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Sachsens Mikroelektronik winken weitere Chipgesetz-Millionen

Die Europäer wollen mit einem digitalen, programmierbaren Euro auf Blockchain-Basis zum Beispiel dem Facebook-Geld Diem alias Libra, aber auch dem digitalen Yuan und Bitcoin Paroli bieten. Foto: Heiko Weckbrodt
Foto: Heiko Weckbrodt

Wirtschaftsministerium will diesmal Hightech-Mittelstand statt Konzerne stärker bedenken

Berlin/Dresden, 19. November 2024. Die sächsische Mikroelektronik kann auf weitere Millionen-Zuschüsse im Rahmen des europäischen Chipgesetzes hoffen: Nachdem Bund und Sachsen bereits rund sechs Milliarden Euro für neue Halbleiter-Fabriken von TSMC und Infineon in Dresden zugesagt hatten, will das Bundeswirtschaftsministerium nun weitere Subventionen und Darlehen für Halbleiter-Investitionsprojekte in Deutschland verteilen. Das geht aus einer nun im Bundesanzeige veröffentlichten Bekanntgabe hervor.

Geld fließt nur für Innovationen und mehr Resilienz

Das Ministerium von Robert Habeck (Grüne) verknüpft die Zuschüsse allerdings auch an einige Bedingungen: Wenn Unternehmen das Geld zum Beispiel für Chipfabrik-Neubauten beantragen, dann muss es sich um wirklich innovative Projekte oder Technologien handeln, die in Europa bisher fehlen, nicht nur um bloße Erweiterungen. Zudem sollen die Investitionen dazu beitragen, die Hightech-Wertschöpfungsketten in der EU krisenfester zu machen. Und bevorzugt will Habeck diesmal nicht Großkonzerne, sondern Mittelständler oder gar kleine Neugründungen fördern. Ausdrücklich stehen aber nicht nur die Kernprozesse der Chipfertigung („Front end“) im Fokus, sondern auch die Produktionsschritte davor und danach: Die Züchtung von Reinstsilizium, dessen Aufteilung in Scheiben (Wafer), die Herstellung innovativer Ausrüstungen und Prüftechnik, aber auch die Chip-Endmontage, die bisher in Europa nur wenig vertreten ist.

Auch Mikroelektronik-Studienautor empfiehlt Sachsen, Lücken in der Kette zu schließen

Diese Lücken zu schließen, hatte erst kürzlich auch Forscher Marc Bovenschulte vom „Institut für Innovation und Technik“ (IIT) in einer Studie für die Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) empfohlen. Andererseits hatten auch große Akteure wie etwa Globalfoundries Dresden, die in der ersten Verteilrunde von Chipgesetz-Milliarden leer ausgegangen waren, bereits eine zweite Chipgesetz-Runde gefordert.

Dotierung noch unklar

Wieviel Geld nun eigentlich angesichts der knappen Kassenlage der Bundesampel nun noch mal verteilt werden können, geht aus der Bekanntmachung nicht hervor. Zwar ist inzwischen sicher, dass Intel und Wolfspeed ihre Chipfabriken in Deutschland vorerst doch nicht bauen und daher die versprochenen Milliarden nicht abrufen werden. Diese Mittel haben allerdings bereits viele Begehrlichkeiten aus anderen Ressorts geweckt, so dass kaum damit zu rechnen ist, dass sie vollends in andere Mikroelektronik-Ansiedlungen und -Investitionen fließen.

Frank Bösenberg. Foto: Tommy Halfter für Silicon Saxony
Frank Bösenberg. Foto: Tommy Halfter für Silicon Saxony

Dennoch sieht Frank Bösenberg vom sächsischen Branchenverband „Silicon Saxony“durchaus Chancen, dass mit dem neuen Förderaufruf diesmal auch andere Unternehmen der Mikroelektronik-Wertschöpfungskette zum Zuge kommen – jenseits der großen Mega-Fabs.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Bundesanzeiger, Silicon Saxony, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger