Forschung, Medizin & Biotech, News, zAufi

Keramikgelenke aus der Spritzgießmaschine

Zecke unterm Mikroskop. Foto: Heiko Weckbrodt

Foto: Heiko Weckbrodt

Fraunhofer Dresden will neue Prothese-Produktionsmethode etablieren

Dresden, 25. Juli 2022. Normalerweise stellen Spritzgießmaschinen massenhaft Plastegabeln, Stecker, Drohnenschalen und ähnliche Billig-Bauteile aus Kunststoff her. Das Fraunhofer-Keramikinstitut IKTS in Dresden arbeitet allerdings nun gemeinsam mit Partnern aus der thüringischen Wirtschaft daran, mit speziell modifizierten Spritzgießmaschinen auch Keramik statt Plaste zu verarbeiten – und damit besonders lange haltbare und körperverträgliche Prothesen wie zum Beispiel Kniegelenke herzustellen. Dieses Projekt hat IKTS-Forscher Axel Müller-Köhn während der Wissenschaftsnacht 2022 in Dresden vorgestellt.

Maschine plastifiziert Mischung aus Keramikstaub und Thermoplaste

Dafür rühren die Ingenieure eine Mischung aus Keramikstaub und Polyethylen an, die sich dann in Spritzgießmaschinen mit besonders harten Schnecken plastifizieren lässt. Die Maschine presst das so formbar gemachte Material dann in Formnester, die den gewünschten Prothesen für die jeweiligen Patienten entsprechen. Zum Schluss wird der so gewonnene Rohling gesintert. Dabei verbrennt das Hilfsmaterial Polyethylen und übrig bleibt das „festgebackene“ künstliche Hüft- oder Kniegelenk.

Im Vergleich zu den heute üblichen Metallprothesen sei mit einer längeren Haltbarkeit und besseren biologischen Verträglichkeit solcher keramischen Gelenke zu rechnen, betonte Axel Müller-Köhn. In den USA beispielsweise seien keramische Gelenke bereits im Einsatz, allerdings setze man dort andere Herstellungsverfahren ein. Vorstellbar sei in Zukunft auch, nicht nur Gelenke, sondern auch andere keramische Prothesen – beispielsweise künstliche Zähne – zu spritzgießen.

Autor: hw

Quelle: IKTS