Halbleiterindustrie, News, zAufi

Infineon investiert 5 Milliarden Euro in Dresden

Die Montage zeigt die neue geplante Mega-Fab ganz rechts im Bild, links daneben die beiden bereits existierenden 200-mm-Fabrikmodule und ganz links die ebenfalls schon existierende 300-mm-Fab für Leistungshalbleiter. Montage/Foto: Infineon

Die Montage zeigt die neue geplante Mega-Fab ganz rechts im Bild, links daneben die beiden bereits existierenden 200-mm-Fabrikmodule und ganz links die ebenfalls schon existierende 300-mm-Fab für Leistungshalbleiter. Montage/Foto: Infineon

Größte Investition in der Infineon-Geschichte / Vierte Fabrik soll Analog-, Hybrid- und Leistungselektronik herstellen

Dresden, 14. November 2022. Infineon baut ein weiteres Chipwerk in Dresden und steckt rund fünf Milliarden Euro in dieses Vorhaben – die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens. Dabei sollen etwa 1000 neue Arbeitsplätze in der sächsischen Landeshaupsttadt entstehen. Das hat der bayrische Halbleiter-Konzern heute in Neubiberg bei München angekündigt. Die neue Megafab soll auf 300 Millimeter (mm) großen Siliziumscheiben („Wafer“) analoge und hybride Schaltkreise sowie Leistungselektronik in großen Maßstab herstellen. Infineon macht die Großinvestition allerdings von „angemessenen“ Subventionen abhängig.

Die 300-mm-Scheiben, die Infineon für seine neuen Leistungs-Halbleiter verwendet, sind so dünn, dass sie biegsam werden. Foto: Infineon

Die 300-mm-Scheiben, die Infineon für seine neuen Leistungs-Halbleiter verwendet, sind so dünn, dass sie biegsam werden. Foto: Infineon

Infineon hat bereits drei Fabs in Dresden – 4. Fab startet 2026

Infineon beschäftigt in Dresden zirka 3100 Menschen und betreibt hier bereits seit den 1990er Jahren Halbleiterfabriken. Darunter sind zwei 200-mm-Module für Logikschaltkreise, die zum Beispiel in Autos, Chipkarten und Industriemaschinen benötigt werden, sowie eine 300-mm-Fab für Leistungshalbleiter. Angesichts der steigenden Nachfrage hatte der Konzern schon längere Zeit einen milliardenschweren Ausbau in Dresden erwogen. Die neue Fab soll ab 2026 vor allem Mikroelektronik für Solar- und Windkraftwerke, Konsumgüter-Netzteile, vernetzte Elektroautos und die Industrie 4.0 herstellen. „Bei voller Auslastung liegt das jährliche Umsatzpotenzial der geplanten Fabrik auf dem Niveau der Investition“, hieß es von Infineon. Das neue Werk soll südwestlich der heutigen 200-mm-Module entstehen. Dort befinden sich derzeit noch Bürogebäude, ein Entwicklungszentrum und Parkplätze.

Jochen_Hanebeck ist operativer Geschäftsführer und Vorstandsmitglied von Infineon. Foto: Infineon

Jochen Hanebeck. Foto: Infineon

„Dekarbonisierung und Digitalisierung sorgen für steigenden Halbleiterbedarf“,

„Dekarbonisierung und Digitalisierung sorgen für strukturell steigenden Halbleiterbedarf“, erklärt Infineon-Chef Jochen Hanebeck die Entscheidung. „Diese Dynamik hat sich weiter beschleunigt, daher ist jetzt der richtige Zeitpunkt, uns ein noch ambitionierteres Zielgeschäftsmodell zu geben. Mit der geplanten Investition in ein neues Werk setzen wir unsere Strategie weiter konsequent um und verbreitern vorausschauend die Basis für unseren beschleunigten profitablen Wachstumskurs. Hanebeck rechnet dabei mit starken Wachstumsimpulsen für Infineon aus den Segmenten Elektromobilität, autonomes Fahren, erneuerbare Energien, Rechenzentren und das Internet der Dinge (IoT).

Infineon-Chef spekuliert auf „Chipgesetz“-Sonderzuschüsse

Wir freuen uns über die politische Unterstützung für eine Investition am Standort Dresden und setzen auf eine angemessene Förderung unter dem European Chips Act.“ Es ist wohl davon auszugehen, dass sich der Infineon-Vorstand bei den Beihilfe an Intel Magdeburg orientiert und eine Subventionsquote von 30 bis 40 Prozent für „angemessen“ hält. Sprich: EU, Bund und womöglich auch der Freistaat Sachsen sollen rund zwei Milliarden Euro beisteuern.

Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Foto: Heiko Weckbrodt

Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Foto: Heiko Weckbrodt

Wirtschaftsminister sagt Unterstützung zu

Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) verspricht, sich dafür stark zu machen: „Der Standort Sachsen und das Silicon Saxony werden durch diese Entscheidung nachhaltig gestärkt. Auch die Unabhängigkeit Europas vom asiatischen und amerikanischen Chipmarkt wird mit einer neuen Fabrik in Dresden deutlich erhöht“, argumentiert er. „Die Staatsregierung wird sich nun gemeinsam mit der Bundesregierung dafür einsetzen, dass die für die Investition benötigte Förderung über den europäischen Chips-Act auch erfolgen kann.“

Michael Kretschmer. Foto: CDU-Landesverband Sachsen

Michael Kretschmer. Foto: CDU-Landesverband Sachsen

Ministerpräsident: Diese 5 Milliarden sind ein Zukunftsversprechen

Ungeachtet dieser finanziellen Dimension ist die Infineon-Ankündigung in Sachsen auf große Begeisterung gestoßen: „Infineon stärkt den Wirtschaftsstandort Dresden“, freut sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). „Diese 5 Milliarden sind ein Zukunftsversprechen und bedeuten für viele Menschen sehr gute Arbeitsplätze. Mikroelektronik ist die Schlüsseltechnologie. Sachsen hat über Jahrzehnte diese Zukunftsindustrie durch Investitionen in die Wissenschaft gefördert.“

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) im Hygiene-Museum. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Foto: Heiko Weckbrodt

Nach Bosch und Jenoptik nun die nächste Reinraumfabrik

Auch lokal ist die Freude groß: „Unverkennbar ist der Mikroelektronikstandort Dresden weiter im Auftrieb“, kommentierte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). „Nach der Eröffnung von Bosch 2021 und dem Spatenstich von Jenoptik 2022 entstünde nun bei Infineon die nächste Reinraumfabrik – eine der größten und modernsten überhaupt. Vom Dresdner Norden aus wird die Welt mit den gefragten Chips versorgt. Das außergewöhnlich gute Zusammenspiel von Unternehmen, Instituten und Startups sowie Verwaltung und Politik macht die Landeshauptstadt zu einem der führenden Hochtechnologiestandorte Europas.“

Robert Franke leitet die städtische Wirtschaftsförderung in Dresden. Foto: Frank Grätz für die LHD

Robert Franke leitet die städtische Wirtschaftsförderung in Dresden. Foto: Frank Grätz für die LHD

Ausbau der Wasser- und Stromversorgung notwendig

Die Dresdner Wirtschaftsförderer verweisen allerdings auch darauf, dass die Infrastruktur der Stadt mit dieser dynamischen Wirtschaftsentwicklung Schritt halten muss: „Die Neuansiedlungen und Kapazitätserweiterungen im Halbleiterbereich erfordern eine deutliche Verstärkung des Strom-, Wasser- und Abwassernetzes“, betonte Amtsleiter Robert Franke. „Mit unseren Partnern Sachsenenergie und Stadtentwässerung treiben wir seit Jahren die umfangreiche infrastrukturelle Erschließung des Dresdner Nordens kontinuierlich voran, um weiteres Wachstum zu ermöglichen.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Infineon, Oiger-Archiv