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Solarmodul-Produktion in Deutschland halbiert

Blick in die Solarmodul-Produktion bei Solarwatt Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Inzwischen gestoppt: Die einstige Solarmodul-Produktion bei Solarwatt Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Preiskrieg der Chinesen stützt dafür deutsche Energiewende

Wiesbaden/Dresden/Freiberg, 29. Juli 2024. Globale Preiskämpfe, Neo-Merkantilismus und der neuerliche Niedergang der deutschen Solarindustrie schlagen sich zunehmend in sinkenden Produktionsmengen und Exporten nieder: Im ersten Quartal 2024 stellten Unternehmen in Deutschland wie Meyer Burger, Solarwatt und andere nur noch 495.600 Solarmodule her – und damit etwa halb soviel wie ein Jahr zuvor. Und die deutsche Fertigung von Sonnenwärme-Sammlern („Solarthermie“) sei sogar um zwei Dritteln zurückgegangen. Das hat das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden mitgeteilt.

USA haben Preiskrieg in Europa zusätzlich befeuert

Damit setzt sich ein Trend fort, der sich schon länger abzeichnete: 2023 war die Photovoltatik-Modulproduktion in Deutschland bereits um 12,8 Prozent auf etwa 3,4 Millionen gesunken. Ein Grund: Die Hersteller in der Bundesrepublik sind schon lange nicht mehr dem Preisdruck der großen und modern ausgestatteten chinesischen Solarfabriken gewachsen. Die Chinesen können ohnehin billiger produzieren und haben zudem in jüngster Zeit auch massive Überkapazitäten aufgebaut, die sie dazu zwingen, ihre Module zu immer niedrigeren Preisen abzusetzen. Hinzu kommt der Abschottungskurs der USA, die die Chinesen aus ihrem Markt durch Schutzzölle hinausdrängen. Die wiederum haben ihre Module teilweise nach Europa umgeleitet – und den Preisdruck auf die deutschen Anbieter dadurch zusätzlich verschärft.

Exportchancen sinken

Der Preisverfall der Module sollte einerseits mit Blick auf die gewünschte Energiewende hin zu erneuerbaren Quellen freuen. Die deutschen Anbieter – einst Vorreiter im weltweiten Solarmarkt – treibt die Preisschlacht jedoch mehr und mehr in den Ruin, sie bekommen ihre teuren Module im In- wie im Ausland immer schwerer los. Folge: Im ersten Halbjahr 2024 ist der Wert der von Deutschland exportierten Photovoltaikanlagen um fast 65 Prozent geschrumpft. Der Wert der importierten Solaranlagen sank zwar ähnlich deutlich, nämlich um genau 66 Prozent. Doch dies dürfte teilweise auch auf die gesunkenen Preis der chinesischen Module zurückzuführen sein.

Einstiger Weltmarktführer bezieht 86 % seiner Solarmodule aus China

Auf jeden Fall ist der einstige Solartechnik-Weltmarktführer Deutschland inzwischen stark von China abhängig: „86,4 % der nach Deutschland eingeführten Photovoltaikanlagen kamen 2023 aus der Volksrepublik“, berichten die Bundesstatistiker. „Danach folgten mit großem Abstand die Niederlande (5,4 %) und Vietnam (2,6 %).“

Der sächsische Umwelt- und Energieminister Wolfram Günther (rechts) und "Meyer Burger"-Chef Gunter Erfurt zeigen im Werk Freiberg Proben der neuen, hocheffizienten Heterojunction“-Solarzellen. Foto: Heiko Weckbrodt
Da waren die Hoffnungen noch groß: Auf diesem Archifoto aus dem Jahr 2021 mustern der sächsische Umwelt- und Energieminister Wolfram Günther (rechts) und „Meyer Burger“-Chef Gunter Erfurt im Werk Freiberg „Heterojunction“-Solarzellen. Inzwischen hat das Werk wieder dicht gemacht Foto: Heiko Weckbrodt

Von deutscher Solarindustrie ist nach zwei Krisen nur noch ein Schatten ihrer selbst geblieben

In den 2000er Jahren hatten die deutschen Solar- und Solartechnik-Hersteller zeitweise eine weltweit dominierende Marktposition gehabt. Die Chinesen holten jedoch rasch auf, rüsteten mit europäischen Spitzenanlagen daheim immer größere Fabriken aus, bis sie die Deutschen Modul- und Zell-Hersteller preislich völlig abgehängt hatten. Als die deutsche Regierung dann begann, die indirekten Subventionen über die EEG-Umlage zu vermindern, kam es zu einem Massensterben deutscher Zell- und Modul-Fabriken. Nach dieser ersten großen Solarkrise um das Jahr 2012 blieben nur noch wenige deutsche Hersteller übrig, die ihre Geschäftsmodelle veränderten, sich in Richtung Qualitäts-Systemanbieter entwickelten, aber im Massenmarkt nur noch geringe Anteile hatten. 2024 folgte dann die nächste deutsche Solarkrise, in deren Zuge beispielsweise Meyer Burger in Freiberg und Solarwatt in Dresden ihre deutschen Modulproduktionen stoppten.

Auch die Zahl der installierten Solaranlagen in Deutschland ist stark gestiegen. Grafik: Destatis
Auch die Zahl der installierten Solaranlagen in Deutschland ist stark gestiegen. Grafik: Destatis

Solarquote an Strom-Einspeisung steigt auf 12 %

Immerhin hat der Preiskrieg auch sein Gutes: Der Anteil der Photovoltaik an der gesamten Stromeinspeisung steigt und erreichte im Jahr zwölf Prozent. Dabei sind hier noch nicht mal die zahlreichen Balkon-Solaranlagen mitgerechnet, die sich zum Trendthema entwickelt haben, aber eben im Regelfall keine Energie in das Stromnetz einspeisen. „Im April 2024 waren auf Dächern und Grundstücken hierzulande gut 3,4 Millionen Photovoltaikanlagen mit einer Nennleistung von insgesamt rund 81 500 Megawatt installiert“, heißt es vom Destatis. „Damit nahm die Zahl der Anlagen gegenüber dem Vorjahresmonat um 29,8 % zu, die installierte Leistung stieg im selben Zeitraum um 20,5 %.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Destatis, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger