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„Digitale Transformation des Gebäudesektors drängt“

Auf der 5G-vernetzten, digitalen Baustelle arbeiten Mensch und Maschine effizienter und machen weniger Fehler, hoffen die Forscher der TU Dresden, Foto: Oliver Koch für die TUD

Die Digitalisierung beginnt im Architekturbüro und setzt sich auf der Baustelle fort. Foto und Montage: Oliver Koch für die TUD

Bitkom: Digitalisierung kann Ökobilanz der Bauwirtschaft spürbar verbessern

Berlin/Dresden, 25. Mai 2024. Die Bau- und Gebäudewirtschaft sollte rasch mehr digitale Technologien nutzen, um die ökologische Bilanz deutscher Immobilien zu verbessern. Große Effizienzpotenziale hat vor allem der Einsatz von Bau-Informationsmodellen (BIM) und „Digitalen Zwillingen“ ganzer Gebäude. Darauf hat der deutsche Digitalwirtschaftsverband „Bitkom“ aus Berlin hingewiesen.

„Building Information Modelling“ und „Digitale Zwillinge“ sind Frage der internationalen Wettbewerbs-Fähigkeit

„Die digitale Transformation des Gebäudesektors drängt“, betont Bitkom-Geschäftsleiterin Susanne Dehmel. „Digitale Technologien wie Building Information Modelling sind die Grundlage für den Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Bauwirtschaft. Schon heute können Bau-Unternehmen ohne BIM-Kapazitäten nicht an internationalen Projekten teilnehmen.“

„Gesamtgesellschaftlicher Hebel für Dekarbonisierung“

Gebäude seien „ein gesamtgesellschaftlicher, wie auch gesamtwirtschaftlicher Hebel für Digitalisierung und Dekarbonisierung“, unterstreichen die Bitkom-Experten. Immerhin sei Gebäudesektor einer der größten Emittenten von CO2 in Deutschland, liege bei den notwendigen Einsparungen bis zum Klimaziel 2030 aber zurück.

BIM-Leitfaden veröffentlicht

Daher hat der Bitkom nun einen kostenlosen „BIM“-Leitfaden veröffentlicht, der Nutzen und Einsatzweise von „Building Information Modelling“ und „Digitalen Zwillingen“ erklärt. Die Unterschiede zwischen beiden Technologien im Kurzabriss: BIM ist eine Methode, um vom Entwurf an alle wichtigen Gebäude-Informationen zu sammeln und zugänglich zu machen. Richtig eingesetzt, bekommen dadurch Architekten, Ingenieure, Planer, Behörden, Bau-Unternehmen, später aber auch Aufzugsmonteure, Wartungsfirmen, Abrissbetriebe und andere gleichermaßen den Zugriff auf die für sie nötigen Gebäudeinformationen. „Das steigert die Effizienz und Genauigkeit der Gewerke erheblich“, betont der Bitkom. Ein Beispiel: Durch BIM könnten Architekten und Ingenieure den Energieverbrauch eines Gebäudes noch vor dem ersten Spatenstich simulieren und optimieren. Und wenn irgendwann später Umbau oder Abriss anstehen, bekommen die beauftragten Unternehmen klare Daten darüber in die Hand, welches material wo verbaut und welche Leitungen wo verlegt wurde.

Aus BIM-Daten lassen sich Digitale Zwillinge ganzer Gebäude formen

Auf den BIM-Daten aufbauend lässt sich auch ein „Digitale Zwilling“ des jeweiligen Gebäudes einrichten: Ein virtuelles Computer-Modell des Hauses, das sich fortlaufend – und am Besten in Echtzeit – aktualisiert, wenn sich am realen Gebäude etwas ändert. „Nur durch die kontinuierliche Datenerfassung können Schwachstellen und Verbesserungspotenziale an Gebäuden identifiziert werden“, heißt es im Leitfaden. „Sie ermöglicht, proaktiv auf Probleme zu reagieren und den Energieverbrauch zu optimieren. Außerdem können Instandhaltungsmaßnahmen effizienter und effektiver durchgeführt werden.“ So lassen sich beispielsweise Daten über den Strom- und Wärmeverbrauch mit Sensorwerten über Sonnenstand, Außentemperatur und Auslastung im Gebäude kombinieren, so dass „Künstliche Intelligenzen“ dann Ratschläge geben lassen, wie sich der Energieverbrauch im Haus senken lässt. Auch lassen sich Daten über die Belegung in verschiedenen Räumen gemeinsamen mit weiteren Sensordaten zu Analysen nutzen, warum einige Gebäudetrakte besonders beliebt sind und andere schier unvermietbar.

BIM ist zum Beispiel beim Chipfabrik-Bau schon üblich

Zwar ist BIM durchaus schon auf manchen Baustellen im Einsatz – vor allem bei Projekten großer Immobilienunternehmen, aber beispielsweise auch beim Bau milliardenteurer Chipfabriken, wie beispielsweise von Bosch in Dresden. Allerdings sind die eingesetzten Lösungen oft kaum kompatibel zueinander: Probleme sind daher oft noch der Datenaustausch, die Standards und offene Schnittstellen. „Fehlende Standards sollten praxisnah entwickelt werden“, fordert der Bitkom. Die wiederum sollten sich an die Anforderungen des europäischen Datenökosystems „Gaia-X“ anlehnen. Zudem sollte der Staat mit gutem Beispiel vorangehen und für seine Bauprojekte systematisch BIM-Technologien einsetzen.

Hohe Sparpotenziale erwartet: beim CO2 wie bei den Betriebskosten

Wieviel Geld und CO2 sich durch BIM und Digitale Zwillinge am Bau und im laufenden Gebäudebetrieb einsparen lassen, ist von Fall zu Fall sehr verschieden. Teilweise lassen sich aber schon durch Teillösungen mit sensorgestütztem Gebäudemanagement durchaus 35 bis 60 Prozent Energieersparnis für Beleuchtung, Wärme- und Kältetechnik realisieren, hatten Experimente eines europäisches Konsortium um das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP) Dresden ergeben. Zudem hatte eine frühere Bitkom-Studie ergeben, dass digitale Bautechnologien wie eben BIM und Digitale Gebäude-Zwillinge bis zu 14,7 Millionen Tonnen CO2-Emissionen sparen könnten. Dies entspreche fast 30 Prozent des im Klimaschutzgesetz formulierten Reduktionsziels für den Gebäudesektor von 51 Millionen Tonnen CO2.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Bitkom, Wikipedia, Oiger-Archiv, Gaia-X.eu

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt