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Evonik dämmt weltweit 1. Karbonbeton-Haus in Dresden

Die Visualisierung zeigt, wie der "Cube" aus Karbonbeton aussehen soll. Gut zu sehen ist hier die "Twist" genannte Schale, die organisch von einer Mauer ins Dach übergeht. Dort sollen die Dämmplatten von Evonik plaziert werden. Visualisierung: C3

Die Visualisierung zeigt, wie der “Cube” aus Karbonbeton aussehen soll. Gut zu sehen ist hier die “Twist” genannte Schale, die organisch von einer Mauer ins Dach übergeht. Dort sollen die Dämmplatten von Evonik plaziert werden. Visualisierung: C3

Chemiekonzern liefert biegsame Dämmung für „Twist“-Mauerdach

Dresden/Essen, 9. März 2021. Um das weltweit erste Karbonbeton-Haus „Cube“, das derzeit in Dresden entsteht, besser gegen Wärmeverlust und feuer zu schützen, liefert „Evonik“ dafür spezielle biegsame „Calostat“-Dämmpaneele. Das der deutsche Chemiekonzern aus Essen angekündigt.

Die Calostat-Dämmplatten auf mineralischer Basis sind laut Evonik biegsam, wiederverwertbar und nicht brennbar. Foto. Evonik

Die Calostat-Dämmplatten auf mineralischer Basis sind laut Evonik biegsam, wiederverwertbar und nicht brennbar. Foto. Evonik

Mauer geht organisch ins Dach über

Benötigt werden diese anpassbaren feuerfesten Platten speziell für das „Twist“-Mauerdach des Cubes. Dabei handelt es sich um eine in sich verdrehte Karbonbetonschale, die zunächst Seitenmauer ist und dann in einem Schwung zum Dach wird. Damit wollen die Forscher der TU Dresden zeigen, welche innovativen Architekturen das neue Baumaterial bietet. Anders als Stahlbeton sorgen im Karbonbeton nämlich Kohlenfaserstoff-Netzes statt Stahlstreben für die nötige Stabilität beim Hausbau. Dadurch ist dieser neue Baustoff bedeutend leichter als Stahlbeton, erlaubt bei gleicher Stabilität deutlich dünnere Wände und Dächer – und rostet auch nicht. Dadurch sollen künftig einerseits viel filigranere Bauweisen möglich werden, andererseits aber auch alte Gebäude sanierbar und erweiterbar werden, wie das mit dickem und schweren Stahlbeton bisher nicht machbar war. Etwa 80 Prozent Materialersparnis sind in der karbonbasierten Bauweise möglich, schätzt Institutsdirektor Prof. Manfred Curbach

An der TU Dresden entwickelt

Entwickelt wurde dieses neue Leichtbaumaterial von Forschern um Prof. Manfred Curbach vom Institut für Massivbau der TU Dresden. Daraus entstand das Verbundprojekt „Karbon Concret Composite“ (C3), an dem fast 150 Institute und Unternehmen beteiligt sind.

Inzwischen gibt es auch erste praktische Anwendungsbeispiele für den Karbonbeton aus Sachsen. Unter anderem ließ die Stadt Dresden mit diesem leichten Material die Carolabrücke um zusätzliche Wege für Fußgänger und Radfahrer verbreitert – dies wäre mit Stahlbeton statisch kaum realisierbar gewesen. Außerdem bauen die Uni-Forscher und ihre Partner derzeit nahe am TU-Campus, an der Kreuzung von Zelleschem Weg und Bergstraße, das weltweit erste Haus aus Karbonbeton. Das 220 Quadratmeter umfassende Gebäude soll als Schaufenster für die neue Technologie dienen und zugleich Raum für Ausstellungen und Tagungen rund um das Bauen der Zukunft bieten.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Evonik, C3, Oiger-Archiv

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