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Die Welt schuldet China über fünf Billionen Dollar

Die welt steht bei China viel tiefer in der kreide als bisher angenommen. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt
Die Welt steht bei China viel tiefer in der Kreide als bisher angenommen. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Studie: Verschuldung der anderen Länder hat sich seit 2000 verzehnfacht

Kiel/Bejing, 1. Juli 2019. Der Einfluss und die Wirtschaftskraft von China sind womöglich größer als offiziell bekannt. Denn anscheinend stehen viel mehr Länder in größerem Umfang als bisher gedacht in der Schuld des Reichs der Mitte. Das liegt auch an vielen bisher unbekannten Direktkrediten, die China insbesondere Entwicklungsländern gibt. Dies geht aus einer Analyse des „Instituts für Weltwirtschaft“ (IfW) in Kiel, der Uni München und der Harvard University hervor.

Schuldenberg entspricht 6 % der Weltwirtschaftsleistung

Demnach schulden alle Länder zusammengerechnet den Chinesen über fünf Billionen US-Dollar. Das entspricht rund sechs Prozent der Weltwirtschaftsleistung. Ein Problem dabei: „Die Hälfte dieser Schulden sind intransparent vergeben“, schätzten die IfW-Forscher ein. „Daraus ergeben sich erhebliche Risiken für die Finanzstabilität.“

Tausende Kredite an 152 Länder ausgewertet

Für ihre Analyse hatten die Wissenschaftler Daten aus öffentlichen und nicht-öffentlichen Quellen für die vergangenen 60 Jahre untersucht. Sie werteten Tausende Kredite an insgesamt 152 Länder aus.

Direktkredite an Entwicklungs- und Schwellenländer

Dabei hat sich gezeigt, dass sich viele Länder in großen Tempo bei den Chinesen – und dort vor allem bei staatlichen Banken – verschulden. So haben sich die Verpflichtungen ausländischer Schuldner in China seit der Jahrtausendwende bis zum Jahr 2017 von 500 Milliarden auf fünf Billionen Dollar verzehnfacht. Einerseits hat die staatliche chinesische Zentralbank in erheblichem Umfang Staatsanleihen, unter anderem bei heutigen Handelskrieg-Gegner USA, aufgekauft. „Chinas Regierung vergibt aber auch immer größere Summen direkter Kredite, besonders an Entwicklungs- und Schwellenländer“, heißt es vom IfW. „China ist damit weltweit der größte staatliche Gläubiger und deutlich bedeutender als etwa der Internationale Währungsfonds (IWF) oder die Weltbank.“

Viele Kredite an Entwicklungsländer werden über undurchsichtige Kanäle vergeben

Und: Die Hälfte dieser chinesischen Kredite an Entwicklungs- und Schwellenländer tauchen nicht in offiziellen Statistiken auf. Zudem sichern die Chinesen die Rückzahlungen auch in Naturalien ab: Wer die Schulden nicht mehr bedienen kann, muss sie zum Beispiel in Erdöl abstottern.

Zum Weiterlesen:

Kommentar: Ist Chinas Kreditmacht ein Kolonialismus 2.0?

„Drastischer Anstieg“

„China war auch schon früher ein aktiver internationaler Geldgeber vor allem für kommunistische Bruderstaaten“ , betonte Christoph Trebesch, der im IfW die Forschung über internationale Finanzmärkte leitet. „Aber der jüngste drastische Anstieg ist historisch nur mit der US-Kreditvergabe in den beiden Weltkriegen vergleichbar. Er geht vor allem auf die starke Expansion der chinesischen Volkswirtschaft und die neue globale Ausrichtung des chinesischen Staates zurück.“

Autor: hw

Quelle: IfW Kiel

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger