KI als Protokollantin und „Headhunter“

Dresdner Firma „Speechmind“ lernt Künstliche Intelligenz an, Sitzungen und Bewerbungsgespräche auszuwerten
Dresden, 17. Juli 2024. Künstliche Intelligenz (KI) ist inzwischen nun auch als Protokollantin und Personal-Rekrutiererin im Einsatz: Das junge Dresdner Unternehmen „Speechmind“ trainiert ihre KIs darauf, beispielsweise Mitschriften von Sitzungen und Bewerbergesprächen zu erstellen, diese Protokolle dann auch gleich noch zu ordnen und vorauszuwerten.
KI legt Protokolle schon nach einer Stunde statt einem Tag vor
„Der Zeitaufwand für unsere Kunden sinkt damit erheblich“, betont Speechmind-Chef Richard Fankhänel. Oft liege solch ein strukturiertes KI-Protokoll bereits binnen einer Stunde vor statt erst nach einem Tag, wie es mit klassischen Protokollmethoden üblich sei. Mittlerweile werte die von Speechmind angelernte KI rund 60 Meetings pro Woche aus. Hinzu komme die Protokollierung sowie Vor-Auswertung telefonischer und persönlich geführter Bewerbergespräche, aber auch die automatisierte Erstellung von Stellenausschreibungen. Zu den insgesamt 60 Kunden der Sachsen gehören die TU Dresden, die saarländische Staatskanzlei, Bosch, die Lufthansa, die Dresdner Bau- und Sanierungsgesellschaft Stesad und andere mehr.
„Namenserkennung ist noch ein gewisses Problem“
Die Dresdner TU-Absolventen Titus Hartmann, Justus Feron und Richard Fankhänel hatten „Speechmind“ 2023 in Dresden gegründet, nachdem sie gemerkt hatten, wieviel Zeit Spezialisten in allen Wirtschaftszweigen damit verschwenden, Sitzungen zu dokumentieren. Um diese Aufgaben zu automatisieren, lernten sie eine KI der US-Softwareschmiede „OpenAI“ darauf an, das oft so verwirrende Stimmengewirr in Sitzungen zu verstehen, die Wortbeiträge den richten Rednern zuzuordnen und all dies auch nach Themenschwerpunkten und Kapiteln zu ordnen. Die Erkennung nur gesprochener Namen sei immer noch ein gewisses Problem, räumen die Speechmind-Ingenieure ein, arbeiten aber daran. Dagegen habe ihre KI inzwischen kaum noch Schwierigkeiten, Sächsisch, Bayrisch oder andere Dialekte zu verstehen.
Konkurrenz schläft nicht
Mittlerweile beschäftigt das in der „Gründerschmiede“ der „Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden“ (HTWD) angesiedelte Jungunternehmen fünf Mitarbeiter. Im ersten Geschäftsjahr kam Speechmind auf 50.000 Euro Umsatz, ist insofern weiterhin auf externe Kapitalgeber angewiesen. Zudem muss die junge KI-Firma technologisch und in der Kundenakquise stetig am Ball bleiben, denn die Konkurrenz im expandierenden weltweiten KI-Sektor ist hart. So haben beispielsweise auch die großen Standardsoftware-Anbieter wie Microsoft beginnen, „Künstliche Intelligenzen“ wie den „Copilot“ in Konferenzsysteme wie Teams, in Textverarbeitungen und andere Programme serienmäßig einzubauen. Insofern dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich Videokonferenzen auf Wunsch mit KI-Hilfe ohnehin mit Standard-Programmen mitprotokollieren lassen. Das Speechmind-Quintett ist indes überzeugt, bereits einen ordentlichen technologischen Vorsprung aufgebaut zu haben.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Vor-Ort-Besuch, Auskünfte Speechmind, Wikipedia, Oiger-Archiv

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