Plasma und Vakuum machen oft den hauchdünnen, aber entscheidenden Unterschied aus

Europas Beschichtungsexperten treffen sich in Dresden
Dresden, 29. September 2025. Superharte Schichten, keim-abweisende Oberflächengravierungen und andere moderne Beschichtungs- und Strukturierungstechnologien entscheiden immer öfter mit darüber, ob sich ein Auto, eine Werkzeugmaschine oder ein neues Flugzeugmodell richtig gut verkauft oder zum Ladenhüter wird. Sachsen hat in diesem Sektor lange Traditionen und arbeitet sich im internationalen Vergleich als führender Standort weiter vor – auch als Gastgeber für hochkarätige Branchentagungen wie die „V2025“ vom 13. bis zum 16. Oktober 2025 in Dresden: Auf Einladung der „Europäischen Forschungsgesellschaft für Dünne Schichten“ (EFDS) diskutieren vier Tage lang rund 400 Experten aus ganz Europa im internationalen Kongresszentrum am Elbufer über neueste Trends und praktische Anwendungsszenarien für Vakuum-, Plasma- und Beschichtungsprozesse weltweit.
„Was kommt als Nächstes?“ V2025-Konferenz soll Antworten liefern
Die besonderen Stärken der „V2025 | International Conference & Exhibition – Vacuum. Plasma. Surface Coating“ liegen nach Einschätzung von Netzwerk-Managerin Katrin Ferse von der „Europäischen Forschungsgesellschaft Dünne Schichten“ (EFDS) in der besonderen Praxisnähe der renommierten Branchenveranstaltung. „Bei uns treffen sich Industrie und Forschung. Dabei stellen nicht nur Wissenschaftler wichtige Zukunftstrends vor, sondern hier geht es auch ganz konkret zur Sache: Welche neuen Technologien sind gerade auf dem Markt? Was kommt als Nächstes?“
Kompostierbare Verpackungen müssen auch dicht halten
Dazu gehören beispielsweise Lebensmittel-Verpackungen, die sich kompostieren lassen. Hier helfen Beschichtungstechnologien, die nachhaltiger eingepackten Speisen auch gegen die Einflüsse von Luft und andere Umwelteinflüsse abschirmen. Andere Referenten stellen eine Hochtemperatur-Methanplasmalyse vor, mit der sich weitgehend CO₂-frei Wasserstoff und fester Kohlenstoff gewinnen lässt, oder auch Plasma-Behandlungen für chirurgische Instrumente, die ohne sogenannte „Ewigkeitschemikalien“ der verpönten PFAS-Gruppe auskommen. Auch neue Beschichtungen für Membranen und Elektroden für Batterien, um deren Lebensdauer zu verlängern und den Lithiumverbrauch zu senken, verbesserte Bipolarplatten-Fertigungsprozesse im Rolle-zu-Rolle-Verfahren und viele weitere spannende Projekte stehen auf der Konferenz-Agenda.
„Nachhaltigkeit, Energie- und Ressourceneffizienz sind zentrale Innovationstreiber für die Branche.“
EFDS-Netzwerkmanagerin Katrin Ferse
Neben diesen aktuellen Themen rückt die V2025 auch die Entwicklungsrichtungen für die nächsten Jahre in den Fokus. „Nachhaltigkeit, Energie- und Ressourceneffizienz sind zentrale Innovationstreiber für die Branche“, schätzt Netzwerkmanagerin Katrin Ferse ein. Dazu gehören die Elektrifizierung der Chemieindustrie durch Plasmakatalyse, um den Energieverbrauch dieses Industriezweigs zu senken, die Digitalisierung und der Einsatz „Künstlicher Intelligenz“ (KI) für die Prozessoptimierung, aber auch Evolutionssprünge im Beschichtungssektor, die sich durch den Einsatz von „Hochleistungs-Impulsmagnetronsputtern“ (HiPIMS) abzeichnen.
Europäer wollen sich mit besseren Beschichtungen von China-Konkurrenz abheben
Europa kann in diesen Zukunftsfeldern führend bleiben, wenn der Transfer aus der Forschung in die Industrie gelingt – so, wie ihn die V2025 vorantreibt. Besondere Stärken haben europäische Unternehmen derzeit in den Sektoren Vakuum, Plasma und Beschichtung unter anderem bei der Erzeugung optischer Schichten und besonders harter Kohlenstoffschichten, bei Beschichtungen für Werkzeuge und Implantate, im Anlagenbau sowie beim Thema Nachhaltigkeit. In anderen Beschichtungs-Szenarien wie etwa Photovoltaik oder Batterietechnik sind allerdings China und andere asiatische Länder ganz vorn mit dabei. Gut beraten sind daher alle Unternehmen hierzulande, die am Puls der Zeit bleiben und im Innovationstempo nicht nachlassen. „Gerade in den heutigen Zeiten muss man in die Zukunft investieren und sich strategisch und innovativ aufstellen“, betont Katrin Ferse.
Baron von Ardenne und DDR-Chipwerkausrüster waren Wachstumskern für Vakuum- und Plasma-Standort nach der Wende
Und gerade Gastgeber Sachsen kann hier besondere Stärken ausspielen, der hier haben Ingenieure, Tüftler und Wissenschaftler über Jahrzehnte hinweg Expertise in diesem Sektor angesammelt. So forschte Fernseh-Pionier Manfred von Ardenne zu DDR-Zeiten in seinem Dresdner Privatinstitut an wegweisenden Vakuum-Elektronenstrahl- und Plasmatechnologien. Auch der Chipfabrik-Ausrüster Elektromat und der VEB Hochvakuum Dresden entwickelten vor der Wende Vakuumausrüstungen, Zerstäubungsanlagen und dergleichen mehr.
Institute und Unternehmen aus Nukleus entstanden
Aus diesem Nukleus entstanden nach der Wende zahlreiche Unternehmen und Forschungsinstitute wie etwa „Von Ardenne Anlagentechnik“, das Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnologien (FEP) oder FHR Anlagentechnik in Ottendorf-Okrilla. Zudem gibt es in Sachsen zahlreiche Werkzeugbeschichter und Werkzeugbauer, darunter viele kleine und mittlere Unternehmen, betont EFDS-Netzwerkmanagerin Ferse. Auch die Fertigungsprozesse für Optoelektronik und Optiken spielen heute in der sächsischen Industrie eine große Rolle. Zahlreiche Entwicklungsprojekte bei Fraunhofer und weiteren Institutionen in Sachsen beschäftigen sich zudem mit Beschichtungs- und Vakuumprozessen, die auf Akkus, Brennstoffzellen und Elektrolyseure mit mehr Effizienz und Energiedichte zielen und deren Produktion billiger machen sollen. Auch neue Beschichtungen für Implantate und Medizintechnik sind ein wichtiges Thema in Sachsen. Zudem widmen sich Fraunhofer und die TU Dresden auch dem Gegenstück zur Beschichtung: Per Lasergravur strukturieren sie Flugzeugflügel, Türklinken und Maschinenbauteile so, dass sie nicht mehr vereisen, keine Keime an ihnen haften oder besonders reibungsarm arbeiten.
Kurzporträt der „V2025“:
- Veranstaltung: „V2025 | International Conference & Exhibition – Vacuum. Plasma. Surface Coating“
- Ort: „International Congress Center Dresden“, Ostra-Ufer 2, 01067 Dresden
- Zeitraum: 13.-16. Oktober 2025
- Organisator: Europäische Forschungsgesellschaft Dünne Schichten e.V. (EFDS)
- Konferenzprogramm: efds.org/v2025_programm/
- Konferenzsprache: Englisch
- Eckdaten: über 400 Teilnehmer aus 24 Ländern, 73 Aussteller, 90 Vorträge, Ausstellung mit 40 Postern aus 8 Ländern
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: EFDS, Oiger-Archiv

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