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Weitere Radiopharma-Ansiedlungen in Radeberg und Rossendorf erwartet

Laborräume im neuen Zentrum für Radiopharmazeutische Tumorforschung. Foto. Frank Bierstedt, HZDR
Radiopharmazeutisches Labor für Tumorforschung in Dresden-Rossendorf. Foto. Frank Bierstedt, HZDR

Analysten: Nuklearmedizinischer Markt vervierfacht sich weltweit bis 2032

Radeberg/Dresden, 16. Januar 2025. Für den nächsten großen Wachstumsschub hat sich die Radiopharma-Branche zwischen Radeberg und Dresden-Rossendorf nun zusammengetan. In einem gemeinsamen Verbund wollen die Partner künftig gemeinsam auch größere Projekte gemeinsam angehen. Dafür haben sieben Unternehmer und Institutsvertreter nun wie avisiert in Radeberg das Netzwerk „Radiopharmacy Cluster Dresden Nuklid“ vereinbart. Branchenbeobachter rechnen weltweit mit starken Zuwachsraten in diesem Sektor.

„Enormes Potenzial dieser Technologie“

Auch der Freistaat unterstützt diese Vernetzung: „Es ist gut, dass mit dem neuen Cluster diese im Freistaat gewachsene besondere Stärke und Kompetenz nun noch weiter ausgebaut wird“, betonte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bei einem Besuch der Firma „ABX“ in Radeberg, die zu den Gründungsmitgliedern von „Nuklid“ gehört. „Tatsächlich unterstreichen die Wachstumsprognosen für den Radiopharmazeutika-Markt das hier vorhandene enorme Potenzial dieser Technologie.“

Was sind Radiopharmazeutika?

Als „Radiopharmazeutika“ gelten jene schwach radioaktiv strahlenden Präparate, die in der Medizin vor allem für die Diagnose und den Kampf gegen Krebs gebraucht werden. Entsprechend aufbereitete Isotope können sich zum Beispiel gezielt an Tumore anheften und diese in bildgebenden Anlagen sichtbar machen oder sie durch ihre Strahlung zerstören. „Anders als bei herkömmlichen Therapien wirken Radiopharmaka direkt im erkrankten Gewebe, wodurch das umliegende gesunde Gewebe weitgehend geschont wird“, betonen die Nuklid-Partner. „Die Radiopharmazie entwickelt sich zur Schlüsseltechnologie in der modernen nuklearmedizinischen Krebsbehandlung.“

Über 60 Jahre Radioapharma-Erfahrung im Raum Dresden

Dafür bringen viele Mediziner, Ingenieure und Forscher lange Erfahrungen mit: Schon zu DDR-Zeiten wurden am Kernforschungs-Institut in Dresden-Rossendorf die die strahlenden Isotopen für solche Radiopharmaka mit einem Forschungsreaktor und speziellen Ringbeschleunigern (Zyklotronen) gewonnen. Weil sie ihre Strahlkraft schon nach kurzer Zeit auf natürlichem wege verlieren, war schon damals die medizinische Akademie (Medak) in Dresden ein wichtiger Abnehmer. Diese Kooperation hat sich unter neuen Vorzeichen zwischen dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) und dem Uniklinikum Dresden fortgesetzt.

Prognose: Nuklearmedizinischer Weltmarkt vervierfacht sich bis 2032

Um diesen Kern herum sind seit der Wende zahlreiche Radiopharma-Ausgründungen und Ansiedlungen zwischen Rossendorf und Radeberg entstanden – und die Zeichen stehen auf Wachstum. Die Marktanalysten von „Fortune Business Insights“ beispielsweise gehen davon aus, dass sich die weltweiten Umsätze in der nuklearmedizinische Branche bis 2032 auf umgerechnet rund 40 Milliarden Euro vervierfachen werden.

Radebergs Oberbürgermeister setzt auf „Magnetkraft für weitere Unternehmen“

Auch im Raum Dresden-Radeberg sind die Wachstumserwartungen groß. „Die Strahlkraft des Clusters kann sich auch als Magnetkraft für weitere Unternehmen dieser Branche erweisen“, hofft der Radeberger Oberbürgermeister Frank Höhme (parteilos). „Über 60 Jahre Radiopharmazie in Dresden stehen für kontinuierliches Wachstum und Innovation“, ergänzt der Dresdner Wirtschaftsbürgermeister Jan Pratzka (CDU). „Die stetige Erweiterung des Standorts und der wachsende Bedarf an Radiopharmaka unterstreichen die Relevanz dieser Branche.“

Um diese Wachstums-Chancen zu nutzen, wollen die Radioapharma-Unternehmen und -Institute im Raum Dresden-Radeberg bei Innovationsprojekten und der Fachkräfte-Akquise zusammenarbeiten sowie den Standort international sichtbarer machen. Zu den Gründungsmitgliedern gehören das HZDR, ABX, das CUP-Labor Radeberg, Isotope Technologies Dresden, Gamma Service Recycling, die „Molecular Diagnostics Group“ inklusive Rotop und die Trimt GmbH. Die Koordination übernimmt der sächsische Biotech-Verband „Biosaxony“.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Nuklid, Cup, HZDR, SSK

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger