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VW baut Manufaktur Dresden zum E-Innovationszentrum um

Die VW-Manufaktur Dresden hat nach Zwickau nun auch die ID3-Produktion begonnen und dafür die E-Golf-Fertigung eingestellt. Hier ist ein ID3 im Lichtdom bei der Lack-Qualitätskontrolle zu sehen. Foto: Oliver Killig für Volkswagen Sachsen

Die VW-Manufaktur Dresden hat nach Zwickau nun auch die ID3-Produktion begonnen und dafür die E-Golf-Fertigung eingestellt. Hier ist ein ID3 im Lichtdom bei der Lack-Qualitätskontrolle zu sehen. Foto: Oliver Killig für Volkswagen Sachsen

Werk wird Pilotfabrik für “Industrie 4.0“-Technologien im Konzernverbund

Dresden, 29. Januar 2021. Volkswagen will seine gläserne Manufaktur in Dresden vom Produktionsstandort zur Pilotfabrik für neue Fertigungstechnologien im gesamten Konzern und unter dem Namen „Home of ID“ zu einem Innovationszentrum für Elektromobilität erweitern. Das hat Manufakturchef Danny Auerswald beim Dresdner Produktionsstart für das neue Elektroauto ID3 avisiert.

Produktion, Besuchermagnet, Erprobungslabor und Auslieferungszentrum unter einem Dach

„Wir sind Fertigungsstätte, Besuchermagnet, Eventlocation, Erprobungslabor und Auslieferungszentrum -alles in einem“, betonte Auerswald. „Unsere Transformation wird auch für die 380 Manufaktur-Mitarbeiter eine zukunftssichere Perspektive entwickeln.“

Werbevideo von VW zum
ID3-Start in Dresden:

Vom Phaeton zur ID3-Produktion

Ursprünglich als Edelmanufaktur für die Phaeton-Produktion gebaut, hatte die VW-Manufaktur zuletzt Elektrogolfs gebaut, einen Inkubator für innovative junge Mobilitätsunternehmen aufgebaut und zuletzt auch ein Entwicklungslabor für „Industrie 2.0“-Software installiert. 2021 kommen nun weitere Geschäftsfelder für die Dresdner hinzu, die teils in Ansätzen in der jüngeren Vergangenheit bereits eine gewisse Rolle gespielt hatten:.

Die neuen Geschäftsfelder:

Pilot Factory 4.0

So wird die Manufaktur nun auch offiziell zur „Pilot Factory 4.0“, die neue Fertigungstechnologien, Produktionsdigitalisierung sowie mobile und kollaborative Robotik in der Kleinserie erprobt, bevor sie in die Massenproduktion an andere VW-Standorte überführt werden.

Erprobung für Vorserienmodelle

Außerdem ist Dresden künftig auch eine Erprobungsstation für Assistenzsysteme, mobile Onlinedienste, Motoren und Fahrwerk vor allem von Elektroautos. Hier hat die sonst eher als ungünstig und peripher eingestufte geografische Lage der sächsischen Landeshauptstadt im Osten Deutschlands auch einmal einen Vorteil: „Hier können wir Vorserienmodelle grenzüberschreitend im Dreiländereck testen“, sagte Auerswald.

Aufbereitung von Leasing-Rückläufern

Eine weitere neue Aufgabe ist die Aufbereitung und Erneuerung von Elektroautos, die von Geschäftskunden und Leasing-Nehmern kommen. Sie sollen in Dresden beispielsweise neue oder regenerierte Batterien bekommen.

Ausliefer- und Erlebniszentrum für Elektroauto-Kunden

Außerdem will VW die Rolle der gläsernen Manufaktur als Elektroauto-Auslieferungsort mit Erlebniswert deutlich stärken: Wurden 2019 erst 1301 Fahrzeuge an Kunden übergeben, sollen es 2022 bereits rund 9700 Elektrowagen sein. Als Zielgruppe denken die Kraftfahrzeugbauer da an Kunden, die sich nicht nur den Fahrzeugschlüssel im Autohaus abholen wollen, sondern die Produktion „ihres“ ID3 einmal sehen oder gar dabei mitschrauben wollen. Im Moment sei das zwar wegen Corona nicht möglich, aber in Zukunft werde es fünf Mitmachstationen für Kunden geben, kündigte der Manufakturchef an.

Qualifizierungs-Hub

Zudem soll das „Home of ID“ auch ein Qualifizierungszentrum mit rund 450 Veranstaltungen pro Jahr werden, das Elektroauto-Großkunden berät, den Besuchern die Finessen der Elektromobilität erklärt, Produktschulungen für VW-Händler anbietet sowie Mädchen und Jungen im Schülerlabor in die Elektroauto-Konstruktion einführt.

Danny Auerswald leitet ab August 2020 die VW-Manufaktur Dresden. Foto: Volkswagen Sachsen

Danny Auerswald leitet seit August 2020 die VW-Manufaktur Dresden. Foto: Volkswagen Sachsen

Zunächst 35 Elektroautos pro Tag

Und nicht zuletzt hat die Dresdner Manufaktur nun eben auch die Elektrogolf-Produktion beendet und die ID3-Fertigung begonnen. Zunächst werden die Monteure pro Tagschicht etwa 35 Elektroautos dieser neuen Generation zusammenbauen, später will Auerswald die Kapazitäten erhöhen und den Schichtbetrieb ausbauen.

Weil Elektroauto einfacher zu bauen sind, sucht VW anderweitig Beschäftigung für Belegschaften

Hintergrund: Da der Produktionsaufwand für Elektroautos geringer ist als bei Fahrzeugen mit Otto- oder Dieselmotoren, braucht VW eigentlich weniger Leute, um die ID-Elektroautos der nächsten Generation zu bauen, die alle auf dem neuen „Modularen Elektro-Antriebs-Baukasten“ (MEB) basieren). Um Massenentlassungen zu vermeiden, setzt VW an vielen Standorten darauf, neue Geschäftsfelder aufzubauen, die für Beschäftigung sorgen.

Neuer Oberbürgermeister in Dresden: Dirk Hilbert. Foto: hilbert-fuer-dresden.de

Neuer Oberbürgermeister in Dresden: Dirk Hilbert. Foto: hilbert-fuer-dresden.de

Oberbürgermeister Hilbert: Produktionsstart des ID3 ist der nächste Meilenstein

„Der Produktionsstart des ID3 ist der nächste Meilenstein auf unserem gemeinsamen Weg“, begrüßte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) die VW-Weichenstellungen in Dresden. „Wir wollen Dresden zur Modellstadt für nachhaltige und integrierte urbane Mobilität entwickeln.“

Betriebsrat: Können auch andere ID-Autos in Dresden fertigen

Auch Manufaktur-Betriebsratsvorsitzender Thomas Aehlig unterstützt diesen Kurs: „Uns als Betriebsrat war und ist es sehr wichtig, weiterhin die Beschäftigung hier in Dresden zu sichern“, unterstrich er. „Von den neuen Geschäftsfeldern versprechen wir uns einen Mehrwert für die Marke und den Konzern. Technisch sind wir jetzt in der Lage, weitere MEB-Modelle in der Gläsernen Manufaktur zu fertigen.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: VW Sachsen, Oiger-Archiv

Zum Weiterlesen:

13. Dresdner Schülerlabor in VW-Manufaktur eröffnet

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