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Strahlende Mini-Helden im Kampf gegen Hirn- und Pankreas-Krebs

Mikroskop, Forschung. Foto: Heiko Weckbrodt

Foto: Heiko Weckbrodt

Trimt Radeberg arbeitet an radioaktiven Biomolekülen, die sich an zielgerichtet an Metastasen anheften

Radeberg, 27. Mai 2024. Um die Diagnose und die Behandlung von besonders tückischen Krebsarten wie Bauchspeicheldrüsen-Tumore oder Hirn-Metastasen zu verbessern, arbeitet das Radeberger Unternehmen „Trimt“ an einer neuen Strahlenmedizin: Das mit einem leicht radioaktivem Gallium-Isotop beladene Biomolekül „Ga-68-Trivehexin“ habe inzwischen unter anderem Tests am Uniklinikum Dresden an einem Patienten mit mehreren Krebsarten und Hirnmetastasen absolviert, berichten die Radeberger.

Anheft-Ziel findet sich oft bei Wucherungen von Bauchspeicheldrüse, Hirn und Lunge

Der Trick dabei: Das Strahlenpräparat heftet sich bevorzugt an ein Zelloberflächenprotein namens „αvβ6-Integrin“. „In einer Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen des Instituts für Pathologie der TU München haben wir in den letzten zwei Jahren nachgewiesen, dass das Zielprotein αvβ6-Integrin auf mehr als 80% der Tumorzellen von Bauchspeicheldrüsen-, Lungen-, Speiseröhren-, Gebärmutterhals-, Eierstock-, Brust-, Gebärmutter- sowie Kopf-Hals-Krebs zu finden ist“, berichtet Mitgründer und Trimt-Wissenschaftsdirektor Johannes Notni. Dies erschließe Möglichkeiten, um Tumore und Metastasen bei diesen Krebszellen zunächst durch die Radiopharmaka in Positronen-Emissions-Tomographen (PET) sichtbar zu machen – und „anschließend selektiv die Tumorzellen vernichten und dabei das gesunde Gewebe schonen“, so Notni. Zudem konnten Dr. Jana Rehm und ein Team um Prof. Kotzerke von der TU Dresden nachweisen, „dass diese Technologie auch in klinisch schwierigen Situationen wie der Metastasierung von Krebs im Gehirn nützlich sein könnte“.

2021 im „Radiopharmaceutical Valley Saxony“ gegründet

Johannes Notni, Jakub Simecek und Dirk Freitag-Stechl hatten „Trimt“ aus einem Forschungsprojekt der TU München heraus im März 2021 in Radeberg gegründet. Das Unternehmen hat sich laut eigenen Angaben auf „neuartige Radiopharmaka für die Diagnose und Behandlung lebensbedrohlicher Krankheiten“ spezialisiert. Im Fokus stehen dabei Biomoleküle beziehungsweise Radioliganden, die sich an ganz bestimmte Krebszellen anheften. Damit wollen die Gründer die Therapie und Diagnostik von Krebs & Co. als „Theranostik“ zusammenführen. Trimt gilt als ein Teil des „Radiopharmaceutical Valley Saxony“, das in den vergangenen Dekaden im Dreieck Radeberg, Rossendorf und Dresden gewachsen ist.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Trimt, Northdata, Wikipedia, TUM, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt