Sachsen und Taiwan könnten gemeinsam den Ressourcenhunger der Chipindustrie dämpfen

TU Dresden richtet Konferenz über „Nachhaltigkeitsperspektiven in der Halbleiterindustrie“ in Taipeh aus
Dresden/Taipeh/Saigon, 30. September 2025. Im übertragenen Sinne „grüne“ Computerchips sind Thema einer gemeinsamen sächsisch-taiwanesischen Tagung, die die TU Dresden heute in Taipeh ausrichtet. Unter dem Motto „Nachhaltigkeitsperspektiven in der Halbleiterindustrie“ wollen Experten beider Mikroelektronik-Standorte über Themen sprechen, die die Branche nicht nur aus ökologischen Gründen oder wegen des politischen Drucks hin zum Umweltschutz bewegt. Die Kernfrage dahinter: Wie lässt sich der enorme Verbrauch an Wasser, Energie, hochreinen Materialien und anderen Ressourcen in Chipfabriken senken? Zudem haben die Mikroelektroniker bisher kaum Alternativen zu den sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ in der Halbleiterproduktion, die die EU verbieten will. Diese und weitere ökologische, technologische und betriebswirtschaftliche Herausforderungen wollen die Konferenzteilnehmer in Taipeh erörtern. Das haben die TU Dresden und das sächsische Wissenschaftsministerium angekündigt.
Freistaat will engere Kooperation mit Taiwan
Vor allem die Sachsen sehen in der gemeinsamen Tagung ein Ausdruck der enger werdenden Beziehungen zwischen dem Freistaat und dem Inselstaat, die seit der TSMC-Ansiedlung in Dresden einen ganz neuen Stellenwert bekommen haben. In diesem Zuge werben sächsische Delegationen derzeit auf der einen Seite um weitere Ansiedlungen von TSMC-Partnern aus Taiwan im Freistaat. Andererseits möchten Politiker und Forscher auch die wissenschaftliche Kooperation ausbauen. „Mit dieser Asienreise wollen wir unsere strategischen Partnerschaften in Forschung, Transfer und Fachkräfteausbildung für die Mikroelektronik weiter stärken – insbesondere in der Halbleiterforschung und im Chip-Design“, betonte die Dresdner Uni-Rektorin Prof. Ursula Staudinger zum Auftakt der Reise gen Taipeh.
Förderprogramme für Austausch von Studenten und Forschern aufgelegt
Zudem verweist Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) auf die Austausch-Förderprogramme, die Sachsen aufgelegt hat, seitdem TSMC seine Milliardeninvestition in Dresden publik gemacht hatte. Dazu gehört ein „Sächsisches Wissenschaftsverbindungsbüro“ (SSLO) in Taiwan, von dem aus die TU Dresden den Forscheraustausch organisiert. Im Rahmen des „Semiconductor Talent Incubation Program“ (STIPT) können sich sächsische Studenten durch Gaststudien in Taiwan für eine Karriere in der Dresdner TSMC-Fabrik fit machen. Begleitet wird dies durch Förderprogramme, die den Aufenthalt sächsischer Studenten und Forscher finanziell flankieren und Industrie-Praktika vermitteln. Dies noch jungen Programme haben laut Wissenschaftsministerium bislang „Dutzende Forschende und über 200 Studierende profitiert“.
Sachsen wollen auch Bande mit Vietnam wieder enger knüpfen
Morgen reist Minister Gemkow weiter nach Hanoi in Vietnam, wo er gemeinsam mit der Leipziger Uni-Rektorin Prof. Eva Inés Obergfell ein ähnliches sächsisches Verbindungsbüro wie in Taipeh auch in der vietnamesischen Hauptstadt offiziell einweiht. Danach geht’s weiter nach Saigon alias Ho-Chi-Minh-Stadt, wo eine Zweigstelle des „Saxon Science Liaison Office Vietnam“ entstanden ist. Denn auch mit Vietnam – mit dem sich viele Ostdeutsche seit DDR-Zeiten ohnehin eng verbunden fühlen – wollen die Sachsen die akademischen Bande enger knüpfen. Zudem möchten sie in dem südostasiatischen Land, in dem eine hohe Jugendarbeitslosigkeit herrscht, um Studenten, Azubis und Fachkräfte für die Mikroelektronik und andere Technologiesektoren im Freistaat werben.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: SMWK, TUD, Oiger-Archiv, Wikipedia

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