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„Zinnwald Lithium“ von Freiberg nach Altenberg umgezogen

Eine Lithium-Flüssigmetall-Elektrode. Foto: Steffen Landgraf und Michael Nimtz für das HZDR

Eine Lithium-Flüssigmetall-Elektrode. Foto: Steffen Landgraf und Michael Nimtz für das HZDR

Verlagerung des Firmensitzes soll Verankerung im Osterzgebirge verdeutlichen

Altenberg/Freiberg, 26. Mai 2024. Ein Signal, dass es nach jahrelangen Erkundungen und Vorbereitungen nun wohl doch ernst wird mit dem Lithium-Abbau im Erzgebirge: Die Zinnwald Lithium GmbH hat im Mai 2024 ihren Firmensitz von Freiberg nach Altenberg verlagert. Das hat das Unternehmen nun mitgeteilt.

„Seit geraumer Zeit arbeitet das Team der Zinnwald Lithium an der Erkundung der Zinnwalder Lagerstätte“, hieß es vom Unternehmen. Inzwischen sei man „ein in Altenberg ortsansässiges Unternehmen“.

Lithium zum Schlüssel-Element für Akku-Massenproduktion aufgestiegen

Hintergrund: Die weltweite Nachfrage nach dem Leichtmetall Lithium ist gewachsen, seit sich die Lithium-Ionen-Akkus als besonders effiziente Energiespeicher für Laptops, Mobiltelefone, Elektroautos und andere Stromverbraucher durchgesetzt haben. Mit 0,006 % Anteil an der Erdkruste ist es zwar kein wirklich seltenes Element. Doch der Bedarf ist groß und die erschlossenen und besonders ergiebigen Abbaustätten konzentrieren sich auf wenige Länder – darunter Chile, Argentinien, China, Australien und die USA. Auch in Deutschland gibt es größere Vorkommen, deren Abbau sich aber früher nicht lohnte. Seitdem vor allem die Bundespolitiker auf eine Verkehrswende hin zu Elektroautos drängt, ist auch der Bedarf an einer eigenen großen Akku-Produktion in Deutschland gestiegen – und damit der Wunsch, vom Lithium an die gesamte Wertschöpfungskette über den Akkumulator bis hin zum fertigen Fahrzeug im Lande zu sichern.

Blick in die Akku-Produktion im BMW-Werk Leipzig. Hier im Bild werden gerade die Zellen vereinzelt. Foto: BMW

Blick in die Akku-Produktion im BMW-Werk Leipzig. Hier im Bild werden gerade die Zellen vereinzelt. Foto: BMW

Eine der größten Lagerstätten in Europa

„Die grenzüberschreitende Lagerstätte in Zinnwald/Cinovec zählt zu den größten Lithiumlagerstätten in Europa“, schätzte schon vor Jahren das Oberbergbauamt Freiberg ein. 2011 begann die damalige „Solarworld“-Tochter „Solarworld Solicium GmbH“ und spätere „Deutsche Lithium GmbH“, den deutschen Teil der Lagerstätte zu erkunden. „Die Deutsche Lithium GmbH erstellte im Oktober 2018 einen neuen Ressourcenreport zur Lagerstätte, der eine Lithiumressource von zirka 125.000 t Lithium ausweist“, hieß es im Vorfeld eines Kolloquiums in Freiberg im Jahr 2018. „Damit ist bei einem geplanten untertägigen Abbau von 500.000 t Erz/Jahr ein wirtschaftlicher Bergbaubetrieb für mehr als 30 Jahre möglich.“ Inzwischen hat sich das Unternehmen in „Zinnwald Lithium“ umbenannt und zudem die eigenen Schätzungen erweitert. Die Gesellschaft geht nun von rund 430.000 Tonnen Lithium in Zinnwald aus und von einer längeren Laufzeit für das Bergwerk als früher gedacht.

Lithium-Bedarf von Elektroauto-Nachfrage, neuen Prozessen und Akku-Technologien abhängig

2017 erhielt die „Deutsche Lithium“ eine Bergbauberechtigung für das Lithium in Zinnwald – wobei dort neben dem Leichtmetall noch weitere Bodenschätze wie Aluminium, Caesium, Gallium, Germanium, Gold, Indium, Mangan, Molybdän, Niob und andere mehr liegen. Für Abbau und Aufbereitung des Lithiumerzes will das Unternehmen neue Prozesse einsetzen. Dabei komme ein neues, sehr vielversprechendes alkalisches Laugungsverfahren des finnischen Unternehmens Metso zum Einsatz“, kündigte Anton Du Plessis names des Unternehmens an. Bis das erste Lithium gefördert wird, dürften allerdings noch Jahre vergehen. Wie lange genau, dürfte auch davon ausgehen, in welchem Maße das Unternehmen die Geldgeber vom Projekt überzeugen kann und wie sich angesichts der inzwischen wieder eingebrochenen Verkaufszahlen für Elektroautos in Deutschland die Lithium-Nachfrage weiter entwickeln wird. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen und Institute weltweit an Alternativen zu den heutigen Lithium-Ionen-Akkumulatoren forschen. Je nachdem, welches Konzept sich dabei durchsetzt, kann auch dies die weltweiten Lithium-Preise beeinflussen.

Auch Bedenken aus der Anwohnerschaft und von Umweltschützern dürfte für den Zeitplan des Unternehmens eine Rolle spielen. Es lädt daher am 1. Juni 2024 von 10 bis 14 Uhr zu einem „Tag der offenen Tür“ in den neuen Firmensitz in Altenberg, Zinnwalder Straße 15, ein.

Autor: hw

Quellen: Zinnwald Lithium, Oberbergbauamt Freiberg, Wikipedia, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt