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Wiege des Safrans gefunden

Blüte des Safran-Krokus mit drei orangefarbenen Fruchtblättern. Foto und Grafik: TUD/Sarah Breitenbach and FISH chromosome analysis

Blüte des Safran-Krokus mit drei orangefarbenen Fruchtblättern. Foto und Grafik: TUD/Sarah Breitenbach and FISH chromosome analysis

Dresdner Biologen identifizieren durch Gen-Analysen wilde Krokus-Arten aus Griechenland als Eltern des teuren Gewürzes

Dresden, 12. März 2019. Safran gilt als das teuerste Gewürz der Welt. Mit 30.000 Euro pro Kilogramm wird er oft teurer als Gold gehandelt. Durch genetische Analysen haben Dresdner Biologen nun ein altes Rätsel um dieses Gewürz gelöst: Sie haben herausgefunden, woher der Safran-Krokus, aus dessen Blüten das legendenumwobene gelbe Gewürz gewonnen wird, ursprünglich stammt. Die Eltern dieser Pflanze wuchsen demnach in Griechenland. Das hat nun die Technische Universität Dresden (TUD) mitgeteilt.

Jahrhundertelange Suche beendet

„Wir haben die Entstehung des Safran-Krokus nachvollzogen und die Elternarten mit molekularen und cytogenetischen Methoden aufgeklärt“, erklärte Professor Thomas Schmidt, der am TUD-Institut für Botanik den Lehrstuhl für Zell- und Molekularbiologie der Pflanzen leitet. Dafür hatten er und sein Team zunächst das Erbgut des Safran-Kokus entschlüsselt und dessen Chromosomen mit dem Erbgut von verschiedenen wilden Krokusarten verglichen. Schließlich landeten sie einen Treffer. Demnach stammt der heutige Safran-Krokus von der Krokus-Wildart „Crocus cartwrightianus“ ab, die in Griechenland vorkommt. „Diese Erkenntnisse schließen nun die jahrhundertelange Suche nach den Ursprüngen dieser mythisch aufgeladenen Pflanze ab“, schätzen die TUD-Biologen selbst sein.

Pflücker müssen 200 000 Blüten für ein Kilo ernten

Das berühmte gelbe Gewürz gewinnen Safran-Bauern im Mittelmeerraum, im Kaschmir, in Indien, Afghanistan, dem Iran und Pakistan aus der Blume „Crocus sativus“, die nur im Herbst blüht. Um nur ein Kilogramm Safran zu gewinnen, müssen die Landwirte 150 000 bis 200 000 Blüten von Hand ernten. Manuell müssen sie dann jeweils drei Blütenfäden isolieren und trocknen. Etwa 200 Tonnen an Safran-Fäden werden jährlich weltweit gewonnen. Zur Orientierung: Ein guter Pflücker kommt auf 60 bis 80 Gramm pro Tag.

Nun Neuzüchtung möglich?

Und obwohl Safran bereits seit über 3500 Jahren angebaut wird, ist es bisher niemandem gelungen, die Krokuspflanzen zu züchten. Daher stammen alle weltweit kultivierten Pflanzen nur aus Tochterknollen. Von daher haben die Genanalysen der Dresdner Biologen nicht nur historischen Wert, sondern womöglich auch einen ganz praktischen, geschmacklichen: Wer die Elternarten kennt, hat die Chance, Veränderungen durch Neuzüchtung in das Krokus-Genom einbringen, hieß es von der Uni.

Krokus-Anbau auch wieder in Dresden

Auch in Dresden sind übrigens wieder Safran-Bauern aktiv – nach jahrhundertelanger Unterbrechung ab 1570. „Die hiesigen Anbauer schwören auf die Qualität deutschen Safrans“, betonen die Biologen. Der Frost mache die Pflanzen robuster, die Blütenfäden damit aromatischer.

Reiche Römer pranzten mit Safran-Fäden auf dem Bett

Safran galt schon immer als ein ganz besonderes Gewürz, schon allein wegen seiner intensiven Farbe. Reiche Römer sollen Safranfäden auf ihre Hochzeitsbetten gestreut haben. Auch andere Völker setzten Safran in den vergangenen Jahrtausenden als Gewürz, Färbemittel oder zur Heilung von Rheuma und Trunksucht ein, repetieren die TUD-Forscher. Als Schmerzmittel habe es bei Geburten und Frauenleiden geholfen. Und laut altgriechischer Mythologie soll Göttervater Zeus auf einem Bett aus Safran geschlagen haben. Schweizer Handelsleute seien im „Safrankrieg von Balsthal“ im 14. Jahrhundert gar überfallen und ausgeraubt worden. Aufgrund seines Wertes werde gemahlener Safran oft durch Streckmittel wie Blütenstaub anderer Pflanzen „gefälscht“. Experten raten daher, nur ganzen Fäden zu kaufen.

Autor: Heiko Weckbrodt