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Dresden rechnet mit Zehntausenden zur virtuellen Wissenschaftsnacht

Die Dresdner Wissenschaftsnacht findet am 9. Juli 2021 virtuell statt. Grafik: LHD

Die Dresdner Wissenschaftsnacht findet am 9. Juli 2021 virtuell statt. Grafik: LHD

Primzahlen, Obstroboter und Sim City: Forscher schnüren kleineres , aber buntes Paket im 2. Corona-Jahr

Dresden, 24. Juni 2021. Mikroplaste in der Elbe, die Ostmoderne, obsterntende Roboter, Störattacken im Internet der fahrenden Dinge und die Verkehrsströme in der Computerspielwelt von „Sim City“ – für die Wissenschaftsnacht 2021 hat die Dresdner Forschergemeinde ein buntes und diesmal ganz und gar digitales Überraschungspaket geschnürt: 16 Institute und Tech-Unternehmen aus der Landeshauptstadt wollen am 9. Juli 2021 ab 17 Uhr Zehntausenden Neugierigen in über 130 virtuellen Veranstaltungen zeigen, mit welchen Plänen zur Weltverbesserung sie sich gerade beschäftigen.

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) im Hygiene-Museum. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Foto: Heiko Weckbrodt

Experimente, Störmanöver, Podcasts und Videoströme

Wegen Corona findet die Wissenschaftsnacht allerdings in diesem Jahr nicht in der analogen, sondern in der digitalen Welt statt. Immerhin fällt das beliebte Sommerereignis nicht ganz flach wie im ersten Corona-Jahr. „Vorträge, Mitmach-Experimente, Führungen, Präsentationen, Podcasts, Filme – die digitalen Formate sind so vielfältig wie die Wissenschaftslandschaft selbst“, streicht Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) die Vorteile dieser Entscheidung heraus. „Sie machen erlebbar, wie Wissenschaft unseren Alltag positiv verändern kann.“ Insgesamt erwarten die Veranstalter mindestens soviel Besucher wie zur letzten vor-pandemischen Wissenschaftsnacht 2019, also rund 39.000 Menschen. Wegen des überregional-digitalen Formats könnte die „Lange Nacht der Wissenschaften“ diesmal sogar viel mehr Neugierige von außerhalb der Stadtgrenzen anziehen als in früheren Jahren, hofft Jörg Flachowsky von der Agentur „Jungvornweg“ namens der Organisatoren.

Wer versteht R2D2?

Für viel überregionale Anziehungskraft soll eben auch das breitgefächerte – wenngleich gegenüber den Vorjahren stark reduzierte – Programm beitragen. Die Forscherinnen und Forscher der TU Dresden laden die Gäste beispielsweise ein, in einem Live-Experiment mit aller Macht den selbstorganisierenden Verkehr der Zukunft durcheinander zu bringen: Wenn Autos und andere Fahrzeuge künftig nicht nur autonom navigieren und sich ohne menschliches Zutun in Sekundenbruchteilen untereinander abstimmen, dann sollten die meisten Unfälle und Staus der Vergangenheit angehören, haben sich die die Verkehrsexperten nämlich überlegt. In der Wissenschaftsnacht soll dieses Konzept, das bisher nur in Simulationen und Spielzeugwelten funktioniert, nun einen Praxistest gegen eingeladene Störenfriede bestehen. Andere TU-Sektionen versuchen während der Wissenschaftsnacht, den „Starwars“-Roboter „R2D2“ zu verstehen, die Geheimnisse der Primzahlen zu entschlüsseln und Trampoline zu berechnen.

Eben noch in den Tropen, jetzt auf der Elbe: Das Forschungsschiff "Aldebaran". Foto: Pressefoto ALDEBARAN Marine Research & Broadcast

Eben noch in den Tropen, jetzt auf der Elbe: Das Forschungsschiff “Aldebaran”. Foto: Pressefoto ALDEBARAN Marine Research & Broadcast

Schutzpolymere für Corona-Impfstoffe

Auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft ist wieder an Bord. Sie zeigt unter anderem Landwirtschaft 4.0: Feldroboter im Ernteeinsatz, Drohnen über Obstgärten und Sensoren in Plantagen. Außerdem auf dem Programm: Das Forschungsschiff „Aldebaran“ fahndet auf der Elbe nach Mikroplaste. Das Leibniz-Institut für Polymerforschung zeigt Kinderexperimente fürs Wohnzimmer und Schutzpolymere für Corona-Impfstoffe. Das Institut für Luft- und Kältetechnik (ILK) führt vor, warum die Zukunft der Lausitzer Fernwärmenetze womöglich im Flüssigeis liegt. Das ausführliche Programm mit diesen und weiteren Veranstaltungen ist hier im Netz zu finden.

5G-Netze, viele kleine Bodensensoren und ein zentrales Plansystem sollen künftig Bauern in Sachsen dabei beraten, wo sie ihre Äcker stärker oder schwächer düngen und bewässern müssen. Grafik: TUD/ast

5G-Netze, viele kleine Bodensensoren und ein zentrales Plansystem sollen künftig Bauern in Sachsen dabei beraten, wo sie ihre Äcker stärker oder schwächer düngen und bewässern müssen. Grafik: TUD/ast

Suche statt Schaufenster

Wie gut das gewählte dezentrale Streaming-Format funktioniert, muss sich in der Praxis zeigen: Statt eine Art Mediathek mit mehreren Kanälen auf einer Seite anzubieten, zwischen denen man und frau schnell hin- und herwechseln können, müssen sich die Besucher von der Wissenschaftsnacht-Portalseite anscheinend durch Suchfilter zu den jeweiligen Internetseiten und Videoströmen der einzelnen Forschungseinrichtungen durchklicken. Die Veranstalter sind aber zuversichtlich, dass das gut funktioniert.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: LHD, Jungvornweg, IPF, TUD, ILK, HTW