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Uni Dresden will Drohnen-Roboter-Schwärme in der Lausitz formen

Umweltdrohne der TU Dresden im Flug. Foto: Heiko Weckbrodt

Umweltdrohne der TU Dresden im Flug. Foto: Heiko Weckbrodt

Mit dem „Smart Mobility Lab“ soll in Hoyerswerda ein „Superbeschleuniger“ für die Mobilität von morgen wachsen

Dresden/Hoyerswerda, 9. Oktober 2022. Um der Lausitz neue hochtechnologische Perspektiven für die Zeit nach dem Braunkohle-Ausstieg zu eröffnen, will die Technische Universität Dresden (TUD) dort an der Mobilität der Zukunft forschen – und die Ergebnisse dann gleich in die regionale Wirtschaft transferieren. Dafür planen die Ingenieure ein „Smart Mobility Lab“ (SML) in Hoyerswerda, für das sie sich nun um Fördermittel bemühen. Damit haben sich die vor einem Jahr von den TUD-Professoren Ronald Tetzlaff und Uwe Aßmann skizzierten Robotik-Ideen für die Lausitz inzwischen konkretisiert.

Der rollende Roboter der Informatiker der TU Dresden ist mit Leichtbau-Roboterarmen ausgestattet. Er lässt sich per VR-Brille und Sensorhandschuh fernsteuern. Die Forscher wollen ihn zum universell einsetzbaren KJatastrophen-Hilfsroboter weiterentwickeln. Foto: Heiko Weckbrodt

Der rollende Roboter der Informatiker der TU Dresden ist mit Leichtbau-Roboterarmen ausgestattet. Er lässt sich per VR-Brille und Sensorhandschuh fernsteuern. Die Forscher wollen ihn zum universell einsetzbaren Katastrophen-Hilfsroboter weiterentwickeln. Foto: Heiko Weckbrodt

Schwärme sollen Tagebaue rekultivieren und als Erstretter in Katastrophengebieten dienen

Konkret möchten Informatiker, Robotiker, Funk- und Elektronikspezialisten im geplanten SML zum Beispiel Drohnen, rollende Rettungs-Roboter und andere autonome, ferngesteuerte, fliegende und fahrende Vehikel zu Schwärmen vernetzen. Die sollen erstens vorexerzieren, wie sich Verkehrsströme in Zukunft effizienter und ressourcensparender organisieren lassen. Zweitens wollen die Forscher Drohnen- und Roboterschwärme aussenden, um die durch den Kohleabbau entstandenen Bodenschäden in der Lausitz zu sanieren und zu rekultivieren. Drittens denken die Initiatoren auch an den Aufbau von Noteinsatz-Schwärmen. Die könnten Rettungsstäbe dann in Katastrophengebiete mit zusammengebrochener Infrastruktur entsenden, in die sich kein menschlicher Helfer wagen könnte. Dort könnten dann zum Beispiel Späh-Drohnen aus der Luft die Lage auskundschaften und dann energieautarke Funksender auswerfen, um im ersten Schritt wieder Kommunikationsnetze in dem Areal aufzuspannen. In einer zweiten Welle sollen dann größere Roll-Roboter anrücken, die hilflose Menschen bergen oder mit Essen versorgen.

Prof. Ursula M. Staudinger ist ab 18. August 2020 Rektorin der TU Dresden. Foto: Robert Lohse für die TUD

Prof. Ursula M. Staudinger. Foto: Robert Lohse für die TUD

60 Meter hohe Drohnen-Flughalle aus Carbonbeton geplant

Auch architektonisch und baulich soll der neue Forschungscampus neue Maßstäbe setzen: Wenn das Konzept bewilligt wird, soll eine 60 Meter hohe Drohnenflughalle aus einem in Dresden entwickelten Leichtbaustoff entstehen. Das hat TUD-Rektorin Prof. Ursula Staudinger kürzlich angekündigt. Sie will dafür den von Prof. Manfred Curbach entwickelten Carbonbeton verwenden – um bei der Gelegenheit gleich noch zu zeigen, wozu dieser mit Kohlenstoff-Netzen statt Stahl bewehrte neue Beton imstande ist.

Video zum Konzept des
hochimmersiven Fahrsimulators
von AMST:

Fahrbare 5-Meter-Kugeln als „hochimmersive Fahrsimulatoren“

Abgesehen von der Drohnen-Flughalle plant die Uni für das „Smart Mobility Lab“ weitere moderne und teils einzigartige Forschungs- und Testgeräte. Dazu gehören „hochimmersive Fahrsimulatoren“, die wie fünf Meter hohe Radarkuppeln auf Rädern aussehen, bewegbare Cockpits enthalten und komplexes Verkehrsgeschehen in Rundumsicht simulieren können. Die TU entwickelt bereits seit 2019 gemeinsam mit der Firma AMST solche neuartigen Fahrsimulatoren. Etablieren wollen die Initiatoren des Weiteren ein „Softwareökosystem für eine aktive Start-up-Szene“ in der Lausitz. Denn das SML soll sich nicht allein auf Vorlaufforschung konzentrieren, sondern auch den Transfer in die Praxis organisieren, sich zudem um die Zulassung, Zertifizierung und technische Überwachung der entwickelten Drohnenschwärme und alle daran hängenden Lösungen kümmern. Auch neue Studienangebote sind vor Ort vorgesehen. Insofern nimmt das Konzept die alte – aber im ersten Anlauf gescheiterte – Idee von Aßmann, Tetzlaff und weiteren TU-Professoren auf, in Hoyerswerda einen „Zuse-Campus“ als einer Art Außenstelle der Dresdner Informatikfakultät aufzubauen. Letztlich solle das SML als eine Art „technologischer Super-Beschleuniger für die Mobilität von morgen auf Straße, Feld und in der Luft“ fungieren, heißt es in einer Projektpräsentation.

Ronald Tetzlaff. Foto: Robert Lohse für die TU Dresden

Ronald Tetzlaff. Foto: Robert Lohse für die TU Dresden

Startplatz für kleine Orbitalraketen vorgeschlagen

Wenn das „Smart Mobility Lab“ die nötigen Fördergelder bekommt, will das Projektteam um den Dresdner Verkehrstechnik-Professor Günther Prokop Anfang 2023 starten. Das Geld ist zunächst für die Aufbauphase bis Ende 2026 beantragt. Erst kürzlich hatte zudem der sächsische Luft- und Raumfahrtkoordinator Prof. Hartmut Fricke vorgeschlagen, an dieses Labor noch einen Startplatz für kleine Orbitalraketen anzudocken.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: TUD, Auskünfte Staudinger bei Cube-Einweihung, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt