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Starker Ausbau der Chipproduktion erwartet

Blick in eine Chipfabrik vom Samsung. Die Koreaner gehören zu den Treibern in der Mikroelektronik-Industrie. Foto. Samsung

Blick in eine Chipfabrik vom Samsung. Die Koreaner gehören zu den Treibern in der Mikroelektronik-Industrie. Foto: Samsung

Vor allem in Korea und China werden laut IC Insight mehr neue Fabriken ans Netz gehen

Scottsdale/Dresden, 5. Januar 2020. Die globale Mikroelektronik-Industrie wird ihre Chipfabriken in den nächsten Jahren deutlich ausbauen. Davon gehen die Analysten vm Marktforschungs-Unternehmen „IC Insights“ aus Scottsdale in den USA aus.

Pro Jahr fast 6 % mehr Chipfabrik-Kapazitäten

Trotz der schwächelnden Weltwirtschaftslage rechnet „IC Insights“ damit, dass die Chipproduktion bis 2024 um 5,9 Prozent pro Jahr wachsen. Zum Vergleich: In den vergangenen fünf Jahren lag diese Rate nur bei 5,1 Prozent. Allein im neuen Jahr 2020 steigen die weltweiten Kapazitäten demnach um 17,9 Millionen Wafer pro Jahr – wobei hier kleinere und größere Siliziumscheiben auf die alte Standardgröße mit dem Durchmesser 200 Millimeter umgerechnet sind.

"IC Insights" prognostiziert einen stärkeren Kapazitätsausbau 2020 bis 2024. Abb.: IC Insights

“IC Insights” prognostiziert einen stärkeren Kapazitätsausbau 2020 bis 2024. Abb.: IC Insights

Nachfrage auch durch Wandel in der Autoindustrie

Die Nachfrage dürfte vor allem vom steigenden Elektronikbedarf in automatischen und autonom fahrenden Autos herrühren. Auch wird mehr Leistungselektronik für die Elektroautos gebraucht, die demnächst auf den Markt kommen. Auch der Energiesektor und die allgemeine Industrie sorgen für Chipnachfrage. Im Konsumelektronik-Sektor sind zwar die ganz starken Jahre des Tablet- und Smartphone-Marktes vorbei. Andererseits wollen Microsoft und Sony neue Spielekonsolen vorstellen, zudem müssen wohl weitere Nutzer ihre PCs von Windows 7 auf Windows 10 umstellen , was auch zu Hardware-Aufrüstungen führen kann. Auf steigende Chip-Nachfrage hofft die Mikroelektronik-Industrie weiterhin auch durch das Internet der Dinge, die Industrie 4.0, neue Produkte und den weiteren Modernierungsbedarf in Schwellenländern.

Auch China investiert weiter in die Aufholjagd

Bemerkenswert ist dabei, wo die Musike spielt: Vor allem die Koreaner, Chinesen und Taiwanesen werden ihre Kapazitäten erweitern. Beispielsweise werden wohl die koreanischen Unternehmen Samsung und SK Hynix sowie die chinesischen Anbieter YMTC/XMC, Huahong Grace neue Fabriken ans Netz bringen oder ihre bestehenden Chip-Werke aufrüsten. Angesichts starker Nachfrage zum Beispiel von AMD und anderen Auftraggebern ist auch von hohen Investitionen bei der weltweit größten Chip-Foundry TSMC in Taiwan zu rechnen.

Top-Fabriken stehen in Korea, Japan und Taiwan

In Asien kommen in der Mikroelektronik auch die Chiptechnologien mit dem stärksten Miniaturisierungs-Grad zum Einsatz. So haben die „IC Insights“-Analysten einmal alle bereits installierten Fabriken weltweit zusammengerechnet und geschaut, in welcher Region welche Chipgenerationen den größten Anteil haben. Ergebnis: Die neuesten Strukturklassen unter 20 Nanometern (Millionstel Millimeter) machen in Korea – wo unter anderem Samsung sitzt – über die Hälfte der gesamten Chipproduktion aus, nämlich 58 Prozent. Es folgen Japan mit 53 Prozent, Nordamerika (hier sitzt unter anderem Intel) mit 32 Prozent und Taiwan (u.a. TSMC und UMC) mit 30 Prozent.

Die Chips mit den feinsten Strukturen (dunkelblau) werden vor allem in Asien hergestellt. Europa spielt in diesem Sektor nur eine geringe Rolle. Grafik: IC Insights

Die Chips mit den feinsten Strukturen (dunkelblau) werden vor allem in Asien hergestellt. Europa spielt in diesem Sektor nur eine geringe Rolle. Grafik: IC Insights

Europa spielt in Spitzen-Nanoelektronik kaum noch eine Rolle

Europa spielt in dieser Spitzenklasse, die für die allerschnellsten Chips gebraucht wird, kaum eine Rolle: Hier liegt der Anteil der Chips unter 20 nm bei nur sieben Prozent. Fast die Hälfte der europäischen Chipproduktion – die ohnehin nur einen geringen Weltmarktanteil hat – sind demnach Chips mit Strukturbreiten von 200 Nanometern oder gröber.

Europäer setzen auf Spezialisierung

Allerdings ist gröber nicht automatisch gleich unmodern. Denn Infineon, Bosch, STM, Globalfoundries Dresden und andere europäische Halbleiterhersteller haben durchaus Spezialitäten, die ihnen in der Autoelektronik und anderen Teilsegmenten führende Positionen bescheren. Das erreichen sie beispielsweise durch spezielle Kupfertechnologien und Transistor-Architekturen, teils durch besondere Leistungs-Halbleiter. Viele von ihnen entwerfen zudem hochintegrierte Chips, lassen sie dann aber in Asien bei Auftragsfertigern (Foundries) produzieren. Zudem entstehen gelegentlich auch noch moderne Fabriken in Europa wie beispielsweise derzeit die 300-Millimeter-Chipfabrik von Bosch in Dresden.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IC Insights, Oiger-Archiv