Staatliche Invest-Gesellschaft soll Energiewende in Sachsen mitfinanzieren

Wirtschaftsminister Dulig sieht sich durch Pwc-Gutachten bestärkt
Dresden, 17. Juli 2024. Um die Energiewende in Sachsen zu beschleunigen sowie die Energiepreise für Bürger und Wirtschaft rascher zu senken, möchte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) eine „Sächsisches Investitionsgesellschaft“ (Sig) gründen. Die soll Stadtwerken, Kommunen und anderen Akteuren helfen, den Ausbau der Fernwärme- und Stromnetze, aber auch die Installation von neuen Großwärmepumpen, Geothermie-Bohrungen und Blockheizkraftwerken zu finanzieren.
Mindestens 600 Millionen Euro Kapitalbedarf
Solch ein staatlicher Energieinvestor brauche etwa 600 bis 700 Millionen Euro Kapital, verteilt über 20 Jahre, um wirklich etwas bewegen zu können, schätzt Analyst Henry Otto von „Pricewaterhousecoopers“ (Pwc) – die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat die Dulig-Idee inzwischen im Auftrag des Wirtschaftsministeriums fachlich begutachtet. Das Geld dafür will der Minister teils aus dem Landeshaushalt, teils durch ein „Sondervermögen“ alias Kredite besorgen.

„Müssen jetzt investieren – sonst verlieren wir den Anschluss“
Dass die Wende hin zu umweltfreundlicheren Technologien im Energiesektor teuer werde, sei in allen politischen Lagern im Freistaat unbestritten, wirbt der Wirtschaftsminister für seine Idee. Hinzu komme: Auf lange Sicht verspreche Solartechnik und Windkraft zwar fallende Energiepreise. Doch der Umbau sei so teuer, dass es noch Jahre dauern werde, bis diese niedrigeren Kosten für Strom und Wärme beim Endverbraucher und in den Betrieben ankommen. „Deshalb müssen wir jetzt investieren – sonst verlieren wir den Anschluss.“
Wirtschaftsprüfer: SIG soll in rentable Energieprojekte investieren, an denen Finanzmarkt scheitert
Rückhalt bekommt der Sozialdemokrat damit von Pwc. Der entscheidende Punkt sei, dass sich solch eine staatliche Beteiligungsgesellschaft auf Energiewende-Projekte fokussiere, die per se rentabel sind, für die Banken und andere Finanziers aber kein Kapital mehr übrig haben oder nicht geben wollen, also ein Marktversagen vorliegt, betont Pwc-Partner Henry Otto. Dies gelte vor allem für die Wärmeerzeugung und -verteilung in den Kommunen sowie die Stromnetze, die an schwankende und dezentrale Quellen wie eben Solar- und Windanlagen angepasst und ausgebaut werden müssen. Zwar haben viele sächsische Kommunen wie etwa Dresden, Leipzig und Chemnitz im Vergleich zu Weststädten bereits sehr starke Fernwärmenetze – doch auch in diesem Teilsektor sei ein Ausbau dringend nötig. Zudem sei denkbar, fakultativ auch Wind- und Solaranlagen und Wasser-Abwasser-Investitionen mitzufinanzieren.
Mitnahmeeffekte auf private Kapitalgeber erhofft
Um das nötige Kapital zu beschaffen, könne die geplante Investitionsgesellschaft in der Tat helfen, meinen die Pwc-Analysten: Als Minderheitsgesellschafter könne die Sig Finanzierungslücken schließen und mit ihrer Bonität „von Staats wegen“ auch zögernde private Investoren überzeugen, in das jeweilige Projekt mit einzusteigen. Für die privaten wie staatlichen Kapitalgeber seien dabei Renditen um die fünf bis sechs Prozent möglich – mit denen zumindest die Sig dann wieder in ihren eigenen Kapitaltopf nachfüllen könne. Zum Start seien etwa 35 Millionen Euro nötig, schätzen Otto und Dulig. „Das wäre auch aus dem sächsischen Haushalt darstellbar“, meint der Minister – dem natürlich klar ist, dass er mit Schuldenvorschlägen beim (Noch-)Koalitionspartner CDU keine neuen Freunde gewinnen wird.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Auskünfte SMWA, Pwc

Ihre Unterstützung für Oiger.de!
Ohne hinreichende Finanzierung ist unabhängiger Journalismus nach professionellen Maßstäben nicht dauerhaft möglich. Bitte unterstützen Sie daher unsere Arbeit! Wenn Sie helfen wollen, Oiger.de aufrecht zu erhalten, senden Sie Ihren Beitrag mit dem Betreff „freiwilliges Honorar“ via Paypal an:
Vielen Dank!

