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Corona bremst auch in Sachsen wirtschaftliche Erholung aus

Das VW-Werk Zwickau montiert das Audi-Elektroauto "Q4 e-tron". Foto: Audi

Das VW-Werk Zwickau montiert das Audi-Elektroauto „Q4 e-tron“. Foto: Audi

Ifo Dresden: Freistaat erreicht Vorkrisenniveau erst im Frühjahr 2022 wieder

Dresden, 21. Dezember 2021. Die sächsische Wirtschaft ist in diesem Jahr um 2,7 Prozent gewachsen und legt im Jahr 2022 voraussichtlich um 3,4 Prozent zu. Die ostdeutsche Wirtschaft insgesamt entwickelt sich dagegen mit 2,6 beziehungsweise 3,2 Prozent etwas schwächer. Das hat Prof. Joachim Ragnitz vom Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo Dresden prognostiziert.

Prof. Joachim Ragnitz ist Stellvertretender Leiter der ifo-Niederlassung Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Prof. Joachim Ragnitz vom ifo Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Nachholeeffekte nach der 4. oder 5. Corona-Welle?

Damit verschiebe sich die Corona-Erholung der Wirtschaft im Vergleich zu früheren Prognosen ins kommende Jahr. Erst im zweiten Quartal 2022 werde voraussichtlich das Vorkrisen-Niveau annähernd wieder erreicht. „Wachstumstreiber werden vor allem die Industrie, der Handel und das Gastgewerbe sein“, sagte Ragnitz. Diese Sektoren bauen nach der vierten (oder fünften) den derzeitigen Nachfragestau ab: Wenn die Läden, Gaststätten und Bars wieder uneingeschränkt öffnen, dürften wohl auch viele Deutsche längst aufgeschobene Einkaufstouren, Familienfeiern und dergleichen nachholen. Und speziell die Industrie könne dann endlich auch Aufträge abarbeiten, die derzeit wegen Zuliefer-Problemen nicht umsetzbar seien.

Autobau und Halbleiterindustrie in Sachsen gut gerüstet

Generell sieht Ragnitz wichtige Leitindustrien im Freistaat gut auf die Herausforderungen der nächsten Monate und Jahre vorbereitet, auch über die Corona-Zeit hinaus. Im sächsischen Automobilbau beispielsweise sei die Transformation in Richtung Elektromobilität bereits recht weit fortgeschritten. „Diese Branche ist schon recht gut für die Zukunft gerüstet“, schätzt der Wirtschaftsforscher. Allerdings bleibe abzuwarten, ob dies jenseits der großen Autofabriken von VW, BMW & Co. auch für die vielen Zulieferer so zutreffe.

Ähnliches gelte für die sächsische Halbleiterindustrie: Viele Chipfabriken haben angesichts der derzeitigen Mikroelektronik-Nachfragenspitzen ohnehin dick gefüllte Auftragsbücher und können zudem mit staatlicher Unterstützung rechnen: „Der neue Bundeswirtschaftsminister hat bereits angekündigt, diese Industrie massiv zu fördern“, sagt Ragnitz mit Blick auf die aktuellen Förderprogramme für Mikroelektronik-Projekte von besonderem europäischen Interesse (Programm „ME-Ipcei 2“). „Es ist zu erwarten, dass Sachsen daran teilhaben wird und sich daraus hier positive Entwicklungen ableiten.“

Kein Bedarf für Konjukturprogramme

Wenig Sinn sieht der Ökonom derweil in weiteren Konjunkturprogrammen oder anderen staatlichen Eingriffen, um aus dem Corona-Tal herauszukommen: „Wir haben derzeit kein Nachfrageproblem, das mit konjunkturellen Maßnahmen gelöst werden müsste.“ Da die Industrie wegen stockender Lieferketten nicht genug produzieren, geschlossene Dienstleister nichts verkaufen und die Deutschen viel Geld ansparen, würde beispielsweise eine neuerliche Mehrwertsteuer-Senkung nur verpuffen. „Die Handlungsmöglichkeiten des Staates sind insofern derzeit gering – und ich sehe auch gar keinen Bedarf dafür.“

Das Ifo-Mutterinstitut in München hatte erst vor wenigen Tagen bereits seine Wachstumsprognosen für die gesamte deutsche Wirtschaft gesenkt. Als Hauptgründe gelten die anhaltenden globalen Lieferengpässe, die vierte Corona-Welle, mit denen die Ifo-Forscher zunächst nicht gerechnet hatten, und die darauf folgenden Einschränkungen auch im ökonomischen Sektor. „Im Moment sollte sich der Staat wohl am meisten darauf konzentrieren, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern“, sagt Ragnitz. Langfristig sollten Bund und Länder dann Probleme wie den anhaltenden Fachkräftemangel, die Sicherung der Lieferketten und die Energieversorgung angehen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Ifo DD, Oiger-Archiv