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Sachsens schwächelnde Stahlindustrie fordert mehr Subventionen und Abwehrzölle

Foto: Gruppe Feralpi
Foto: Gruppe Feralpi

Stahlgipfel in Freital: Branche im Abwärtssog sieht sich als Vorbild für erfolgreiche Transformation

Freital, 21. Oktober 2025. Obwohl sie international kaum noch wettbewerbsfähig sind und unter starkem wirtschaftlichen Druck stehen, glauben Vertreter aus der sächsischen Stahlindustrie, auf dem richtigen Weg zu sein, wenn sie mit teuren deutschen Strom sogenannten „grünen“ Stahl hochpreisig erzeugen. Um diesen Pfad weiterzugehen, fordern sie nun weitere Subventionen vom Staat und protektionistische Schutzzölle, der den preiswerten chinesischen Stahl von deutschen Maschinen und Baustellen fernhalten soll. Das haben sich Politiker, Gewerkschafter und Stahlwerk-Manager beim vierten „sächsischen Stahlgipfel“ im Stahlwerk Freital zurechtgelegt.

„Energieintensive Industrien benötigen eine dauerhafte Netzentgeltdeckelung“, meint beispielsweise der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD). „Eine Kombination aus weiteren Maßnahmen, wie die schnelle Einführung eines Industriestrompreises und eine auf die Bedürfnisse der Unternehmen angepasste Verlängerung der Strompreiskompensation, sehe ich als dringend erforderlich an.“

In der Praxis ist die deutsche Stahlproduktion wegen umstrittener Weichenstellungen rückläufig. Laut „Wirtschaftsvereinigung Stahl“ sank die Rohstahlgewinnung von Januar bis August 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um nahezu zwölf Prozent. Nach unserer Einschätzung sind daran zahlreiche, vor allem politische Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre schuld: immer höherer Abgabenlast, bürokratische Berichtspflichten , Energieverknappung durch die fast zeitgleiche Abschaltung von Atom- und Kohlekraftwerken, Produktionsverteuerung durch CO2-Zertifikate, Druck zur Ablöse von Koks und Gas bei der Stahlproduktion zu Gunsten von teurem Strom und kaum verfügbarem Wasserstoff sowie weitere Faktoren. Selbst die Stahlgipfel-Delegierten räumen ein: Die Produktion von europäischem grünen emissionsarmen Stahl gerät ins Wanken. Dennoch glauben sie, dass „Sachsens Stahlwerke zeigen, wie Transformation geht“.

Weil dies aber unter marktwirtschaftlichen Bedingungen offensichtlich nicht funktioniert, wünschen sich Manager, Politiker und Gewerkschafter unisono staatliche Eingriffe, darunter:

Eine Verlängerung der „Strompreiskompensationen“, also der Beihilfen für besonders energiehungrige Unternehmen beim CO2-Emissionshandel

Einen „Industriestrompreis“, also subventionierte Strompreise für eben diese besonders energiehungrigen Unternehmen

Eine Deckelung der Netzentgelte

Noch mehr (indirekt bezuschusste) Solar- und Windkraftanlagen

Protektionistische Abwehrzölle gegen preiswerten Stahl aus dem Ausland („Außenhandelsschutzmaßnahmen (z. B. wirksame Begrenzung der Importe auf ein für die Unternehmen tragfähiges Niveau durch ein WTO-konformes Zollkontingentsystem)“

Noch mehr CO2-Abwehrzölle gegen Nicht-EU-Unternehmen

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SMWA, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger