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Im Geist der Kooperation: 25 Jahre Max Planck in Sachsen

Prof. Peter Fulde 2018 in seinem Arbeitszimmer im Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden. Foto. Heiko Weckbrodt

Prof. Peter Fulde 2018 in seinem Arbeitszimmer im Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden. Foto. Heiko Weckbrodt

Interview mit Prof. Peter Fulde, der das erste Planck-Institut in Sachsen mit aufgebaut hat

Das Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme (MPI-PKS) feiert heute ein rundes Jubiläum: Vor 25 Jahren gründete die Max-Planck-Gesellschaft mit dem PKS ihr erstes Institut in Sachsen. Der Physiker Prof. Peter Fulde baute dieses Institut ab 1993 in Dresden auf und leitete es bis 2007. Obwohl längst emeritiert, geht der heute 82-Jährige Senior-Forscher immer noch fast jeden Tag in sein Arbeitszimmer im Institut. DNN-Reporter Heiko Weckbrodt hat ihn ausfragt.

Wo steht die Dresdner Forschungslandschaft heute?

Peter Fulde: Die jüngste Exzellenzrunde der Universitäten hat deutlich gezeigt: Erstens gibt es immer noch ein großes Gefälle zwischen den Unis in West und Ost. Und zweitens: Dresden ragt da völlig heraus. Nur vier der 57 ausgewählten Exzellenzcluster liegen in den Neuen Bundesländern – und von denen sind wiederum drei in Dresden. Da die Hochschul-Qualität erfahrungsgemäß großen Einfluss auf die ökonomische Entwicklung eines Standortes hat, sehen ich sehr gute Perspektiven für die Hochtechnologie-Zukunft der Stadt.

Viele Beobachter sind überzeugt, dass Dresden und die TU viel den vielen außeruniversitären Instituten zu verdanken haben, die sich hier angesiedelt haben. Was gab für die Max-Planck-Gesellschaft vor 25 Jahren den Ausschlag, das PKS und dann weitere Einrichtungen in Dresden zu etablieren?

Dafür gab es mehrere Gründe. Dazu gehören die kluge Berufungspolitik an der TU Dresden und andere richtige Weichenstellungen der damals politisch Verantwortlichen in Sachsen. Damit meine ich vor allem den damaligen Wissenschaftsminister Hans Joachim Meyer und Ministerpräsident Kurt Biedenkopf. Aber auch die materialwissenschaftlichen Traditionen in Dresden, das Ansehen der TU und das bereits gegründete Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung spielten eine Rolle. Auch Jena war zunächst noch als Standort im Rennen. Aber Sachsen bot uns an, über die übliche hälftige Finanzierung der Planck-Institute durch Bund und Land hinaus auch Gästehäuser für Wissenschaftler von auswärts zu bauen. Das war uns besonders wichtig, weil unser Institut von Anfang an stark als eine Art Durchlauferhitzer für internationale Talente gedacht war. Außerdem hat Dresden einen Flughafen und ein reiches kulturelles Angebot – damit kann man leichter ausländische Forscher zu einem Gastaufenthalt animieren.

Die Anfänge waren recht spartanisch, habe ich gehört.

(Lacht): Ja, anfangs saßen wir in einer Baracke, bis der Neubau fertig war. Erst nach und nach sind die Computer und die Ausrüstung gekommen. Und da es damals schwierig war, in Dresden eine Wohnung zu bekommen, habe ich zunächst auf einer Matratze in der Baracke geschlafen.

War es unter den Umständen schwer, Wissenschaftler zum Wechsel in „den Osten“ zu überreden?

Ich habe mich seit jeher mit Dresden verbunden gefühlt, ich habe auch den Angriff 1945 hier erlebt. Daher hatte ich gar keine Bedenken, von Stuttgart nach Dresden zu wechseln. Und viele der jungen Forscher, die wir angesprochen haben, standen damals noch am Anfang ihrer Laufbahn. Sie haben den Wechsel nach Sachsen als Chance gesehen, vorwärtszukommen.

Instituts-Gründungen sind schön, nutzen aber nur wirklich etwas, wenn man auch etwas daraus macht. Ist das in Dresden gelungen?

Wir wollten von Anfang an, dass nicht nur aus den neuen Max-Planck-Instituten etwas Gutes wird, sondern dass der ganze Standort von den Ansiedlungen profitiert. Und das hat gut funktioniert, wenn ich mir die Wissenschaft in Dresden heute ansehen. Das liegt auch daran, dass die Uni und die außeruniversitären Forschungseinrichtungen hier eng kooperieren, sowohl institutionell über „Dresden Concept“ wie auch zwischen den einzelnen Wissenschaftlern.

Wo sehen Sie Nachholebedarf?

Womöglich sollten wir uns in Zukunft stärker darauf konzentrieren, das Niveau neu immatrikulierter Studenten zu erhöhen, statt deren Zahl weiter wachsen zu lassen’’. Ein Problem ist und bleibt zudem die Verkehrsanbindung: Es gibt zu wenige internationale Flüge nach Dresden, aber auch die Zugverbindungen nach Berlin, Polen oder Tschechien sind verbesserungswürdig.

Was sind aus ihrer Sicht die wissenschaftlichen Trendthemen für die nächste Zukunft?

Ich denke, die Zeit ist jetzt reif, Physik und Biologie vollends zu verbinden. Im jüngsten TU-Cluster zur „Physik des Lebens“ beispielsweise sehe ich viel Potenzial.