Stählerner Gärtner gießt gegen Dürre in Pillnitz an

Sachsens Gartenbetrieb antwortet mit Barkhausen-Robotern auf Klimawandel und Fachkräfte-Mangel
Dresden, 28. August 2024. Ein Gartenroboter gießt künftig die Blumen im Schlosspark Pillnitz. Er soll die menschlichen Gärtner entlasten und den gewachsenen Pflegeaufwand sowie den Fachkräfte-Mangel ein Stück weit abfedern. Das haben die TU Dresden, das Barkhausen-Institut und die „Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen“ (SBG) angekündigt.
In der Probezeit erstmal nur ein besserer Wasserträger
Der eine halbe Tonne schwere Prototyp wird demnach ab Ende August 2024 seine ersten Runden durch den Park drehen, in der Testphase aber erst mal nur als besserer Wasserträger für seine menschlichen Kollegen fungieren. Auf jeden Fall soll der noch namenlose Stahlgärtner schön leise vorgehen und auf keinen Fall Besucher umfahren, versprechen die Projektpartner.

Pflegeaufwand durch Dürre-Sommer um 25 % gestiegen
„Durch den Klimawandel hat sich unser Aufwand für die gärtnerische Pflege um 25 bis 30 Prozent erhöht“, erklärt SBG-Gartenchef Claudius Wecke. „Wir brauchen deshalb innovative Lösungen, um unser Gärtnerteam zu unterstützen und zu entlasten. Der Gießroboter ist dabei ein besonders spektakulärer Lösungsansatz.“
Kübelpflanzen leiden an heißen Tagen besonders
Ausschlaggebend für den Robotereinsatz sind vor allem der Fachkräftemangel auf der einen Seite und die vergangenen Dürrejahre auf der anderen Seite. Durch die zunehmende Trockenheit habe sich der Arbeitsaufwand beim Gießen und auch in anderen Bereichen der Gartenarbeit deutlich erhöht, erklären die SBG. „Durch die trockenen Jahre seit 2018 fehlt in den tieferen Bodenschichten ein ganzer Jahresniederschlag. Kübelpflanzen leiden an heißen Tagen besonders.“ Daher hatten die SBG als Betreiber für den Schlosspark Pillnitz und den Großen Garten Dresden das Projekt „Klimawandel in historischen Gärten“ gestartet. In der Folge tüftelten, konzipierten, schraubten, löteten und montierten acht Experten des Barkhausen-Instituts und der TU Dresden zusammen mit den Pillnitzer Gärtnern an einem mobilen Gießroboter herum.
200 Schrauben, 100 Meter 3D-Druckplaste, 30 Meter Kabel
„Roboter autonom von A nach B fahren zu lassen, braucht nur Sekunden. Die Entwicklung dauerte Monate“, betont Barkhausen-Projektleiter Markus Böhme. Als leitender Ingenieur für das Robot-Vorhaben holte er Paul Auerbach, Maximilian Matthé, Jens Kugelmann, Christoph Schubert, Sebastian Vorberg, Marek Holovac und Julius Schlicht ins Entwicklungs-Kollektiv. Das verbaute letztlich 200 Schraubverbindungen, 100 Meter 3D-Druck-Filamente, 50 Meter Aluprofile, 30 Meter Kabel, 15 Meter Schlauch, acht Sensoren, einen 400-Liter-Wassertank, Kettenantriebe, GPS-Empfänger, Akkus und weitere Technik.
Kommt ein Besucher, deaktiviert sich der Robot vor Schreck
Entstanden ist daraus in fast dreijähriger Arbeit ein Roboter mit einer halben Tonne Eigengewicht, der mit Schrittgeschwindigkeit auf Ketten rollt, um die Wege im Gartendenkmal zu schonen. Durch sein Satelliten-Ortungssystem und seine Sensoren kann er den Gärtnern folgen und ihnen automatisch neues Gießwasser bringen. Das Gießen selbst übernehmen vorerst noch die Menschen – wobei er auch das noch lernen könnte. Der Robot vermag zudem vorgegebene Punkte anzusteuern, um Material oder Werkzeug zu verteilen. Sein Akku soll für bis zu sechs Stunden reichen. „Ein Sicherheitsbereich ist mittels Laserscanner fest definiert“, versichern die Barkhausen-Ingenieure. „Betreten Gäste diesen Bereich, bremst der Roboter und schaltet sich ab.“
Barkhausen schraubt bereits 2. Roboter zusammen
Die Entwicklung kostete bisher rund 630.000 Euro. Während die Gärtner den Prototypen in Pillnitz testen, schrauben die Barkhausen-Entwickler schon einen zweiten Roboter zusammen. Die SBG prüfen derweil, ob der Roboter zukünftig auch bei Transporten, der Wegepflege oder beim Winterdienst in Pillnitz helfen kann.
Namens-Wettbewerb ausgelobt
Damit die stählernen Kollegen sich leichter ins menschliche Kollektiv einfügen, haben die SBG nun übrigens einen Namenswettbewerb für die Beiden ausgelobt. Wer dafür Ideen hat, kann sie bis zum 17. September 2024 per E-Mail an klimawandel@schloesserland-sachsen.de einreichen. Wer sich mit seinen Namensvorschlägen in den Augen einer Jury durchsetzt, bekommt eine Jahreskarte „Gartenfreund für 1 Jahr“ für den Pillnitzer Schlosspark geschenkt.

Sachsen setzt auch anderswo in Gärten und auf Feldern auf Roboter und Drohnen
Die künstlichen Gärtner sind Teil einer Technologieoffensive in Sachsen, die darauf zielt, neue Roboter, Drohnen und autonome Erntefahrzeuge für den Gartenbau und die Feldarbeit zu bauen. Dazu gehören das Verbund-Projekt „Feldschwarm“, aber beispielsweise auch der „Elwobot“, der bereits auf staatlichen und universitären Versuchsfeldern in Pillnitz und anderswo in Sachsen mäht und mulcht.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Barkhausen-Institut Dresden, TUD, SBG, Oiger-Archiv, GPS

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