Sachsens Handwerker ernüchtert: Herbst- und Merz-Belebung fällt aus

Handwerkskammer-Umfrage diagnostiziert gedämpftes Geschäftsklima
Dresden, 21. Oktober 2025. Nicht nur in der sächsischen Industrie, auch im Handwerk macht sich Ernüchterung breit: Hatten viele Meister nach dem Regierungswechsel in Berlin noch auf rasche Aufschwungsignale gehofft, ist die Stimmung in den Unternehmen längst wieder „gedrückt“, wie die Handwerkskammer (HWK) Dresden berichtet: Der HWK-Geschäftsklimaindex ist gegenüber dem Frühjahr um vier Punkte auf 103 gefallen.
„Ein Aufschwung ist weiter nicht in Sicht.“
Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski von der HWK Dresden
„Die Herbstbelebung ist zum wiederholten Male ausgefallen“, resümiert HWK-Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski. „Ein Aufschwung ist weiter nicht in Sicht. Stattdessen ist die Stimmung gedrückt. Denn seit drei Jahren dümpelt die wirtschaftliche Entwicklung dahin. Es ist eine Seitwärtsbewegung entstanden ohne Dynamik.“ Ähnlich hatten sich zuvor bereits die Industrie- und Handelskammern Dresden, Chemnitz und Leipzig in einer gemeinsamen Erklärung geäußert.
Deutsche Wirtschaft seit später Merkel-Ära und Ampel-Zeit in der Dauerkrise
Gemeint ist damit die wirtschaftliche Multikrise, die bereits in der späten Merkel-Ära eingesetzt hatte, sich durch Corona, Trumps Wirtschaftskriege, den russischen Angriff auf die Ukraine, Mindestlohnsprünge, Energieverteuerung, Ampel-Politik und eine fortlaufende Verschlechterung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit peu à peu verschärft hat. Dies trifft einerseits exportorientierte sächsische Branchen wie den Automobilbau, Metall- und Maschinenbau sowie teilweise auch die Mikroelektronik, aber eben auch binnenmarkt-orientierte Unternehmen etwa im Handwerk.
Umsätze und Belegschaften schrumpfen, zu wenig Aufträge
Konkret berichten die HWK-Mitgliedsunternehmen in Dresden und Ostsachsen in der Herbst-Konjunkturumfrage über sinkende Umsätze und schwach gefüllte Auftragsbücher: „27 Prozent der Befragten melden gesunkene Umsätze, während nur 13 Prozent mehr Umsatz gemacht haben – die Umsatzentwicklung ist also weiterhin im Saldo negativ“, heißt es von der Kammer. „Auch die Auftragsentwicklung ist im Saldo deutlich negativ: 31 Prozent der Betriebe mit rückläufigen Auftragseingängen stehen nur 10 Prozent mit steigender Nachfrage gegenüber.“ Gering ist auch die Investitionsbereitschaft der Betriebe, auch die Belegschaften schrumpfen.
Merz-Hoffnung verpufft
Nach dem Wechsel von der grünroten Ampel zur rot-schwarzen Merz-Regierung in Berlin hatten viele Meister noch gehofft, dass die ausufernde Bürokratie in Deutschland endlich spürbar abgebaut werden, die Energiepreise und Abgabenlast sinken, Staatsausgaben im Zuge des Billionen-Schuldenpakets sowie Entlastungen für die Verbraucher neue Nachfrageimpulse erzeugen und die neue Regierung andere altbekannte Baustellen der deutschen Wirtschaftsschwäche angeht. Doch bisher halten sich die Effekte in der Praxis in engen Grenzen – das drückt auch rein psychologisch die Stimmung in der Unternehmerschaft.
Kammerpräsident Dittrich: Bloß kein „Weiter so“!
„Ein Weiter-so darf es nicht geben“, warnt HWK-Präsident Jörg Dittrich. „Nötig sind jetzt spürbare Veränderungen. Es braucht Entscheidungen, die rasch im Alltag der Unternehmen ankommen und die Betriebe spürbar entlasten: bei Bürokratie, Energiepreisen, Sozialabgaben. Wer jetzt nicht handelt, gefährdet nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch das Vertrauen der Betriebe in die politische Handlungsfähigkeit.“
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: HWK DD, Oiger-Archiv

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