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Mit Elektronenkanonen gegen China-Lieferflauten

Sind Elektronenstrahl-stimulierte Bakterien die Bergleute von morgen? Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt
Sind Elektronenstrahl-stimulierte Bakterien die Bergleute von morgen? Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt

Fraunhofer Dresden konstruiert neue Generation hybrider Bioreaktoren

Dresden, 15. Oktober 2025. Um Europa weniger abhängig von strategischen Materialzulieferungen aus China zu machen sowie die Impfstoff-Entwicklung und Kreislaufwirtschaft in Deutschland anzukurbeln, arbeitet Fraunhofer Dresden derzeit an einer neuen Generation von Bioreaktoren mit eingebauten Niederenergie-Elektronenstrahlkanonen.

Diese kompakten Geräte sollen besonders effizient Saatgut, Tierfutter und Medizinprodukte sterilisieren, Pharma-Anfälle unschädlich machen, zudem Zellgewebe, Bergbau-Bakterien und Mikroalgen zu Höchstleistungen stimulieren – und dies ganz ohne umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien, sondern mit niedrig dosierten Teilchenströmen. Die hybriden technologischen Konzepte dahinter hat nun Forschungsleiterin Prof. Simone Schopf vom Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmaphysik (FEP) Dresden vorgestellt.

Niederenergie-Strahlen sollen Zellen auf Trab bringen

„Wir verfolgen dabei ein hybrides Konzept, indem wir Bioreaktoren mit Low-Energy Electron Irradiation-Quellen verbinden“, erklärte Schopf in einem Impulsreferat zur Dünnschichttech-Konferenz „V2025“ im Internationalen Kongresszentrum Dresden. Dies ermögliche besonders preiswerte und platzsparende Lösungen, die auch für kleine, junge Biotech-Firmen erschwinglich sein sollen. Und es handelt sich um eine vergleichsweise nachhaltige Lösung, da die Elektronenstrahlen zwar Zellen stimulieren oder biologische Reste deaktivieren können, aber keine Gewebeschäden an Mensch, Tier und Pflanzen anrichten wie etwa harte Strahlen oder Laugen.

Vom Saatgut-Entkeimer zum Bio-Bergbau

Bereits seit geraumer Zeit testet das Dresdner FEP gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben die Entkeimung von Saatgut mit niederenergetischen Elektronenstrahlen. Der nächste Schritt ist nun die Integration dieser Mini-E-Kanonen in Bioreaktoren – und neue Anwendungsszenarien in der Zell-Stimulation. Dazu gehört ein innovativer Ansatz, um Kupfer, Nickel und andere wertvolle Metalle mit Bakterienhilfe aus Schrott und aus eigentlich erschöpft geglaubten Erzadern und -halden herauszusaugen. In diesen biogeotechnologischen Prozessen wirken die Mikroorganismen als Bio-Katalysatoren, die durch Elektronenbeschuss einen deutlichen Ausbeute-Schub bekommen. Schopf hält das neue Fraunhofer-Verfahren aus Sachsen besonders vielversprechend fürs Metall-Recycling und für niedrigkonzentrierte Erze, die sich mit klassischen metallurgischen Verfahren nicht gewinnbringend ausbeuten lassen.

Erschließt Europa (wieder) eigene Quellen für strategische Rohstoffe?

Hintergrund sind Lieferengpässe und steigende Preise für Seltenen Erden, ausgewählte Beschichtungsmetalle und andere Rohstoffe, für die Deutschland entweder nie eigenen Quellen hatte oder den Bergbau dafür aus Kosten- und Ausbeutegründen aufgegeben hatte. Seither bezieht die deutsche Industrie diese strategisch wichtigen Metalle aus China und anderen außereuropäischen Ländern. Doch die verlangen inzwischen immer höherer Preise oder benutzen sie als Faustpfand in Handelskriegen, die zumeist die USA oder die Europäer selbst angefangen haben. Daher dringen sowohl die EU und der Bund wie auch besonders betroffene Unternehmen darauf, alte Quellen in Europa wiederzubeleben, den Verbrauch der strategischen Materialien zum Beispiel durch Dünnschicht-Technologien zu mindern oder viel mehr Sekundärrohstoffe als bisher durch bessere Recycling-Methoden wiederzugewinnen. Ein Beispiel unter vielen ist das Freiberger Halbleiterunternehmen „FCM“, das eben diese Pfade nun sehr aktiv verfolgt, um sich den Gallium-Nachschub für die eigene Produktion zu sichern.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Referat S. Schopf auf der V2025, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger