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Neuron D testet neue Medizin gegen Alzheimer & Co. im Mini-Gehirn

Die Mikroskop-Aufnahme zeigt Netzwerke aus Nervenzellen in einer Zellkultur. Mikroskopbild: Kizil Lab, DZNE

Die Mikroskop-Aufnahme zeigt Netzwerke aus Nervenzellen in einer Zellkultur. Mikroskopbild: Kizil Lab, DZNE

Unternehmens-Gründung von Dresdner Instituten DZNE und IPF sammelt eine Million Euro Kapital ein

Dresden, 18. März 2021. Mit künstlichen Mini-Gehirnen testet das junge Dresdner Biotechnologie-Unternehmen „Neuron D“ für die Pharmaindustrie neue Medikamente gegen Alzheimer und andere Nervenschäden. Bei dem eingesetzten Gehirnmodell handelt es sich um dreidimensionale Zellkulturen aus jeweils einigen Zehntausenden Nervenzellen, die in ein Hydrogel eingebettet sind und kaum größer als ein Würfelzuckerstück sind. Das teilte heute das „Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen“ (DZNE) mit.

3D-Neuronennetze testen ab 2022 Wirkstoffe im Akkord

Das innovative Testverfahren gilt vielen Investoren als so vielversprechend, dass „Neuron D“ inzwischen bereits eine Million Euro Kapital eingesammelt hat. Mit dem Geld wollen die Gründer noch mehr Minigehirne züchten und daraus eine Hochdurchsatz-Plattform machen, die ab 2022 einsatzbereit ist. „Damit können dann Tausende von Substanzen quasi im Akkord getestet werden“, kündigte DZNE-Gruppenleiter Dr. Caghan Kizil an. „Das System wird durch den Einsatz modernster Technologien vollständig automatisiert sein.“ Kizil hatte das Unternehmen im Jahr 2019 gemeinsam mit Prof. Carsten Werner von der TU Dresden und Dr. Uwe Freudenberg vom Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden (IPF) gegründet.

Hydrogel führt Nervennetze in die 3. Dimension

Hintergrund: Um neue Medikamente gegen nervenschädigende Krankheiten zu testen, setzen Institute und Pharmaunternehmen bisher vor allem gezüchtete Kulturen aus Nervenzellen ein, die sich in einer Ebene vernetzt haben. Die Dresdner Forscher gehen nun einen Schritt weiter: Indem sie die Neuronen in ein „starPEG-Heparin Hydrogel einbetten, das am IPF entwickelt wurde, können sich diese Nervenzellen nun dreidimensional verbinden. Damit können sie „wichtige Eigenschaften des Gehirns besser nachahmen als mit konventionellen Zellkulturen“, betont Dr. Kizil.

Auch chemische Tests auf Nervengifte möglich

Die Mini-Gehirne sind zudem leicht veränderbar. Dadurch eignen sie sich nicht nur für Medikamenten-Tests, sondern auch, um gesunde und kranke Hirne nachzustellen, die Wirkung von Nervengiften zu erkennen und die Prozesse bei der Gehirnentwicklung zu simulieren.

Autor: hw

Quellen: DZNE, Neuron D

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