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Geplante Digitalreform des Urheberrechts bleibt umstritten

Die Bibliotheken wollen verwaiste und vergriffene Bücher endlich digitalieren dürfen. Abb.: Tom , Wikipedia; Montage: hw

Die Bibliotheken wollen verwaiste und vergriffene Bücher endlich digitalieren dürfen. Abb.: Tom , Wikipedia; Montage: hw

Verleger: Digitalisierung vergriffener Bücher okay, Zweitveröffentlichungsrecht wäre Enteignung

Frankfurt am Main, 7. März 2013: Der “Börsenverein des Deutschen Buchhandels” in Frankfurt am Main hat einer Reform des Urheberrechts für die Herausforderungen des Digitalzeitalters teilweise zugestimmt. Allerdings sind die Verlagsvertreter strikt gegen ein Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler, wie er im aktuellen Referentenentwurf des Justizministeriums vorgesehen ist. Dies laufe auf „eine entschädigungslose Enteignung der Leistungen deutscher Verlage hinaus“.

Der Reformentwurf sieht unter anderem vor, dass öffentliche Bibliotheken und Archive vergriffene und verwaiste Bücher digitalisieren dürfen, wenn sie sorgfältig geprüft haben, dass es keine lebenden Rechteinhaber mehr gibt beziehungsweise diese nichts gegen solche Kopien einzuwenden haben. Die Bibliotheken sollen dafür eine angemessene Entschädigung an Verwertungsgesellschaften wie die VG Wort einzahlen. Mit dieser Regelung wäre auch der Börsenverein einverstanden.

Wissenschaftliche Publikationen für viele Bibliotheken zu teuer

Dagegen halten die Verlage nichts davon, dass Wissenschaftler, deren Forschungsarbeit mindestens zur Hälfte vom Staat bezahlt wurde – wie es zum Beispiel in Unis meist der Fall ist -, ihre Aufsätze nach zwölf Monaten beliebig an anderen Stellen veröffentlichen wollen. Das Justizministerium verweist allerdings darauf, dass Wissenschaftsverlage wegen ihrer oft monopolähnlichen Position teils exorbitante Preise für Spezialjournale verlangen, die viele Bibliotheken nicht bezahlen können. In der Wissenschaftsgemeinde wird jedoch das Prinzip „Die Information ist frei“ höher gewichtet als in anderen gesellschaftlichen Sphären. Zudem haben die Forscher selbst eher Interesse an einem freien Zugang zu ihren Arbeiten, damit sie oft zitiert werden. Heiko Weckbrodt

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