HalbleiterindustrieNewszAufi

Finanzierung für FMC-Chipfabrik in Magdeburg weiter offen

Hochtechnologie im Altindustrie-Design: Die Mikroelektronik-Firma FMC residiert seit 2022 im Industriegelände in Dresden-Nord. Foto: Heiko Weckbrodt
Die Mikroelektronik-Firma FMC residiert seit 2022 im Industriegelände in Dresden-Nord. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresdner Unternehmen will große Speicher-Fab bauen

Dresden/Magdeburg, 20. Januar 2026. Auf der Geldsuche für seine geplante Speicherchip-Fabrik in Magdeburg hat das Dresdner Mikroelektronik-Unternehmen „FMC“ bisher keine Fortschritte zu vermelden. „Die Umsetzung des Bauvorhabens steht weiterhin unter dem Vorbehalt der Finanzierung und weiterer behördlicher Genehmigungen“, teilte ein Firmensprecher mit. „FMC hat in diesem Kontext Fördermittel beantragt.“ Zu weiteren Details könne er derzeit nichts sagen.

Wirtschaftsministerium hält sich bedeckt

Ähnlich bedeckt gibt sich auch das sachsen-anhaltinische Wirtschaftsministerium: Die Behörde wolle sich „zu einzelnen Ansiedlungsvorhaben auch vor dem Hintergrund getroffener Verschwiegenheitsvereinbarungen nicht äußern“.

(Aktualisierung): FMC will Speicherfabrik über ein Gemeinschaftsunternehmen bauen

Um die Chipfabrik bauen zu können, hat FMC bereits im Januar 2025 beim Bundeswirtschaftsministerium um Fördermittel nach dem „European Chips Act“ (ECA), also dem europäischen Chipgesetz beworben. „Ziel des Vorhabens ist der Aufbau einer hochmodernen Speicherfertigung in Deutschland im Rahmen eines Joint Ventures“, teilt Sprecherin Luisa-Maria Spoo vom Bundeswirtschaftsministerium in Berlin auf Oiger-Anfrage mit. Das heißt, FMC will die Fabrik zusammen mit anderen Partnern als Gemeinschaftsunternehmen realisieren – einen ähnlichen Weg hat auch TSMC für seine erste europäische Chipfabrik in Dresden eingeschlagen. „Als Standort wurde Magdeburg ausgewählt“, betonte Spoo. „Mit dem Projekt soll erstmals seit längerer Zeit wieder eine Speicherproduktion in Europa etabliert werden und damit ein Beitrag zur technologischen Leistungsfähigkeit und Resilienz des Standorts Deutschland geleistet werden.“

Einzigartige Technologie – aber bisher kein Massenprodukt

Hintergrund: FMC verfügt über eine weltweit weitgehend einzigartige Technologie, um ferroelektrische Speicherschaltkreise auf Hafniumbasis herzustellen. Die Basis dafür legte einst der deutsche Speicherchipkonzern „Qimonda“. Nach dessen Pleite entwickelte die TU Dresden die Technologie weiter, 2016 entstand daraus die Ausgründung FMC.

Sabine Kolodinski und Guido Überreiter zeigen im FMC-Hauptsitz in Dresden einen Wafer mit den neuen merkfähigen Speicherchips. Foto: Heiko Weckbrodt
Sabine Kolodinski und Guido Überreiter zeigen im FMC-Hauptsitz in Dresden einen Wafer mit den neuen merkfähigen Speicherchips. Foto: Heiko Weckbrodt

Deren Chips arbeiten ähnlich schnell wie dRAM-Speicher, können sich aber Daten auch ohne ständige Auffrischung durch Stromimpulse merken. Letzteres beherrschen zwar auch NAND-Flash-Speicher, wie sie beispielsweise in Chip-Festplatten stecken. Doch die Flash-Schaltkreise lassen sich nur schwer verkleinern, zudem sind sie nicht besonders schnell. Insofern will FMC mit seiner Technologie die Vorteile beider Speicherwelten vereinen: schnell, skalierbar und geringer Stromverbrauch.

Milliarden-Investition anstelle von Intel im Sülzetal

Bisher lässt FMC kleinere Mengen dieser neuen Chips bei Auftragsfertigern herstellen, plant aber auch eine eigene Mega-Fabrik in Magdeburg – dort, wo eigentlich Intel bauen wollte. Genaue Angaben zu Investitionen, Finanzierung, Jobs und Zeitplänen machte das Unternehmen derzeit nicht. Laut Handelsblatt geht es aber um drei Milliarden Euro, von denen FMC die Hälfte als Chipgesetz-Subvention von Bund und Land haben will. „Das Projekt befindet sich noch in der Prüfung“, heißt es dazu aus Berlin. Die Frage ist vor allem, ob und wie das vergleichsweise kleine Dresdner Unternehmen bei vermutlich überschaubaren eigenen Einnahmen die restlichen anderthalb Milliarden Euro herbekommen soll.

In Magdeburg regen sich derweil Sorgen von Bürgern, ob daraus etwas wird, wie sinnvoll das Projekt nach dem Intel-Debakel überhaupt ist und – die Diskussion gibt es auch in Dresden mit Blick auf die Großinvestitionen von TSMC, Infineon & Co. – ob solch eine Ansiedlung womöglich die Mietpreise in der Stadt hochtreibt. Und: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wie auch die neue Mikroelektronik-Strategie des Bundes positionieren sich deutlich zurückhaltender mit Blick auf Subventionen für große Chipfabriken als früher.

FMC: Europa braucht diese Technologie

FMC beteuert aber auf Oiger-Anfrage ausdrücklich, man plane „weiterhin die Errichtung einer Speicherchipfabrik in Sülzetal bei Magdeburg“. „Ziel des Vorhabens ist es, europäische Produktionskapazitäten für die Versorgung der Industrie mit systemkritischen Speicherchips aufzubauen“, betont ein Sprecher. „Europa braucht die innovative DRAM+ Speichertechnologie und eigene DRAM Produktionskapazitäten, denn es ist heute vollständig vom Ausland abhängig.“ Aus dem Wirtschaftsministerium in Magdeburg heißt es dazu aber eher allgemein: „Das Land und die von ihr beauftragte landeseigene Investitions- und Marketinggesellschaft (IMG) bearbeiten derzeit eine ganze Reihe von Ansiedlungsprojekten unterschiedlichster Branchen auch international tätiger Unternehmen.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: FMC, Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger