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Mit der „Reflow“-Technologie Notebooks wieder flott machen

Ab in den Backofen - freilich sollte man möglichst nur die Platine erwärmen. Foto: hw

Ab in den Backofen! Das Notebook im Ganzen haben wir freilich nur um den Schauwertes willen in den Herd gesteckt. Beim „Reflow“ wird die Platine azsgebaut und nur sie erwärmt. Foto: hw

Stürzt das bisher so zuverlässige Notebook daheim aus unerfindlichen Gründen immer wieder ab? Startet es nur noch mit unentwirrbarem Grafiksalat auf dem Bildschirm? Ein Grund dafür kann sein, dass sich beispielsweise durch Temperaturschwankungen über einen längeren Betriebszeitraum hinweg Haarrisse in den elektrischen Verbindungen (meist Zinnlegierungs-Lot) zwischen dem Haupt- beziehungsweise Grafik-Prozessor und der Hauptplatine (Mainboard) gebildet haben. Dieses Problem tritt insbesondere bei älteren Notebooks auf, die in einer Zeit hergestellt wurden, als die Industrie auf neue Lötverfahren umstellte und den Prozess noch nicht 100-prozentig im Griff hatte.

Vor kurzem berichtete mir ein Freund von einer Möglichkeit, wie man derart beschädigte Notebooks wieder zum Laufen bekommen kann. Er sprach dabei von der „Reflow“-Technologie („wieder zum Fließen bringen“), bei der man Prozessoren wieder fest mit dem Mainboard verankert. Jedoch gab er mir auch noch einen wichtigen Hinweis: Man sollte sich nur an dieses Vorhaben wagen, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Hier seine wichtigen Infos zum „Reflow“-Löten.

„Reflow“-Technologie – Was verbirgt sich dahinter?

Beim „Reflow“-Löten wird das Lot, welches sich zwischen Prozessor und Mainboard in einem Notebook befindet, erneut erhitzt und verflüssigt. Dadurch können Risse geschlossen werden, die Ursache für Fehlfunktionen des Notebooks sein können. Diese Risse entstehen durch die Temperaturschwankungen, denen ein Notebook im Gebrauch ausgesetzt ist.

Woher weiß ich, ob mir „Reflow“ helfen kann?
Materialermüdung kann zu Mikrofrakturen - und damit elektrischen Signalproblemen - in den Lotverbindungen zwischen Chip und Platine führen. Foto: hw

Materialermüdung kann zu Mikrofrakturen – und damit elektrischen Signalproblemen – in den Lotverbindungen zwischen Chip und Platine führen. Foto: hw

Ob man mit dem „Reflow“-Löten einen Notebook wieder flott machen kann, weiß man vorher nicht. Dass feine Risse im Lot für die Fehlfunktionen des Notebooks verantwortlich sind, ist zudem sehr schwer festzustellen. Es gibt einfach keine eindeutige Fehlermeldung, bei der man hundertprozentig weiß, es liegt an den Rissen im Lot.

Wenn man aber alle anderen Fehlerquellen ausschließen konnte, weil der Rechner ständig abstürzt oder sich Programme aus unersichtlichen Gründen aufhängen oder der Rechner auf einmal nicht mehr startet, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Haarrisse im Lot dafür verantwortlich sind. Am Ende hilft aber immer nur eins: Man muss das „Reflow“-Löten ausprobieren, um sicher zu sein.

Wie funktioniert die „Reflow“-Technologie?

Um ein defektes Notebook mit „Reflow“-Löten zu reparieren, sollte man sich zuerst die zahlreichen Videos bei „YouTube“ zu dem Thema ansehen. In diesen werden die verschiedenen Probleme erörtert, die auftreten können. Der schlimmste Fall, der eintreten kann, ist, man zerstört eines der wichtigen Bauteile oder Halterungen auf dem Mainboard und kann das Notebook danach nicht mehr reparieren. Das Abschrauben aller wichtigen Plastikteile oder das Einpacken dieser Teile in Alufolie ist deswegen dringendst anzuraten.

Es gibt zwei Möglichkeiten, das Lot wieder zu verflüssigen. Benötigt werden dafür Temperaturen zwischen 200 und 300 Grad. In der einen Variante kann man den Notebook in den Backofen legen und bei hoher Temperatur versuchen, das Lot zum Schmelzen zu bringen. In der zweiten Variante erwärmt man mit einer Heißluftpistole das Lot. Der Vorteil dieser Methode ist, man muss nur die unmittelbar umliegenden Bauteile und Halterungen vor der Hitze schützen.

Youtube Video von 077I über das Reflow-Löten:

Welche Ergebnisse sind erzielbar?

Nach den Erfahrungen von meinem Freund kann man mit der „Reflow“-Technologie Notebooks wieder zum Laufen bekommen. Im besten Fall laufen diese Notebooks anschließend wieder ein paar Jahre reibungslos. Sollten das „Reflow“ nicht hundertprozentig funktioniert haben, kann es aber auch geschehen, dass man bereits nach einem Monat erneut das Lot erwärmen darf. Im ungünstigsten Fall jedoch ist der Notebook nach der versuchten Reparatur reif für den Schrott.

Für wen eignet sich die „Reflow“-Technologie?

Die „Reflow“-Technologie eignet sich vor allem für Bastler und Tüftler. Allen anderen rät mein Freund von dieser Reparatur ab. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Man sollte die Reparatur als Liebhaberei betrachten. Und wenn man schon mal Lust darauf verspürte, ein Notebook komplett zu zerlegen, ist dies der perfekte Zeitpunkt.

Ronny Siegel

 

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Über sich selber etwas zu schreiben ist wohl eines der schwierigsten Dinge. Ich versuche es trotzdem. Mein Name ist Ronny Siegel. Auf Computer-Oiger blogge ich über Software und Filme. Mehr über mich findest du auf meiner Google+ Seite. In diesem Sinne "Kreise mich ein", wenn du mehr erfahren möchtest ;)

3 Kommentare

  1. Ingolf sagt

    Über Reflow die Funktion der Graka wieder herzustellen ist sehr umstritten, es kann funktionieren aber auch nicht ! Hier ist der Austausch der Graka / Mainboard viel günstiger als man denkt. Das Risiko ist viel kleiner. Der Kostenaufwand gering, wenn das Gerät nicht zu Alt ist (4-6 Jahre Nutzungsdauer ist das Optimum) länger ist Spitze. Leider glaube viele das diese Laptops/Notebooks sehr lange halten, was vom Hersteller leider nicht gewollt ist. Das Ziel ist 24 Monate überstehen, der Kunde kauft ein neues Gerät. Sollbruchstellen wird das genannt und die Graka ist eine in jeden PC

  2. pirat sagt

    Also ich habe sehr erfolgreich auf diese Art & Weise meine Laptop-Grafikkarte 7950GTX (Gebrauchtpreis ca. 500€) wieder zum Funktionieren gebracht.
    Ich habe sie 20 Minuten bei 180° ohne Umluft im Herd „gebacken“. Wichtig ist hierbei sie, nachdem man den Herd abgeschaltet hat, nicht aus dem Herd rauszunehmen sondern sie langsam im Herd abkühlen lassen.
    Wenn man Platinen reflowt sollte auch darauf geachtet werden dass sich keine Elkos (mehr) draufbefinden da diese ja bereits bei ca. 105°C explodieren.
    Faustregel ist wohl je höher man die Temperatur bei Reflow wählt desto länger hält der Reparatureffekt an. Höher als 200°C würde ich aber aus Sicherheitsgründen (schmelzendes Plastik etc.) nicht gehen.

    • @pirat: Du hattest unverschämtes Glück und einen Backofen mit einer gewissen Temperaturtoleranz 😉

      Zunächst ist der Schmelzpunkt von PbSn-Lötzinn mindestens 183 Grad – das trifft für die neueren bleifreien nicht mehr zu, da darfst Du -je nach Lot- gut über 200 Grad gehen und die Schmelztemperatur muss ja nicht nur erreicht, sondern leicht überschritten werden für ein gleichmässiges, längerfristig haltbares Ergebnis. Lieber heisser und kürzer als kühler und länger. Eine Hightech-Multilayerplatine ist kein Schweinebraten.

      Insofern sind 20 min schon eine brutal lange Zeit – die Hälfte ist schon fast zuviel. Brät man das Lötzinn zu lange, wird es noch spröder und damit weniger haltbar. Hier sollte man einigermassen auf den Punkt genau arbeiten.

      Das mit den Elkos sollte man nicht so eng sehen. Erstens kann man nicht immer alle wegmachen, zweitens bezieht sich der Aufdruck „105°“ nicht auf die Aussentemperatur, drittens sind andere Bauteile (insbesondere Silizium) mindestens so empfindlich und vertragen längeres Braten >150° überhaupt nicht gut. Guck mal in die Chip-Spezifikationen von CPUs und GPUs: Bei den meisten Prozessoren ist ab ca 100 Grad Kerntemperatur oft schon dauerhaft Feierabend. Dass manche im nicht-stromführenden Zustand den Reflow verkraften können steht ausser Frage, schliesslich müssen sie ja auch mal bei der Herstellung grundverlötet werden, was allerdings mit etwas mehr Know-How und einem teuren und präzisen Maschinenpark funktioniert als der Bastler üblicherweise zuhause hat. Aber nicht zu arg treiben; die Hersteller halten das aus gutem Grund auch so heiss und kurz wie nur möglich.

      Das Thema ist komplex und von vielen Faktoren abhängig.

      Also: Glück gehabt. Diesmal 😉

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