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Verband: China zieht bei Robotereinsatz bald an Deutschland vorbei

Versuchsaufbau an der TU Chemnitz mit Kuka Roboter KR10 mit modularer Halterung für Inkjet-Druckkopf, Triangulationssensor und Tiefenkamera. Foto: TU Chemnitz, Professur für Robotik und Mensch-Technik-Interaktion

Versuchsaufbau an der TU Chemnitz mit einem Kuka-Roboter. Der deutsche Roboterhersteller gehört inzwischen den Chinesen. Foto: TU Chemnitz, Professur für Robotik und Mensch-Technik-Interaktion

VDMA senkt Wachstums-Prognose für deutsche Robotik- und Automatisierungs-Branche

Frankfurt am Main, 18. Juni 2024. Der Verband „VDMA Robotik und Automation“ hat seine Wachstums-Prognose für die deutsche Robotikbranche für dieses Jahr halbiert. Mittlerweile drohe China nun auch beim Einsatz und Bau von Robotern an Deutschland vorbeizuziehen.

Umsatzentwicklung in der deutschen Automatisierungs- und Robotikbranche. Grafik: VDMA

Umsatzentwicklung in der deutschen Automatisierungs- und Robotikbranche. Grafik: VDMA

So erwartet der Verband in diesem Jahr nur noch ein Umsatzwachstum um zwei Prozent auf 16,5 Milliarden Euro für die deutschen Automatisierer und Robotikfirmen. 2023 lag der Zuwachs noch bei 13 Prozent.

Branche tritt auf der Stelle

Verbandschef Frank Konrad sieht dies auch als Warnung an die Politiker: „Die Robotik- und Automationsbranche tritt bei schwacher Konjunktur im Inlandsgeschäft auf der Stelle“, erklärte Frank Konrad. Impulse kämen nur aus dem Ausland. „Verunsicherte Kunden sind mit Investitionen zurückhaltend. Die deutsche Wirtschaft braucht bessere Rahmenbedingungen, damit wir auf einen soliden Wachstumspfad zurückkehren können.“

Chinas Industrie auf straffem Automatisierungskurs

Zudem zieht Konkurrent China in immer mehr Sektoren am Westen und eben auch am einstigen Industrieprimus Deutschland vorbei: Statt auf Dumping-Löhne, wie immer noch oft behauptet, setzt das Reich der Mitte längst auf einen straffen Automatisierungskurs – der China schon die Weltmarktführung im Solarmodul-Markt eingebracht hatte. „China zählt in der industriellen Automation zu den fortschrittlichsten Volkswirtschaften weltweit“, schätzt der VDMA ein: „Die Roboterdichte stieg im verarbeitenden Gewerbe laut IFR-Daten zuletzt auf 392 Einheiten pro 10.000 Arbeitnehmer und zog mit Japan (397 Einheiten) und Deutschland (415 Einheiten) fast gleich. Zudem fördert Peking im Rahmen seiner Fünf-Jahres-Pläne gezielt eine qualitativ hochwertige eigene chinesische Robotik-Industrie.“ Dabei stützt sich der VDMA auf Statistiken der Internationalen Robotik-Förderation in Frankfurt am Main.

Und der Handels- und Wirtschaftskrieg der USA gegen China führt zunehmend dazu, dass chinesische Unternehmen „verstärkt lokale Service- und Vertriebsstrukturen in Deutschland und der EU aufbauen“. Dies dürfte die Wettbewerbsfähigkeit der Chinesen in Europa weiter verbessern.

Wirtschaft wünscht sich mehr politischen Rückhalt für Schlüsseltechnologie

Daher wünscht sich die Branche neue wirtschaftspolitische Impulse: „Die Politik hat Robotik und Automation als Schlüsseltechnologie für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands erkannt“, räumte Frank Konrad ein. „Jetzt braucht es aber Tempo in der Umsetzung: Der Standort Deutschland benötigt einen verlässlichen Rahmen für Investitionen und neue Impulse, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: VDMA Robotik und Automation, Oiger-Archiv, IFR

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt