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Terror-Feliks, Stasi-LPs und ein verschollenes Flugzeug

Die Schauvitrine zeigt die Infrarot-Detektoren, die einst die Stasi-Zentrale an der Bautzner Straße sicherten, Foto; Heiko Weckbrodt

Die Schauvitrine zeigt die Infrarot-Detektoren, die einst die Stasi-Zentrale an der Bautzner Straße sicherten, Foto; Heiko Weckbrodt

Ein Vierteljahrhundert nach der Wende sind originale Stasi-Devotionalien in Dresden rar geworden

Dresden, 22. Januar 2014: Nach einem Generalumbau und mehreren Verzögerungen wird die erneuerte Gedenkstätte „Bautzner Straße“ in der ehemaligen Dresdner Stasi-Bezirksverwaltung voraussichtlich im Mai wiedereröffnet, wie Herbert Wagner – Dresdner Ex-Oberbürgermeister und nun Vorsitzender des Trägervereins der Gedenkstätte, auf Anfrage bestärigte. Doch sein Plan, dort neben der „Opferperspektive“ im Hafthaus nun auch die „Täterperspektive“ zu zeigen, hakt noch. Denn 25 Jahre nach der Erstürmung der Dresdner MfS-Bezirksverwaltung sind Stasi-Devotionalien und -Equipment beliebte Ausstellungs-Exponate – allerdings auch rar geworden: Die Stücke aus dem stasi-eigenem Traditionskabinett an der Fischhausstraße sind auf mysteriöse Weise verschollen. Auch ein Aufruf der Gedenkstätte „Bautzner Straße“ an ehemalige Demonstranten, mitgenommene MfS-„Souvenirs“ im Museum abzuliefern, verhallte weitgehend ohne Erfolg. Die verbliebenen Stücke aus dem Stasi-Fundus hütet Konrad Felber, der Dresdner Außenstellenleiter der Stasi-Unterlagenbehörde BStU, nun wie seinen Aufapfel.

Außen Bronze, innen Kunststoff: Büste von Feliks Dzierżyński. Foto: Heiko Weckbrodt

Außen Bronze, innen Kunststoff: Büste von Feliks Dzierżyński. Foto: Heiko Weckbrodt

Musische Agenten-Aufmunterung: „Unser Singen muss ein Kämpfen sein“

Wie zu DDR-Zeiten üblich, reichte es selbst für den Gründer des sowjetischen Geheimdienstes nur für ein Surrogat: Feliks Edmundowitsch Dzierżyński blickt wachsam-finster vom Stahlregal herunter auf die unbefugten Besucher, die in das tschekistische Aktenlager des BStU an der Riesaser Straße eingedrungen sind. Der Gründer des sowjetischen Geheimdienstes Tscheka (alias KGB) und Staatsterrorist von bolschewistischen Gnaden wirkt verstimmt, dass seine Büste nur nach Kupfer aussieht, in Wirklichkeit lediglich schnöder Kunststoff ist – was man sich unter Stasi-Generälen vor 1989 eben so gegenseitig als Andenkenkitsch geschenkt hat. Gleich daneben sinniert Lenin in Gips. Ein Fach tiefer intonieren zackig uniformierte Musikteschekisten auf einer ollen Langspielplatte „Unser Singen muss ein Kämpfen sein“. Dazwischen finden sich Stasi-Wimpel, ein vergessener Stahlhelm, Abhör-Wanzen und Tontechnik, von der man nur erahnen kann, bei welchen Verhören sie wohl verwendet wurden.

Dienstzimmer des Stasi-Generals wird rekonstruiert

BStU-Außenstellenleiter Konrad Felber zeigt die Stasi-LP "Unser Singen muss ein Kämpfen sein". Foto: Heiko Weckbrodt

BStU-Außenstellenleiter Konrad Felber zeigt die Stasi-LP „Unser Singen muss ein Kämpfen sein“. Foto: Heiko Weckbrodt

„Viel ist nicht übrig geblieben“, räumt Felber ein, der die Dresdner Außenstelle des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen (BStU) leitet. Ein paar Dutzend Exponate sind aus der stürmischen Wendezeit bis in die BStU-Archive gelangt, vom Dezember 1989, als erboste Dresdner die Stasi-Zentrale oben an der Bautzner Straße stürmten und dabei mutmaßlich viele Devotionalien mitgehen ließen. Auf die wäre auch die jetzt dort etablierte Gedenkstätte scharf, will sie doch nach Um- und Ausbau eine ständige Ausstellung in den früheren MfS-Büros etablieren und auch das frühere Büro des Dresdner Stasi-Generalmajors Horst Böhm nachbauen. Möglichst originalgetreu, um neben die „Opferperspektive“ des Hafthauses die „Täterperspektive“ im ostdeutschen Unterdrückungsapparat stellen zu können.

Rückgabe-Appell fand wenig Echo

Zurückgegeben: Ehrenplakette der Dresdner MfS-Bezirksverwaltung aus Meißner Porzellan, Foto: Gedenkstätte Bautzner Straße

Zurückgegeben: Ehrenplakette der Dresdner MfS-Bezirksverwaltung aus
Meißner Porzellan, Foto: Gedenkstätte Bautzner Straße

Nach mehreren Verschiebungen wird die erneuerte Gedenkstätte wohl im Mai Wiedereröffnung feiern. Doch der Aufruf von Ex-Oberbürgermeister und Trägervereins-Chef Herbert Wagner, der im vergangenen Herbst an die Dresdner appellierte, den Stasi-Kram zurückzugeben, verlief weitgehend im Sande. „Wir haben einige Sachen bekommen, zum Beispiel einen ganzen Karton mit DDR-Literatur und eine Replik der Lampe aus Böhms Büro, doch Originalstücke leider nicht“, teilte Zeitzeugen-Betreuerin Katrin Thiel von der Gedenkstätte mit. Immerhin hat ihr Chef Wagner inzwischen eine Richard-Sorge-Ehrenplakette der Stasi aus Meißner Porzellan wiederbekommen, auch ein paar Urkunden.

„Scheiß BFC!“ – auch beschlagnahmte Plakate im Archiv

BStU-Außenstellenleiter Felber zeigte sich derweil zwar bereit, dem Museum einige Doubletten zur Verfügung zu stellen. Aber viele sind Einzelstücke, die untrennbar zu den Akten gehören. Gegenstände zum Beispiel, die die Tschekisten seinerzeit von aufsässigen Bürgern beschlagnahmt hatten: Das selbstgebastelte Plakat eines Fußball-Fans mit der Aufschrift „Scheiß BFC!“zum Beispiel landete in der MfS-Asservatenkammer, ebenso eine selbstgenähte USA-Fahne.

Stasi-Devotionalien mutmaßlich ans Armeemuseum abgeliefert

Der Dresdner Stasi-General Horst Böhm bei einer Schul-Weihung. Repro: Heiko Weckbrodt

Der Dresdner Stasi-General Horst Böhm bei einer Schul-Weihung. Repro: Heiko Weckbrodt

Ein Großteil des Stasi-Kitsches hingegen, an dem sich die Geheimdienstler einst weideten, ist verschollen: Laut der Dresdner BStU-Archivverantwortlichen Ilona Rau hatte die Dresdner MfS-Bezirksverwaltung ein eigenes „Traditionskabinett“ an der nahen Fischhausstraße, durch das die Schlapphüte ausgewählte Pioniere gelegentlich führten. Als recht sicher gilt, dass dort auch das selbstgebaute Flugzeug deponiert war, mit dem der Dresdner Michael Schlosser 1983 in den Westen abhauen wollte, bis er durch Verrat aufflog.

Nach einem Einbruchsversuch seien die Exponate aus diesem Traditionskabinett Ende Februar oder Anfang März 1990 von Peter Schröter vom Dresdner Bürgerkomitee an einen Herrn Turra im damaligen Armeemuseum übergeben worden, so Rau und Felber. Doch als der BStU 1994 später die Stücke zurück haben wollte, konnte sich niemand mehr daran erinnern.

Heutiges Museum weiß nichts davon

Den Verbleib heute noch zu ermitteln, dürfte schwierig sein: „Wir haben überall herumgefragt, aber uns liegen keine Erkenntnisse vor, dass wir diesen Bestand jemals übernommen haben“, teilte Major Alexander Georgi, Sprecher des Militärhistorischen Museums, auf Anfrage mit. Autor: Heiko Weckbrodt

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