus.

Start der Falcon-9-Rakete mit dem bemannten Privat-Raumschiff "Crew Dragon" an der Spitze. Foto: Nasa
Start der Falcon-9-Rakete mit dem bemannten Privat-Raumschiff „Crew Dragon“ an der Spitze. Foto: Nasa

Wiederverwertbare Stufen hatten Kosten bereits halbiert

„Auch etablierte Raumfahrtunternehmen wie Arianespace, Mitsubishi Heavy Industries und die China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) investieren verstärkt in Programme zur Validierung der Bergung der ersten Stufe“, heißt es von Trendforce. Die erfordere aber auch „höhere Investitionen in eine spezialisierte Bergungsinfrastruktur“. Doch wer viele Raketen startet beziehungsweise verkauft, für den lohnen sich diese Mühen: Allein durch teilweise wiederverwertbaren Raketen lassen sich die Kosten bereits auf rund 67 Millionen US-Dollar nahezu halbieren.

SpaceX will Recyclings-Kosten weiter senken

Vorreiter SpaceX verfeinert derweil seine Wiederverwendungstechnik, berichten die Analysten. So verwende das US-Unternehmen in der Falcon 9 eine wiederverwendbare erste Stufe, die mit raffiniertem Raketentreibstoff RP-1 (Kerosin) und flüssigem Sauerstoff (LOX) betrieben werde. „Die Bergung der ersten Stufe erfordert jedoch nach jedem Flug eine aufwendige Reinigung zur Entfernung von Kohlenstoffablagerungen, was Zeit und Kosten verursacht. Um die Startfrequenz zu erhöhen, wechselte SpaceX im Oktober 2025 bei den Bergungstests der zweiten Stufe von Starship zu flüssigem Methan als Treibstoff.“ Methan minimiere die Rückstandsbildung im Vergleich zu Kerosin erheblich, wodurch der Reinigungsaufwand sinke und die gesamten Startkosten reduziert werden.

Deutschland spezialisiert sich auf Kleinraketen und Sat-Antriebe

Die Europäer haben derweil noch keine betriebsbereiten wiederverwendbaren Raketen, nur Demonstratoren und Projekte wie „Themis“ und „Maia“ sowie das Ariane Next-Konzept. Deutschland wiederum bemüht sich derweil darum seine Raketen- und Satellitenindustrie zu stärken – in der „Hightech-Agenda“ der Bundesregierung ist die Luft- und Raumfahrt als „strategisches Forschungsfeld“ aufgeführt. Im Fokus stehen dabei aber vor allem eher kleine Raketen für Nanosatelliten und niedrige Umlaufbahnen beziehungsweise neue Antriebe für Satelliten und andere Raumfahrzeuge – ein Beispiel ist der Ionenantrieb von Morpheus aus Dresden.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Wikipedia, Arianegroup, BMFTR, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger